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Assistenzhund soll Epileptiker zurück ins Leben bringen

Der schwer kranke Herdecker Dennis Stein (18) hofft darauf, dass er mit einem Assistenzhund  an seiner Seite ein halbwegs normales Leben führen kann. Doch ein solcher Hund ist teuer.

Foto: Elisabeth Semme

Der schwer kranke Herdecker Dennis Stein (18) hofft darauf, dass er mit einem Assistenzhund an seiner Seite ein halbwegs normales Leben führen kann. Doch ein solcher Hund ist teuer. Foto: Elisabeth Semme

Herdecke.   Dennis Stein ist sehr krank. Wegen schwerer Krampfanfälle verlässt er seit Monaten das Haus nicht mehr. Ein Epilepsie-Warnhund könnte ihm helfen.

Die Krankengeschichte von Dennis Stein begann vor fünf Jahren; damals war er 13 Jahre alt. Mittlerweile ist er 100 Prozent schwerbehindert, hat Pflegestufe 3 und braucht rund um die Uhr jemanden in seiner Nähe. Dabei sieht man dem 18-Jährigen nicht an, wie schwer krank er wirklich ist. Letztes Jahr hat Dennis sein Abi gemacht, trotz über 800 Fehlstunden in der Oberstufe als Folge seines gesundheitlichen Zustands. Seit Oktober studiert er in Bochum, doch im Moment weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Denn seit Wochen traut er sich nicht mehr aus dem Haus. Seine große Hoffnung: ein Assistenzhund.

Doch der Reihe nach. Schon 2013 diagnostizierten die Ärzte CRMO bei Dennis, eine seltene Form von Rheuma. Diese chronische, an verschiedenen Stellen auftauchende Knochenentzündung setzt ihn manchmal wochenlang außer Gefecht. „An einem Tag hab ich ein kaputtes Knie, eine Woche später eine kaputte Schulter“, so der 18-Jährige. Ein Jahr nach der ersten schweren Diagnose kam die zweite: Morbus Chrohn, eine entzündliche Darmerkrankung. „Die sorgt für Appetitlosigkeit, Übelkeit und alles Mögliche. Das ist der Grund, warum ich relativ dünn bin. Ich kann Nährstoffe nicht so aufnehmen wie ein gesunder Mensch. Aber das Rheumamedikament ist auch für diese Erkrankung gut.“

Erster Anfall bei einem Freund

Als hätte der junge Herdecker damit nicht schon genug zu kämpfen, kam vor zwei Jahren, möglicherweise durch das Rheuma ausgelöst, noch eine schwere Akne mit dicken Beulen im Gesicht hinzu. „Damit bin ich dann zur Schule gegangen. Mit 16!“, so der junge Herdecker und verdreht die Augen. „Die Beulen im Gesicht mussten aufgeschnitten werden, ohne Betäubung.“ Dann kam die Epilepsie. Den ersten Anfall hatte Dennis Stein vor vier Jahren. Da war er gerade bei einem Freund. „Ich lag auf dem Boden, habe gekrampft, aber selber davon nichts mitbekommen“, weiß er. Nach einem Jahr kam der zweite Anfall. „Wieder bei Freunden. Ich wollte einen schönen Abend haben und landete im Krankenhaus. Danach hatte ich zwei Jahre Ruhe.“

Nach einer Medikamentenumstellung häufen sich seit sechs Monaten die Krampfanfälle. Während einer Reha wegen des Rheumas erlitt Dennis am 1. Dezember mitten im Speisesaal vor 50 Leuten einen Krampfanfall: „Diesen Anfall habe ich mit geöffneten Augen miterlebt. Das hat mich traumatisiert, und seitdem traue ich mich nicht mehr aus dem Haus.“ Dennis spricht von einem Wendepunkt in seinem Leben. Weil er weiß, dass auch Stress einen Anfall auslösen kann, geht er jetzt jeder Anstrengung aus dem Weg: „Aber das bedeutet für mich eben Isolation.“ Seit Oktober ist er an der Ruhr-Uni eingeschrieben, war bislang aber nur einmal dort: „Nach der Reha und dem schweren Krampfanfall kann ich es nicht mehr ertragen, rauszugehen.“

Zwar wirke das Medikament, das er gegen die Epilepsie-Absencen (Sekunden anhaltende reine Bewusstseinsstörungen) nimmt, aber dafür häufen sich die Anfälle. Wie es weitergeht, weiß Dennis nicht. Nur eines weiß er mittlerweile: Ein Assistenzhund könnte seinem Leben eine neue Wendung geben. Seine Mutter sei auf die Epilepsie-Warnhunde gestoßen. „Und der Neurologe war auch sofort begeistert. Er kennt Beispiele, bei denen ein solcher Hund positive Erfolge erzielt hat und die Anfälle zurückgegangen sind. Genau das möchte ich auch, damit ich endlich ein normales Leben führen kann.“

In der Hundeschule vom Tomberg in Meckenheim bildet Züchterin Manuela van Schewick Labradore zu Epilepsie-Warnhunden aus. Dennis hat dort bereits ein Seminar besucht und Besitzer solcher Vierbeiner kennengelernt.

Bei Finanzierung überfordert

„Das hat mich in meinem Wunsch bekräftigt. Ein Hund könnte mich warnen, so dass ich mich rechtzeitig in Sicherheit bringen kann, oder das Telefon oder Medikamente bringen, wenn ich mal alleine bin.“ Kostenfaktor: 21 000 Euro. Das kann die Familie von Dennis, der noch zwei ältere Geschwister (20 und 25) hat, die beide studieren, nicht aufbringen. „Einen normalen Hund könnten wir uns noch leisten, aber so viel“, sagt Dennis und schüttelt den Kopf.

Deswegen setzt der junge Herdecker nun auf die Unterstützung von hilfsbereiten Bürgern, damit er mit einem Vierbeiner an seiner Seite wieder ein halbwegs normales Leben führen kann.

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