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Neuapostolische Kirche: Wenn Jesus bald wiederkommt

Freuen sich über „die tolle Gemeinschaft“ in der neuapostolischen Kirche Wengern. (Von Links) Anna Lena Metz, Pia Krempel und Lynn Packlidat besuchen regelmäßig den Jugendchor der Gemeinde. Anna Lena findet Halt in ihrem Glauben und kommt so oft es geht in die Kirche.

Freuen sich über „die tolle Gemeinschaft“ in der neuapostolischen Kirche Wengern. (Von Links) Anna Lena Metz, Pia Krempel und Lynn Packlidat besuchen regelmäßig den Jugendchor der Gemeinde. Anna Lena findet Halt in ihrem Glauben und kommt so oft es geht in die Kirche.

Foto: Veronika Gregull

Wetter.   Die Neuapostolische Kirche Wengern ist die kleinste im Kreis. Wie Glaube an die Entrückung das Leben prägt.

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„Wollen Sie vorne sitzen, oder ganz vorne?“ – So begrüßt Markus Woeste gerne Besucher zum Gottesdienst in der Gemeinde in Wengern, der kleinsten Neuapostolischen Kirche im Ennepe-Ruhr-Kreis. Hier kennt Jeder Jeden, es herrscht eine vertraute Atmosphäre unter den Mitgliedern.

Gemeinde

Der Zusammenhalt, die enge Gemeinschaft unter den Gläubigen – Das sei es, was die kleine Gemeinde in Wengern auszeichnet, betont Markus Woeste, der hier lange Zeit als Priester tätig war. „Hier ist alles sehr eng und persönlich“, sagt ­Woeste, das habe er auch an Sankt Martin wieder gemerkt. Die Gemeindemitglieder machten sich auf zum Laternenumzug. Auch ein Pferd sollte dabei sein. Das Tier ist zwar erkrankt, seine Besitzerin kam trotzdem. Die Frau Anfang 40 konnte mit unserer Kirche bisher nichts anfangen, erinnert sich Markus Woeste. Ein Kind gab ihr ohne Berührungsängste die Hand und nahm sie in die Gemeinschaft auf. Die Frau sei fasziniert gewesen von der Atmosphäre und dem herzlichen Umgang untereinander. Das Erlebnis habe die Gevelsbergerin so beeindruckt, dass sie nun den Weg nach Wetter auf sich nehmen möchte, um bei der Gemeinde reinzuschnuppern.

Organisation

Ob sie Markus Woeste dann noch so oft in der kleinen Wengener Kirche antrifft, ist allerdings fraglich. Der hauptberufliche Steuerberater wurde von dem Amt des Laienpriesters zum Bezirksevangelisten des Ennepe-Ruhr-Kreises befördert. Beworben hat er sich nicht um die Stelle, er wurde ausgewählt. „Damit habe ich nicht gerechnet“, gesteht Markus Woeste. Als der Anruf kam, war er sprachlos: „Das ist eine große Herausforderung.“ Statt wie bisher neben seinem Hauptberuf einen Gottesdienst pro Monat auch unter der Woche vorzubereiten und zu halten, sind es nun ein bis zwei in der Woche. Und nicht nur in Wengern, sondern im gesamten Kreis.

Dennoch hat er den Schritt gewagt: „Ich vertraue auf Gott, anders geht es nicht.“ Am 23. November ordinierte ihn Bezirksapostel Rainer Storck in der Neuapostolischen Kirche in Schwelm, um den Bezirksältesten Ulrich Frost in den vielfältigen Aufgaben zu entlasten. In der Hierarchie über der Bezirksleitung steht der Stammapostel. Jean Luc Schneider leitet die Kirche von ihrem Hauptsitz in Zürich aus, ihm helfen. Die Neuapostolische Kirche hat weltweit 18 Bezirksapostel und mehr als 300 Apostel. Ein Foto des Stammapostels hängt auch in der Kirche in Wengern, er trägt einen schlichten schwarzen Anzug mit Krawatte, so wie alle Amtsträger während des Gottesdienstes. Neben dem Rahmen hängt ein roter Kasten: „Eine Krawatte für den Notfall“, sagt Markus Woeste und lacht, gebraucht hat er sie bisher nicht. „So wie die Urkirche, haben auch wir Apostel“, erklärt er. Und nicht nur das verbinde die Neuapostolische Kirche mit den frühen Christen.

Entrückung

„Ziel unseres Glaubens ist, dass Jesus wiederkommt“, sagt der neu ordinierte Bezirksevaneglist. Und das nicht irgendwann, sondern in naher Zukunft. „Es geht darum, von Jesus angenommen zu werden bei seiner Wiederkunft.“ Da aber kein Mensch den genauen Zeitpunkt der Wiederkunft Christi kennt, ist laut des Katechismus der Neuapostolischen Kirche der Gläubige dazu aufgerufen, „sich für dieses Geschehen jeden Tag bereit zu halten.“

Demnach ist das durch diese Kirche wieder besetzte Apostelamt ein Zeichen dafür, dass die Wiederkunft nahe bevorsteht. Wenn es so weit ist, werden laut Neuapostolischer Kirche die Christen zu Jesus entrückt und gelangen so in die ewige Gemeinschaft mit Gott. „Das gilt auch für die Toten, darum beten wir für sie mit“, sagt Markus Woeste. Wie wirkt sich die ständige Erwartung an die Entrückung auf das tägliche Leben aus? Der Bezirksevangelist zitiert einen Kollegen. Ob er wüsste, was das liebste Möbelstück des Teufels ist, habe ihn dieser gefragt. „Die lange Bank“, sagt der Steuerberater lachend, „Man schiebt nichts mehr vor sich her und denkt, um diese persönliche Schwäche kann ich mich auch später noch mal kümmern.“ Und was passiert bei der Entrückung mit den Menschen, die nicht der Neuapostolischen Kirche angehören?

Ökumene

„Das entscheidet Gott“, erklärt Woeste. Lange Zeit musste sich die Kirche gegen Vorurteile wehren, sah sich dem Vorwurf der Sekte ausgesetzt. Dabei betont Pfarrer Andreas Hahn, Sekten- und Weltanschaungsbeauftragter der evangelischen Kirche, dass die Neuapostolische Kirche seit langem ein Beispiel für eine gelungen Entsektung sei. „Die Kirche öffnet sich nach außen, nimmt am ökumenischen Dialog teil“, so der Pfarrer. Das betont auch Markus Woeste, der auf eine Aufnahme der Kirche in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) hofft: „Die Eine Kirche wird es nie geben, aber wir sollten uns in unserer Verschiedenheit annehmen und austauschen“, betont er, denn „uns verbindet, dass wir Christen sind. Als Christen müssen wir heute unsere Kräfte gegen den Rückgang des Christentums bündeln“

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