Leben

Mit dem dritten Herzen in ein neues Leben

Tschüss! Sven Krechting hat die Herztransplantation gut überstanden und verabschiedet sich vom Herzzentrum in Bad Oeynhausen. Nun geht es für den Volmarsteiner zunächst einmal in die Reha.

Foto: Armin Kühn

Tschüss! Sven Krechting hat die Herztransplantation gut überstanden und verabschiedet sich vom Herzzentrum in Bad Oeynhausen. Nun geht es für den Volmarsteiner zunächst einmal in die Reha. Foto: Armin Kühn

Wetter/Bad Oeynhausen.   Der Volmarsteiner Sven Krechting (25) verlässt nach der Herztransplantation die Klinik in Bad Oeynhausen. Jetzt geht es erstmal in die Reha.

„Guten Abend, Ihr Lieben. Da bin ich wieder. Jaaa, wo soll ich anfangen... Wie ihr alle wisst habe ich am 3.10.17 mein ,neues’ Herz bekommen. Die OP ist sehr gut verlaufen, und es geht mir von Tag zu Tag besser, ich laufe sogar schon. Mit Hilfsmitteln.“ Diese Zeilen postete Sven Krechting am 18. Oktober um 19.56 Uhr auf seiner Facebook-Seite „Mein Weg zum Spenderherz“. 90 Tage hatte der Wetteraner im Herzzentrum Bad Oeynhausen auf ein neues Herz gewartet. Nach 125 Tagen wurde er nun am Dienstag nach erfolgreicher Transplantation aus der Klinik entlassen.

Sven Krechting war zweieinhalb Jahre alt, als er am 13. Juli 1994 erstmals in Bad Oeynhausen ein Spenderherz bekam. 23 Jahre lang lebte er mit dem Spenderherz, bis sich Anfang Januar sein Gesundheitszustand rapide verschlechterte: Herzschmerzen und Herzrasen quälten ihn, bis man ihm in Bad Oeynhausen einen Stent setzte. Der 25-Jährige hoffte auf Besserung, aber seine körperliche Belastbarkeit nahm weiter ab. Dann entfernten ihm die Ärzte Gallenblase und Blinddarm; anschließend war an Treppensteigen nicht mehr zu denken. „Ich konnte nur noch wenige Meter zu Fuß gehen und war auch zu Hause auf Hilfe angewiesen. Dann folgten Lungenembolie und Lungenentzündung“, so der Volmarsteiner. Als er eines Nachts akute Luftnot bekam, brachten seine Eltern ihn ins Marienhospital nach Witten. Weil er aber nur noch eine Herzfunktion von elf Prozent hatte, wurde er von Witten nach Bad Oeynhausen verlegt. Ab da hieß es: warten.

Warten auf ein neues Herz

Sven Krechting wusste, dass der Weg nicht einfach würde – und möglicherweise lang. „Mir wurde gesagt, dass es im Regelfall vier bis sechs Monate dauert, bis ein Spenderherz gefunden ist. Manchmal auch bis zu einem Jahr. Aber man kann nicht einfach einen Kühlschrank aufmachen und ein Herz rausholen“, wusste der Volmar­steiner um die Problematik, ein Spenderherz zu finden, das europaweit für ihn gesucht wurde.

Die Zeit in der Klinik vertrieb er sich unter anderem mit Musik hören und fernsehen. Über Facebook hielt er Kontakt zu seinen Freunden, die ihn ab und zu auch besuchten – ebenso wie die Familie, die zumeist am Wochenende nach Bad Oeynhausen fuhr. Nach 90 Tagen war es so weit; ein Spenderherz war gefunden. Für den 25-Jährigen „eine Chance, mein Leben noch einmal neu zu beginnen und mir neue Ziele zu setzen“. Die Operation am 3. Oktober gelingt, nach drei Tagen auf der Intensivstation kann Sven Krechting auf die Transplantationsstation zurückkehren und darf am selben Tag sogar sein Bett verlassen.

Nun hat der Volmarsteiner auch das Krankenhaus verlassen. Ein Kuraufenthalt mit physiotherapeutischer Behandlung in einer Rehabilitationseinrichtung wird folgen und soll dazu beitragen, die aufgrund der langen Bettlägerigkeit schwach gewordene Körpermuskulatur wieder zu kräftigen. Grundsätzlich sei es sehr selten, dass ein Herztransplantierter ein zweites Spenderherz erhält, heißt es aus der Pressestelle des Herz- und Diabeteszentrums NRW. Professor Dr. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am HDZ NRW, das als größtes Herztransplantationszentrum in Europa bekannt ist: „Das kommt unserer Erfahrung nach nur bei etwa zwei Prozent der erfolgten Herztransplantationen vor.“

Kampf für die Organspende

Wie seit seiner ersten Herztransplantation muss Sven Krechting weiterhin täglich Medikamente einnehmen, um eine Abstoßungsreaktion auf das fremde Organ zu vermeiden. Auch nach seiner Transplantation will der Volmarsteiner auf das Thema Organspende aufmerksam machen: „Organspende kann jeden treffen. Es ist wichtig, dass sich möglichst viele Menschen mit dem Thema Organspende befassen. In Deutschland stehen viel zu wenig Spenderorgane zur Verfügung. In Nordrhein-Westfalen ist die Spendenbereitschaft laut Statistik besonders niedrig.“

Er selbst sammelt inzwischen Spenden für schwer herzkranke Kinder. Das Spendenprojekt läuft noch bis zum 18. Dezember. Auch eine Art, „Danke“ zu sagen für ein Herz und damit für die Chance auf ein neues Leben.

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