Soziales

Mit SIH gut vernetzt zu praktischer Lebenshilfe im EN-Kreis

Landrat Olaf Schade (Mitte) mit den Beteiligten der Kooperationsvereinbarung im Kreishaus.

Landrat Olaf Schade (Mitte) mit den Beteiligten der Kooperationsvereinbarung im Kreishaus.

Foto: EN-KreiS

Wetter/Ennepe-Ruhr.  14 Institutionen aus dem Kreis, darunter vier aus Wetter, suchen gemeinsam nach Betreuungsangeboten für Menschen mit vielschichtigen Problemen.

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Praktische Lebenshilfe wollen 14 Institutionen künftig gemeinsam leisten. Sie wollen Menschen wie dem 23-jährigen Hartmut S. helfen, der nicht nur geistig behindert ist, sondern auch ein Alkoholproblem hat. Oder der 43-jährigen Irene K. (Namen geändert), die unter einer Psychose leidet, körperbehindert ist und aus der Klinik entlassen werden soll. Sie und andere Betroffene profitieren bei der Suche nach Betreuungsangeboten im Ennepe-Ruhr-Kreis nun von neuen Strukturen. Aufwändige und zeitintensive Einzelabfragen an Träger von Einrichtungen und Wohnungen sind Geschichte. Die Verantwortlichen setzen stattdessen auf eine interne Internetplattform und regelmäßigen Austausch. Vier der 14 Institutionen sind in Wetter verortet: Neben dem Aktiven Leben und Wohnen sind das die Ev. Stiftung Volmarstein, das Frauenheim Wengern und der Verein Integra - Psychosoziale Dienstleistungen.

Sperriger Titel

„Auch wenn der Titel ,Netzwerk spezielle individuelle Hilfsbedarfe im Ennepe-Ruhr-Kreis’ etwas sperrig ist, darf dies nicht darüber hinweg täuschen, die Zusammenarbeit im Interesse der Menschen hat sich vereinfacht und verbessert“, machte Landrat Olaf Schade im Schwelmer Kreishaus deutlich. Dort unterzeichneten der EN-Kreis und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie Vertreter der 14 Institutionen eine neue, unbefristete Kooperationsvereinbarung.

Von der alten Vereinbarung konnten acht Personen profitieren. Drei haben bereits ein Zuhause in einer neuen Wohnform gefunden, fünf befinden sich noch auf Wartelisten. „Auch wenn die Fallzahl erwartungsgemäß sehr überschaubar ist, in diesem Bereich zählt jeder Einzelfall. Es geht um Menschen und Schicksale“, betont Astrid Hinterthür, Fachbereichsleiterin Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung. Für den innovativen Charakter der Vereinbarung sprechen auch die Nachfragen aus anderen Kommunen in NRW.

Praktisch funktioniert dieses so: Der betreuende Dienst stellt die notwendigen Informationen über den zu Vermittelnden auf der Internetplattform ein. Alle Partner werden darüber per Mail informiert, und die gemeinsame Suche nach einer angemessenen Lösung kann beginnen. Gefunden werden sollen passgenaue Angebote, die den Betroffenen den Weg zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe am sozialen Leben zu ebnen.

Für den 23-jährigen Hartmut S. wäre dies beispielsweise keine klassische, auf Sprache basierte Suchttherapie. Stattdessen muss ein Träger gefunden werden, der mit beiden Problemlagen - Alkohol und Behinderung - umgehen kann. Um Irene K. helfen zu können, wäre es nötig, eine barrierefreie Einrichtung zu finden, die zum einen möglichst zentral liegt und zum anderen psychiatrische Hilfen anbietet.

„Selbstverständlich“, so Hinterthür, „ist die Weitergabe der Daten mit den Betroffenen abgestimmt und der Zugriff auf die Daten entsprechend gesichert.“ Für sie sowie für die übrigen Beteiligten sei das Verfahren ein Fortschritt. „Vorrangig kümmern wir uns um diejenigen, die spezielle und individuelle Angebote benötigen. Um diejenigen, die ein besonders herausforderndes Verhalten zeigen oder auch auf ganz besondere Strukturen zum Wohnen angewiesen sind“, so Hinterthür.

Im Auge haben die Beteiligten dabei auch jene, die lange im Kreis gelebt haben und aktuell in Kliniken oder Einrichtungen außerhalb behandelt werden, weil sie bislang keine adäquate Versorgung vor gefunden haben. Hier wäre es ein Fortschritt, ihnen dank des Netzwerkes zukünftig in ihrem sozialen Umfeld die Hilfen bieten zu können, die ihren Bedürfnissen gerecht werden.

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