Wahl

Nadja Büteführ schafft Sprung in den Landtag

Mit dem eigenen Ergebnis zufrieden, vom Abschneiden der Landespartei enttäuscht: Nadja Büteführ (rechts) aus Herdecke im Ratskeller in Witten, wo sie die Auszählung der Stimmen verfolgte.

Mit dem eigenen Ergebnis zufrieden, vom Abschneiden der Landespartei enttäuscht: Nadja Büteführ (rechts) aus Herdecke im Ratskeller in Witten, wo sie die Auszählung der Stimmen verfolgte.

Foto: Thomas Nitsche

Herdecke/Wetter.  Rainer Bovermann (SPD) und Verena Schäffer (Grüne) ebenfalls ins NRW-Parlament gewählt. FDP-Kandidat schafft es spät.

Die Herdecker SPD-Fraktionsvorsitzende Nadja Büteführ hat den Wahlkreis für Herdecke und Witten geholt, den sie von Thomas Stotko übernommen hat. Als Direktkandidat im Nachbarwahlkreis mit Wetter hat es Rainer Bovermann erneut geschafft. Ebenso erneut im Landtag vertreten ist Verena Schäffer von den Grünen. Dazu kommt Bodo Middeldorf (FDP). Für ihn war der Abend „lang und spannend“. Erst spät stand fest, dass er mit Platz 26 der Landesliste in den Landtag einzieht.

Nadja Büteführ zeigte sich vom Landesergebnis „sehr enttäuscht“, sah im eigenen Ergebnis aber einen „persönlichen Erfolg“. Dass die SPD Platz 1 bei den Zweitstimmen behauptet hat, wertete sie als „gutes Zeichen“ . Rainer Bovermann spricht von einer historischen Niederlage für seine SPD: „Da kann man sich auch als wiedergewählter Abgeordneter nicht so richtig freuen.“ Jetzt gibt es eine klare Aufgabenverteilung. so Bovermann: „Schwarz-Gelb muss liefern, und wir werden ein kritisches Auge darauf haben.“

Verena Schäffer freute sich über ihr persönliches Ergebnis, „aber für die grüne Partei ist das eine ganz klare Niederlage. Wir wussten, dass es schwierig werden würde, aber wir haben unser Ergebnis ja halbiert“, so die Wittenerin.

Über die Landesliste ist Simon Nowack (CDU) nicht in den Landtag gelangt. Dennoch zeigte er sich zufrieden. „Ich habe den Abstand zur SPD nahezu halbiert“, freute er sich nach der Auszählung.

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Zwischen Sektlaune und Katerstimmung

20 Prozent Verlust für die SPD, ebenso viel Gewinn für die CDU – ganz so kräftig wie im ersten ausgezählten Wahlbezirk in Herdecke war das Endergebnis für die Stadt am Ende aber doch nicht. Allerdings blieben die Zahlen für die CDU so gut, dass Heinz Rohleder als Unions-Fraktionschef im Ratssaal nach vorne gehen musste, „um dichter an die Zahlen zu kommen. Ich traue denen nicht.“

In Jubellaune auch Wilhelm Huck, Fraktionsvorsitzender der FDP im Herdecker Rat. Er kam zwar nur mit zwei Gläsern und einer Flasche Wasser aus der kleinen Küche neben dem Ratssaal zurück, gestand aber: „Ich habe zuhause schon ein Piccolöchen getrunken.“

Weniger gut war die Stimmung bei Irmingard Schewe-Gerigk, lange Jahre Bundestagsabgeordnete der Grünen und danach auch noch im Rat. „Wer hätte das gedacht?“, fragte sie kopfschüttelnd. Mit einem knappen Rennen habe sie gerechnet. Aber dass die CDU nun so klar an der SPD vorbeigezogen sei...

Hart ist es auch für Karin Striepen von der SPD. Immerhin kann sie sich freuen, dass nach vielen, vielen Jahren wieder jemand aus Her­decke in den Landtag gewählt worden ist: Nadja Büteführ hat es nicht nur geschafft, sagt Karin Striepen. Sie hat den Absturz der SPD bei den Erststimmen in Herdecke gedämpft und auch in Witten respektabel abgeschnitten.

In Wetter war das schlechte Abschneiden der SPD auf Landesebene zumindest für den Stadtverbandsvorsitzenden der SPD, Peter Zinn, keine echte Überraschung mehr. Er hatte aus der Partei von Nachwahlbefragungen erfahren, die auch in Wetter den Wählerwillen erforscht hatten, dass es deutlich mehr Zustimmung für die CDU als für die SPD im Land gebe.

Auch in Wetter will CDU nach vorne

Gelöste Stimmung dagegen bei Cosimo Palomba, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU in Wetter: „Das ist ein hervorragendes Ergebnis und eine Bestätigung unserer Politik. Dass es knapp werden würde, das wussten wir. Aber in dieser Deutlichkeit hatte ich das nicht erwartet. Ich hoffe, dass es jetzt auch in Wetter mit der CDU langsam nach vorne geht.“

Kommentar von Klaus Görzel
„Die Zeit der kurzen Wege ist vorbei“

Die SPD hat ihre Bastionen in Wetter und Herdecke gehalten, und doch ist der Abstand zur CDU deutlich geschrumpft. Die Zufriedenheit von CDU-Bewerber Simon Nowack auch mit sich selbst ist also verständlich, selbst wenn er den Sprung in den Landtag erneut nicht geschafft hat.

Nadja Büteführ dagegen ist der Wechsel in die Landespolitik gelungen. Auch sie darf zufrieden sein. Bei den Zweitstimmen hat die SPD ungefähr so viel verloren wie im Land, bei den Erststimmen sah die Kandidatin aber besser aus als der Landestrend, in ihrer Heimatstadt Herdecke wie auch in Witten.

Rainer Bovermann, weiter SPD-Abgeordneter für Wetter, und Verena Schäffer, weiter Abgeordnete für die Grünen, haben Federn gelassen. Härter dürfte sie treffen, dass es mit der Regierungsverantwortung von Rot-Grün vorbei ist.

Die Zeit der kurzen Wege nach Düsseldorf dürfte vorbei sein. Aber vielleicht hat Bodo Middeldorf ja bald die Nähe zur Regierung.

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