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Neandertaler von A-Z: Wetteraner schreibt Lexikon

Der Fernleihe der Stadtbücherei sei Dank: 400 Bücher und Zeitschriften hat Rainer Ahrweiler für sein Neandertaler-Lexikon ausgewertet.

Der Fernleihe der Stadtbücherei sei Dank: 400 Bücher und Zeitschriften hat Rainer Ahrweiler für sein Neandertaler-Lexikon ausgewertet.

Foto: Klaus Görzel

Wetter.  Rainer Ahrweiler ist begeisterter Höhlenforscher. Das hat weniger mit Neandertalern zu tun als viele denken, verrät ein Lexikon des Wetteraners.

Mit der Aasverwertungs-Annahme fängt es an, beim Begriff Zwischeneiszeit ist Schluss: Über 400 Seiten ist das Neandertaler Lexikon dick geworden. Zusammengetragen hat es über einen Zeitraum von fünf Jahren Rainer Ahrweiler aus Grundschöttel, früher mal Industriekaufmann bei der Demag, aber auch im Ruhestand noch passionierter Höhlenforscher und Neandertal-Experte. Was beide Spezialgebiete miteinander zu tun haben?

Die Neandertaler lebten in Höhlen. So hieß es lange. Rainer Ahrweiler weiß, dass das nicht stimmt. Viele Funde über die robusten Brüder des modernen Menschen stammen zwar aus Höhlen. „Aber nur, weil die Funde sich da besser gehalten haben“, sagt der 67-Jährige. Die Neandertaler waren Jäger und Sammler, sagt er. „Höhlen haben sie nur bei schlechtem Wetter aufgesucht, als Unterschlupf“.

Wie viel Neandertaler steckt in uns?

Wo sind die Neandertaler einzusortieren neben oder auch als Teil der Menschheitsgeschichte? Unter dem Eintrag „Anatomie“ finden sich Antworten, weiß der Autor sofort. Zunächst mal nur ein Link findet sich hier, auf Merkmale [anatomische] verweist der Pfeil. Dann aber ist der Fragesteller am Ziel: Fast über zwei Seiten erstreckt sich die Beschreibung des gedrungenen Körperbaus und der typischen Knochen.

Gab es eine Vermischung von Neandertalern und modernen Menschen? Die Diskussion läuft noch, was zwischen diesen beiden Menschengruppen vor gut 60.000 Jahren gelaufen ist. „Neuere Ergebnisse, die beim Vergleich der DNA ermittelt wurden, zeigen, dass moderne Menschen bis zu 4% Neandertaler-DNA besitzen“, schreibt Rainer Ahrweiler. Allein sieben Quellenverweise gibt er für diesen Eintrag an.

Stadtbücherei kann helfen

Mehr als 400 Bücher und Zeitschriftenartikel über die Neandertaler hat er für sein Lexikon gewälzt. Die hat man nicht mal so eben im Regal stehen. Die Fernleihe in der Stadtbücherei im historischen Bahnhof von Alt-Wetter hat ihn auf Stand gebracht. Büchereileiterin Cornelia Kielmann und ihrem Team hat das ein paar Dankesworte im Vorwort eingetragen. Da hat Rainer Ahrweiler bereits mit dem Vorurteil aufgeräumt, Neandertaler seien primitive Urmenschen gewesen: Ein stumpfsinniger wilder Mensch, das war der Neandertaler nicht.

Als Jugendlicher schon ist Ahrweiler ins Neandertal bei Düsseldorf gefahren, hat sich an die Spuren dieser Vormenschen geheftet und das Interesse an ihnen nie ganz verloren. Eine erste Veröffentlichung, schon Jahrzehnte liegt sie zurück, galt allerdings der Höhlenforschung im Raum Attendorn-Elspe. „Ich möchte sehen, was noch keiner gesehen hat“, erklärt er die magische Wirkung von natürlichen Kammern unter der Erdoberfläche.

Messdaten im Gepäck

Auf Knochensuche ist Rainer Ahrweiler nicht, wenn er sich in eine Höhle zwängt. Seine Mitbringsel sind eher Messdaten. Wie hoch, lang, breit ist eine Höhle? Welche Gesteinsarten begegnen dem Besucher? Diese Bestandsaufnahme findet dann Eingang in Pläne und Zeichnungen. Das mit von ihm 1995 verfasste Buch ist voll davon.

Und wenn er in einer Höhle Zeugnisse der Vergangenheit finden würde, gar eine Spur der Neandertaler? Das würde er melden. „Mit der Schaufel los zu ziehen, das ist nicht meine Art“, sagt er, und freut sich, dass etwa die Blatterhöhle in Hagen von Profis untersucht wird. Ein Freund eigenmächtiger Ausgrabungen ist er nicht. Ein Freund bislang unbetretener Welten dagegen schon.

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