Familienbetrieb

Nächste Generation steht bei Bäckerei Hagenkötter bereit

120 Jahre Bäcker-Geschichte in Herdecke gehen mit der nächsten Generation weiter: Robin (rechts) und Ariane Hagenkötter mit Baby Marie übernehmen schrittweise den Betrieb von den Eltern Silvia und Karl Wilhelm Hagenkötter.

120 Jahre Bäcker-Geschichte in Herdecke gehen mit der nächsten Generation weiter: Robin (rechts) und Ariane Hagenkötter mit Baby Marie übernehmen schrittweise den Betrieb von den Eltern Silvia und Karl Wilhelm Hagenkötter.

Foto: WP

Herdecke.   In dieser Woche feiert die Bäckerei Hagenkötter aus Herdecke 120-jähriges Firmenjubiläum. Bald steht ein Generationswechsel an.

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Welch ein Jahr für Familie Hagenkötter. Im Januar heiratete Bäckermeister Robin seine Ariane, im März kam ihre Tochter Marie zur Welt. Sie steht für die fünfte Generation der Herdecker Bäckerei, die derzeit die 120-jährige Firmengeschichte mit Aktionsangeboten feiert. Und ab Ende 2016 steht ein Generationswechsel an: Seniorchef Karl Wilhelm und Silvia Hagenkötter wollen sich dann schrittweise aus dem Betrieb zurückziehen. Anlass genug, mal in der Backstube am Ahlenberg vorbeizuschauen.

Dieser Geruch. Der Duft von frischen Brötchen und Brot empfängt den Besucher auf dem Grundstück, wo die Familie lebt und arbeitet. „Nach so vielen Jahren ist das für mich nicht so intensiv“, sagt Karl Wilhelm Hagenkötter. Auch sein Sohn nimmt dies nach eigener Aussage nur selten wahr. Mit 12 Jahren verdiente sich Robin Hagenkötter seine ersten Brötchen im hauseigenen Geschäft. Vom Taschengeld-Aufbessern zum Betriebsleiter. Und das, obwohl der 33-Jährige als Vertreter der vierten Generation nicht wie seine Vorfahren Karl heißt. Augenzwinkernd fügt der Juniorchef, der ein BWL-Studium an Dortmunds Fachhochschule abgeschlossen hat an, dass er sein Handwerk trotzdem beherrscht: 2005 erhielt er die Auszeichung als Nordrhein-Westfalens bester Nachwuchs-Bäcker .

Es ist 10 Uhr morgens. Für Bäcker heißt das: fast Feierabend. Dienstbeginn 3 Uhr nachts. Familie Hagenkötter ist das gewohnt. Im Mai 1974 übernahm Karl Wilhelm Hagenkötte den Betrieb von seinem Vater Karl, dem Sohn des gleichnamigen Firmengründers. Kurz darauf eröffnete der heute 74-Jährige die erste Filiale im Zentrum Herdeckes und beendete am Stammsitz Ahlenberg den landwirtschaftlichen Nebenerwerb. „Schweine und Kühe waren nicht so mein Ding, Backwaren riechen ja auch besser. Meine Mutter fand die Entscheidung nicht gut.“

Mittlerweile gibt es fünf Verkaufsorte: Fußgängerzone, Kirchende, Quartier Ruhraue, Hagen (seit 2009 in der Alexanderstraße), seit 2011 Witten-Rüdinghausen. Allesamt beliefert aus der Backstube, die nach einem Bombenangriff 1944 als einziges Gebäude auf dem Familiengrundstück stehen blieb und heute der einzige Ort in Herdecke ist, wo Kuchen, Back- und Teigwaren frisch entstehen.

Gerüchte halten sich hartnäckig, dass der Standort in Herdeckes Hauptstraße aufgegeben wird. Seniorchefin Silvia Hagenkötter, die 90 Prozent ihrer Kunden mit Namen kennt und generationsweise Geschichten hört, stllt klar: „Wir bleiben in der Fußgängerzone, trotz Leerstands in der Nachbarschaft läuft es für uns da gar nicht schlecht.“ Das trifft auch auf das Café am Kirchender Dorfweg zu. „Die Eröffnung 1999 dort war eine absolut richtige Entscheidung“, meint Robin Hagenkötter. „Sonst wäre es fraglich, ob es unseren Betrieb heute noch geben würde.“ Startschwierigkeiten gab es im Edeka an der Ruhr, dort werde es aber stetig besser. Und die beiden Standorte außerhalb der Heimatstadt dienen auch ein bisschen zur Absicherung der Herdecker Filialen.

Hier wie dort zeigt sich: Mit klassischen Backwaren kann auch ein Unternehmen wie Hagenkötter (46 Mitarbeiter, darunter zehn Bäcker, zwei Konditormeister und zwei Auszubildende) nicht mehr überleben. „Snacks, belegte Brötchen, Kaffee zum Mitnehmen und Sitzplätze sind heute unabdingbar“, sagt der Familienrat. All das in entsprechender Qualität. Für die 35 verschiedenen Brotarten und 25 Brötchensorten liefern ausgewählte Partner in der Region Zutaten.

Probleme bei Nachwuchsgewinnung

Schleichend sei die Konkurrenz in den Supermärkten gewachsen, was mit den Tiefkühlprodukten ab Ende der 1980-er Jahre begann. „Bei unseren Geschäften gab es immer wieder mal Höhen und Tiefen“, sagt Hagenkötter senior. Aber: „Wir blicken stolz und zufrieden zurück sowie voller Zuversicht nach vorne.“ Problematischer sehen er und sein Sohn eher die Nachwuchsgewinnung. Das liege auch an der körperlichen Arbeit, zudem haben viele Bewerber Defizite in Sachen Kopfrechnen und Zuverlässigkeit.

Als zuverlässigen Babysitter für Enkelin Marie sehen sich Silvia und Karl Wilhelm Hagenkötter in naher Zukunft. „Von 100 auf 0 herunterfahren können wir nicht. Doch mittelfristig wollen wir mehr spazierengehen, reisen oder Liegengebliebenes angehen.“ Zumal Schwiegertochter Ariane, derzeit als Projektmanagerin in Elternzeit, weiter in den Betrieb hineinwachsen soll. Die 35-Jährige hat schon festgestellt, dass sich bei den Hagenkötters Berufliches und Privates oft vermische. Und den Geschäftswandel umschreibt sie so: „Früher ging es darum, hungrige Leute satt zu bekommen. Heute muss man satte Leute hungrig machen.“

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