Musik

Meisterduo bezaubert Herdecker Publikum

Begeisterte das Publikum in Herdecke: Geigerin Judith Stapf.

Begeisterte das Publikum in Herdecke: Geigerin Judith Stapf.

Foto: Tanja Pickartz

Herdecke.   Geigerin Judith Stapf und Pianist Yahao Guo leben und erklären die Entstehung sowie die Bedeutung der Stücke.

Das Duo Judith Stapf, Violine, und Yuhao Guo, Klavier, hat im Werner Richard Saal seine Konzertreise durch NRW gestartet. Sie faszinierten ihr großes Publikum nicht nur durch ihre exzellente Aufführungspraxis, sondern auch durch ihre Aufklärung über Entstehung und Bedeutung der gespielten Werke. Darüber hinaus konnte man an der ausdrucksvollen, aber nicht theatralischen Körpersprache ablesen, wie sie sich kongenial in ihre Arbeit vertieften.

Vater der polnischen Moderne

Karol Szymanowski (1882-1937) wurde als „Vater der polnischen Moderne“ vorgestellt, dessen Stück „La Fontaine d`Arethuse“ aus „Mythes“ op. 30,1 „französischen Geist atmete“ (Ravel und Debussy). Es ging dabei um die Verwandlung der vom Flussgott Alpheus verfolgten Nymphe Arethusa, die zu ihrem Schutz von der Göttin der Jagd Artemis in einen Brunnen verwandelt wurde. Das Wasser sprudelte und glitzerte unter den Händen des Pianisten. Die Geige schilderte eine liebliche Gestalt. Beide Instrumente schilderten in gewaltigem Aufruhr die gefährliche Leidenschaft, kongruent in ihrer Themenbehandlung, überaus vielgestaltig der Klavierpart, die Geige mit intensivem, sensiblem Strich, niemals grob, auch im Fortissimo nicht: Ein vielfarbiges musikalisches Bild!

Mit der 1. Sonate A-Dur op. 13 von Gabriel Fauré (1845-1924), laut Saint-Saens ein „Super-Meisterwerk“, begann sich die französische Musik für Klavier und Violine gegen die deutsche Vorherrschaft in diesem Genre durchzusetzen. Die Harmonisierung mit ihren vielen Facetten orientierte sich an den deutschen Romantikern; die klassische Sonatenform fand man in den Anfangs-Sätzen mit 2 Kontrast-Themen. Im Allegro molto freuten sich die Geiger unter den Zuhörern über die perfekte Wiedergabe eines Oktaven-Aufstiegs der Violine, leicht zu genießen, in dieser Eile extrem schwer zu spielen. Superbe Streicher-Eleganz und rauschende Klavier-Brillanz waren französische Eigenschaften.

Der Pianist schwärmte besonders für das Scherzo (Allegro vivo), im 2-Achtel-Takt eine ungewöhnliche rhythmische Variante mit zahlreichen überraschenden Akzenten. „Asymmetrisch“ ist die perfekte Bezeichnung (O-Ton Guo). Rasendes Pizzicato und Staccato verlangten den Spielern hohe Virtuosität ab, kein Problem bei diesem Meister-Duo.

Judith Stapf war bei ihrer Suche nach selten gespielten Klavier/Violinsonaten auf einen Namen gestoßen, dessen Aussprache ihr schon Kopfzerbrechen bereitete: Ludwig Thuille (1861-1907). Er wuchs in Österreich auf, ging zur musikalischen Ausbildung nach München und freundete sich mit Richard Strauss an. Dieser legte ihm seine Kompositionen vor der Abgabe an die Verleger zur Korrektur vor; er hielt ihn für den „besseren Handwerker“. Die Sonate e-Moll op. 30 fesselte das Publikum zu Beginn mit einem brutalen punktierten Akkord-Thema; die Geige mischte ein klein kreisiges Motiv dazu. Nach stürmischem Aufruhr kehrte Ruhe ein: Ein sensibles Zwiegespräch, bevor das Klavier wieder zu poltern begann. Der zweite Satz wog sich in großen Intervall-Abständen der Geige zu sparsamer Begleitung. Hier und da setzte sich die punktierte Eingangs-Bewegung wieder durch.

Im abschließenden Allegro deciso ging es wahrlich „entschlossen“ zur Sache. Plötzlicher Wechsel von zartem Piano zu gewaltigem Fortissimo schuf Spannung. Dieses Werk erwies sich als eine sehr erfreuliche Entdeckung der Geigerin! Das Publikum jubelte und kam bei dem bezaubernd träumerischen „Salut d`Amour“ von Edward Elgar als Zugabe wieder zur Ruhe.

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