Herdecke/Hagen.

Nach Lebensbeichte geht Drogenkurier in den Offenen Vollzug

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Herdecke/Hagen. Es mutet wie eine unendliche Geschichte an: Mit über 60 Kilo Amphetamin, das er für einen Bekannten in seiner Garage lagerte, sorgte ein 38-jähriger Herdecker 2011 erstmalig für Aufsehen. In der U-Haft packte ihn dann die Reue. Er „sang“, räumte weitere Drogendelikte ein und wurde verurteilt. Jetzt befasste sich das Hagener Landgericht erneut mit dem ungewöhnlichen Fall.

Angst vor dem Dealer

Rückblende: Spätestens 2011 geriet der Herdecker in finanzielle Bedrängnis. Da kam ihm das Angebot eines Kumpels gerade recht. Für 3000 Euro sollte er dessen Amphetamin lagern. Der Mann, der selbst seit Jahren Drogen konsumierte, zögerte nicht lange. Allerdings brach ihm die schlechte Qualität des mehr oder weniger wirkstofflosen Amphetamins das Genick. Der Besitzer holte lediglich wenige Kilogramm ab und ließ sich dann nicht mehr blicken. Aber, voller Furcht vor weiteren Schulden, traute sich der 38-Jährige auch nicht, den Stoff einfach zu vernichten. So kam, was kommen musste: Ein Zufall brachte ans Licht, was er da in seiner Garage bunkerte. Die Handschellen klickten.

Die anschließenden viereinhalb Monate U-Haft nutzte der Herdecker für einen Sinneswandel. Er schwor nicht nur den Drogen ab, sondern legte gleichzeitig auch eine Lebensbeichte ab, die seinen ahnungslosen Rechtsanwalt Clemens Louis zur Verzweiflung trieb. Ohne Not und ohne überhaupt im Verdacht zu stehen, räumte er ein, 50 Mal zwischen 500 und 1500 Gramm Marihuana von einem Lieferanten erworben zu haben. Mit dem Verkauf des Grases wollte er Schulden begleichen und den eigenen Bedarf finanzieren. Als er bei dem Dealer dennoch irgendwann in der Kreide stand, ließ er sich überreden, für ihn kiloweise Marihuana aus den Niederlanden über die Grenze nach Deutschland zu schmuggeln. Bei seiner Offenbarung enttarnte der 38-Jährige nicht nur die eigenen Delikte, sondern nannte auch die Namen seiner „Mitstreiter“, die später zu Haftstrafen bis zu fünfeinhalb Jahren verurteilt wurden.

Unter Einbeziehung der Strafe für das gebunkerte Amphetamin verurteilte das Hagener Landgericht den verblüffend ehrlichen Herdecker im August 2012 zu zwei Jahren und zehn Monaten Haftstrafe. Dabei wertete die Kammer den Erwerb und anschließenden Verkauf des Marihuanas als 50 Einzeltaten.

Zwei Jahre und acht Monate Haft

Das sah der Bundesgerichtshof (BGH) anders. Auf Grund der Tatsache, dass der Herdecker immer dann wieder bei seinem Lieferanten vorstellig wurde, wenn sein Vorrat zur Neige ging, wertete der BGH das Ganze als eine Tat. Damit hatte die Revision von Verteidiger Clemens Louis Erfolg. Der BGH hob das Urteil auf.

Jetzt wurde der Fall vor einer anderen Kammer des Hagener Landgerichts erneut verhandelt. Doch, an den Mengen gab es natürlich trotzdem nichts zu rütteln. Lediglich der Zeitablauf ermöglichte einen kleinen „Abschlag“. Der Herdecker wurde nun zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. „Wir sehen, dass Sie sich bemühen, Ihr Leben in den Griff zu kriegen“, betonte die Vorsitzende Richterin Nina Sommer in der Begründung des Urteils und verwies auf die Chance des Herdeckers, seine Strafe im Offenen Vollzug zu verbüßen. Zu einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung sei es aus Sicht der Kammer allerdings nicht gekommen. Doch eben diese Verzögerung war zur Überzeugung von Verteidiger Clemens Louis sehr wohl gegeben. Er hatte in seinem Plädoyer zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragt und zieht es jetzt in Erwägung, erneut Revision einzulegen. Ende offen.

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