Brand-Auswirkung

Nachbarn kritisieren Stadt Wetter wegen Asbest-Vorgehens

In dieser Scheune an der Voßhöfener Straße ist ein Feuer ausgebrochen. Die  Anwohner sind wegen eines Asbest-Befunds in Sorge und kritisieren die Stadt Wetter.

In dieser Scheune an der Voßhöfener Straße ist ein Feuer ausgebrochen. Die Anwohner sind wegen eines Asbest-Befunds in Sorge und kritisieren die Stadt Wetter.

Foto: Steffen Gerber

Esborn.  Anwohner der Voßhöfener Straße hätten sich wegen des Asbest-Befunds ein schnelleres und professionelleres Handeln von der Stadt Wetter gewünscht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nach der Berichterstattung zu dem Brand und den Asbest-Sorgen in der Voßhöfener Straße haben einige direkte Anwohner ein längeres Schreiben über zweieinhalb DIN-A-4-Seiten aufgesetzt und der Redaktion gesendet. Der Text (hier die gekürzte Fassung) beginnt mit der Formulierung, dass die Nachbarn die Stellungnahmen der Stadt Wetter – veröffentlicht in der Samstagausgabe – „mit einem resignierten Lächeln ‘runtergeschluckt“ hätten.

Aus Sicht der Anwohner musste die Stadt zunächst nach dem verheerenden Brand von betroffenen Bürgern „wachgerüttelt“ werden. „So das Gefühl, wenn man nicht angerufen wird, sondern selbst anrufen muss, um Informationen zu erhalten und um ein Handeln zu erreichen“, heißt es im Leserbrief. Die Nachbarn hatten demnach den Eindruck, dass die Stadt ohne eine Nachfrage wahrscheinlich keine Kenntnis von der Brisanz des Brandes bekommen hätte und ein entsprechendes Handeln unterblieben wäre.

Spätes Handel sei eine „Farce“

Dass jetzt zeitnah Maßnahmen zum Schutz der Menschen anstehen, sei eine „Farce“. Mittlerweile ist eine Woche vergangen – und der Begriff „zeitnah“ sei für die Anwohner (für die das „Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“) eine Aussage, die, wie alles andere auch, nicht greifbar sei. Die „Krebsproblematik“ zu relativieren, weil „zeitnah“ Maßnahmen anstehen, ist aus Sicht der Anwohner ebenfalls ein Hohn, da diese während der Asbestverteilung in die Umwelt bereits entsteht und nicht im Nachgang gelöscht oder gemindert werden kann. „Wichtig wäre doch gewesen, in den direkten Tagen nach dem Brand einen großangelegten Reinigungs- und Entsorgungsvorgang durchzuführen! Auch auf den Nachbargrundstücken“, heißt es in dem Schreiben.

„Was heißt zum Schutz der Menschen? Welche Menschen sind gemeint?“, lauten Fragen der Anwohner. „Hier (bei den Nachbarn) war noch kein Mitarbeiter der Stadt Wetter persönlich und hat sich vor Ort ein Bild der Verunreinigungen auf den anliegenden Grundstücken gemacht.“

Unklar sei auch: In welchem Umkreis sind die Menschen gemeint? „Wir als Anwohner mussten selber zusehen, wie wir mit den Asbestplatten auf unserem Grundstück zurecht kommen.“ Der Tipp der Stadt: Nicht anfassen, nichts berühren und feucht halten. Darauf die Nachbarn: „Wie sollen wir unseren Alltag leben, wenn das Auto auf dem Grundstück nicht bewegt werden darf, die Mülltonnen nicht angefasst werden dürfen und jetzt bereits seit einer Woche nicht gelüftet und der betroffene Außenbereich nicht betreten werden darf? Die Türen mussten wir leider öffnen, sonst hätten wir das Haus nicht betreten können...“

Informationen selbst einholen

Am Brand-Abend haben die Anwohner, die nach eigenen Angaben noch durch einen netten Nachbarn vor dem Eintreffen der Feuerwehr gewarnt wurden, das Haus fluchtartig verlassen. „Eine Aufhebung der Anweisung (Fenster und Türen geschlossen halten) ist uns nicht zugegangen“, heißt es in dem Schreiben.

Auch die Anweisung, Grundstücke nahe des Brandortes vorerst nicht zu betreten, sei praxisfremd und wurde demnach erst nach eigener Nachfrage am Montag von der Stadt empfohlen. „Dann hätte man uns bereits Samstag evakuieren müssen. Erst nach mehrfachem Anruf während der kompletten Woche bei sämtlichen zuständigen Behörden kamen nach und nach Informationen an die Anwohner.“

Ferner sei es im Nachhinein verwunderlich, dass sich Einsatzkräfte – obwohl der Brand noch nicht endgültig abgelöscht war und Qualm aufstieg – direkt am Brandort ohne Atemschutz bewegten. „Am Sonntag mussten wir zu unserem Entsetzen feststellen, dass unmittelbar an der Brandstelle Kinder spielten, obwohl hier ja noch von einer unmittelbaren Gefahr ausgegangen werden musste“, heißt es noch.

Überrascht von mehrtägiger Analyse

Und: „Uns ist außerdem aufgefallen, dass im Umkreis (und wahrscheinlich nicht nur in Wetter) auf fast jedem zweiten Hof ein Unterstand, eine Scheune oder ein ähnliches Bauwerk vorhanden ist, welches mit einem asbesthaltigen Dach gedeckt bzw. mit gleichartigen Außenwänden bestückt ist. Umso mehr überrascht es, dass die Stadt mehrere Tage benötigt, um Proben analysieren zu lassen, Bürger zu informieren und eine entsprechende Entsorgung einzuleiten.“ So bleibe der Eindruck, dass Mensch und Umwelt „nicht an erster Stelle stehen“.

Die Anwohner-Kritik im Wortlaut

Die Stadt Wetter musste zunächst nach dem verheerenden Brand von den Anwohnern „wachgerüttelt“ werden. So das Gefühl, wenn man nicht angerufen wird, sondern selber anrufen muss, um Informationen zu erhalten und um ein Handeln zu erreichen. Man hatte den Eindruck, dass die Stadt ohne eine Nachfrage wahrscheinlich keine Kenntnis von der Brisanz des Brandes bekommen hätte und ein entsprechendes Handeln unterblieben wäre.

Dass jetzt zeitnah Maßnahmen zum Schutz der Menschen anstehen, ist eine „Farce“. Mittlerweile ist eine Woche vergangen und der Begriff „zeitnah“ für die Anwohner (für die das „Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“) eine Aussage, die wie alles andere auch, nicht greifbar ist. Die „Krebsproblematik“ zu relativieren, weil „zeitnah“ Maßnahmen anstehen ist ebenfalls ein Hohn, da diese während der Asbestverteilung in die Umwelt bereits entsteht und nicht im Nachgang gelöscht oder gemindert werden kann. Wichtig wäre doch gewesen, in den direkten Tagen nach dem Brand, einen großangelegten Reinigungs- und Entsorgungsvorgang durchzuführen! Auch auf den Nachbargrundstücken.

Was heißt zum Schutz der Menschen? Welche Menschen sind gemeint? Hier (bei den Nachbarn) war noch kein Mitarbeiter der Stadt Wetter persönlich und hat sich vor Ort ein Bild der Verunreinigungen auf den anliegenden Grundstücken gemacht. In welchem Umkreis sind die Menschen gemeint? Wir als Anwohner mussten selber zusehen, wie wir mit den Asbestplatten auf unserem Grundstück zurecht kommen. Kleiner Tipp der Stadt: Nicht anfassen, nichts berühren und feucht halten. (Steht auch im weltweiten Web ☺) Wie sollen wir unseren Alltag leben, wenn das Auto auf dem Grundstück nicht bewegt werden darf, die Mülltonnen nicht angefasst werden dürfen und jetzt bereits seit 1 Woche nicht gelüftet und der betroffene Außenbereich nicht betreten werden darf? Die Türen mussten wir leider öffnen, sonst hätten wir das Haus nicht betreten können.

Am Brandabend haben wir noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr, gewarnt durch einen netten Nachbarn, das Haus fluchtartig verlassen, da uns dieser auch mitteilte, dass sich dort an der Brandstelle Gastanks befinden. Glücklicherweise waren die Fenster geschlossen.

Eine Aufhebung dieser Anweisung (Fenster und Türen geschlossen halten) ist uns nicht zugegangen. Auch die Anweisung, Grundstücke nahe des Brandortes vorerst nicht zu betreten ist praxisfremd und wurde erst nach eigener Nachfrage am Montag von der Stadt empfohlen. Dann hätte man uns bereits Samstag evakuieren müssen.

Erst nach mehrfachem Anruf während der kompletten Woche bei sämtlichen zuständigen Behörden, kamen nach und nach Informationen an die Anwohner.

Nach eigener Recherche ist die übliche Vorgehensweise derart, dass noch in der Brandnacht bei bloßem Verdacht auf Asbest das LANUV informiert wird und ein Messfahrzeug noch direkt (nicht kurzfristig und nicht langfristig, sondern direkt) vor Ort Gefahrstoffe messen kann. Das Messfahrzeugsoll ,laut Homepage des LANUV, innerhalb weniger Minuten ausrücken. Darauf muss eine sachgerechte Reinigung umgehend (und nicht 1-2 Wochen später) erfolgen.

Ferner ist es im Nachhinein verwunderlich, dass sich Einsatzkräfte – obwohl der Brand noch nicht endgültig abgelöscht war und Qualm Wolken aufstiegen – direkt am Brandort ohne Atemschutz bewegt haben. Weiter ist es unerklärlich, dass der Brandort in den darauffolgenden Tagen erst auf Hinweis von Anwohnern mit einem Absperrband (!) gegen Betreten gesichert wurde. Am Sonntag mussten wir zu unserem Entsetzen feststellen, dass unmittelbar an der Brandstelle Kinder spielten, obwohl hier ja noch von einer unmittelbaren Gefahr ausgegangen werden musste. Auch ist es unerklärlich, dass in der Brandnacht eine Privatperson mit einem Bagger zur Suche nach Brandnestern ohne jeglichen Schutz herangezogen wurde. Eine solche Vorgehensweise untermauert bei den Anwohnern den Verdacht, dass den Einsatzkräften für solche Einsätze keine zwingenden Vorschriften vorliegen, wie man in solchen Fällen vorgehen muss bzw. welche Maßnahmen zu treffen sind. Bezüglich der Warnung hat man seitens der Feuerwehr das Radio EN verständigt, die eine entsprechende Warnung ausgegeben haben. Leider hatten etliche Schaulustige und Anwohner, die sich bei gutem Wetter im Garten befanden, kein Radio zur Hand. Es war den vor Ort anwesenden Einsatzkräften offensichtlich nicht möglich, Lautsprecherdurchsagen durchzuführen, um auch den letzten Einwohner von Voßhöfen zu warnen. Nach Rücksprache mit dem LANUV hätte evtl. sogar eine Straßensperrung erforderlich sein müssen, um niedergehende Fasern zu binden. Allerdings sind diese wohl Dank dem anschließenden Verkehr jetzt bis zur Esborner Straße bzw. bis zum Blumental verteilt. Uns ist außerdem aufgefallen, dass im Umkreis (und wahrscheinlich nicht nur in Wetter) auf fast jedem zweiten Hof ein Unterstand, eine Scheune oder ein ähnliches Bauwerk vorhanden ist, welches mit einem asbesthaltigen Dach gedeckt bzw. mit gleichartigen Außenwänden bestückt ist. Umso mehr überrascht es, dass die Stadt mehrere Tage benötigt, um Proben analysieren zu lassen, Bürger zu informieren und eine entsprechende Entsorgung einzuleiten. Hat es in der Vergangenheit solche Brände nicht gegeben und wie war da die Vorgehensweise im Umgang mit den Bürgern? Im vorliegenden Fall wurden erst auf Nachdruck die Anwohner informiert und Verhaltensweisen mitgeteilt. Fast 6 Tage später und leider, wie wir erfahren mussten, nur ein kleiner Teil der Anwohner. Den Rest, in deren Richtung die Rauchwolke gezogen ist, hat man offenbar vergessen…wie so Vieles in der vergangenen Woche!

Was ist also während der letzten Woche passiert?

Auf den anliegenden Grundstücken jedenfalls nichts. Das verärgert stark, da man nicht das Gefühl hat, dass Umwelt und Mensch hier an erster Stelle stehen.

„Solange die Stelle feuchtgehalten werden kann, bestehe keine Gefahr.“ Wer garantiert das Feuchthalten? Der Satz lässt bereits die Schlussfolgerung zu, dass bei Trockenheit (die wir auch hatten), eine Gefahr besteht.

Das ein endgültiges Gutachten mit genauen Messwerten der Platten noch erfolgt, wissen wir wieder einmal nur auf eigene Anfrage. Der Begriff „schnellstmöglich“ und „kurzfristig“ erhält auch in diesem Zusammenhang einen gewissen Sarkasmus.

Eine fachgerechte Entsorgung am 9. September ist für uns auch neu, da uns diese bereits für Freitag angesagt wurde.

Wir hätten uns gewünscht, dass die angesprochenen Ängste der direkt betroffenen Menschen derart ernst genommen worden wären, dass man seitens der Stadt vollumfänglich informiert und sich auch bei den umliegenden Nachbarn ein Bild von den Brandauswirkungen gemacht hätte. Statt nur theoretische Anweisungen über Ferndiagnose zu geben.

Wir wünschen der Stadt Wetter für Ihren nächsten Umweltmarkt viel Erfolg und genug Material zur Sensibilisierung der Bevölkerung, was den Umweltschutz angeht. Eine saubere Luft für Wetter kommt nicht nur von der Natur selbst (glücklicherweise haben wir noch genug Bäume), sondern erfordert auch einen Beitrag durch den Menschen.

Wir bedanken uns ausdrücklich für den schnellen und selbstlosen Einsatz der Frauen und Männer der freiwilligen Feuerwehr und wünschen uns mehr Unterstützung dieser durch die Stadt Wetter. Nur so können zukünftige Brände dieser Brisanz für die Umwelt und den Menschen glimpflich ausgehen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben