Mein Gott

Neue Kraft durch die Weihnachtsbotschaft

Diakon Andreas Vesper

Diakon Andreas Vesper

Foto: privat

Die Weihnachtsbotschaft gibt neuen Kraft und Mut, findet Diakon Andreas Vesper aus der Martinskirche in der Ev. Stiftung Volmarstein.

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Ich sitze zwischen dem Kinder in die Kita bringen, der Vorbereitung des Adventsmarktes, dem durchgeführten Schulgottesdienstes und dem Anrufen meiner Telefonliste etwas erschöpft Zuhause im Sessel. Im Arm meinen neun Wochen alten Jakob. Ich spüre für einen Moment unheimliche Ruhe, Dankbarkeit und Demut. Doch dann werde ich traurig und nachdenklich. Auf einmal sind da all die Verstorbenen der letzten Zeit, die ich beigesetzt habe.


Da ist die junge Kollegin voller Krebs. Sie ging als Mutter. Keine 50 Jahre alt. Da ist der „fitte“ Bewohner, der einfach an einem Bonbon erstickt. Da ist die Frage: „Andreas, kannst du nicht unser Baby beerdigen? Du kennst uns doch. Hast für uns die ganze Zeit gebetet.“


Wieder Ruhe in mir. Ist das die Ruhe, die wir gerade in diesen Tagen suchen sollen, denke ich. Bilder aus dem Musical „5 Sterne-Hotel“ schießen in meinen Kopf: Ein Mann ruft: „Jedes Jahr das Gleiche, immer die selbe Geschichte. Das nervt…“ Und plötzlich verläuft diese anders.


Josef beschließt, für die schwangere Maria ein 5 Sterne-Hotel zu buchen. Es klappt. Dort angekommen, werden sie fürstlich begrüßt. Sie bekommen ein Zimmer voller Luxus. Die Koffer werden hochgetragen. Es werden ihnen Kekse und Tee serviert, weil es draußen ja so kalt war. Die Obdachlosen vor der Tür haben kein Glück. Der Platz wird von der Polizei gesäubert und die Obdachlosen entfernt. Maria bekommt entspannt ihr Kind. Natürlich unter Aufsicht des Chefarztes. Die Hebamme kümmert sich, damit die Mutter zu Kräften kommen kann. Hirten wollen zum Neugeborenen. Doch der Chef des Hotels lässt sie nicht rein. Begründung: Sie stinken. Ich werde immer unruhiger auf meinem Stuhl. (Vielleicht, weil ich in den Szenen immer wieder unsere Realität entdecke?)


Nun kommt die Presse. Die Geburt wird zum Event und wird von vorne bis hinten ausgeschlachtet! Doch dann endlich ruft wieder der Mann: „Aufhören damit. Das ist ja schrecklich!“ Ich glaube, jeder im Kirchraum hat es so empfunden. Es wird dunkel. Zunächst ein Knall und dann Ruhe.


Auf einmal beginnt der Stern von Betlehem zu leuchten und steht genau über dem Stall. In ihm Maria und Josef, das Kind in der Krippe und alle anderen. Die Hirten und Könige, Reiche und Arme, Polizei und Wohnungslose… Diese Botschaft erstrahlt nun durch den ganzen Raum. Sie ist spürbar. Bei den meisten Besuchern sieht man ein Lächeln im Gesicht. Wir Christen sind gerade in der Adventszeit aufgefordert, zu bedenken, was die Botschaft von Jesus mit uns macht. und welche Auswirkungen sie für unseren Alltag hat.
Ich frage mich, kann das wirklich bei all den Events klappen? Entdecke ich sie beim Einkaufen am 24.12. wirklich? Oder wird es nicht Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren? Jesus wird geboren. In Ruhe, im Stall. Er liebt alle Menschen, so wie man eben ist. Er lädt alle ein in Frieden und im Respekt, miteinander zu Leben. Er bringt Licht in unsere Dunkelheiten. Ja, er hat sogar den Tod für uns überwunden und somit den Himmel geöffnet.


Dankbar für diese neu entdeckte Erkenntnis, stehe ich auf aus meinem Sessel. Mit neuer Kraft und neuem Mut. Leben im Arm und einer Botschaft, die ich gerne teile und weiß; der Herr wird es schon richten. Ich lade uns ein, unser Herz weit für Jesus zu öffnen. Ich wünsche uns allen, dass wir in der kommenden Zeit das Wesentliche entdecken, uns darauf besinnen. Damit wir neugeboren, mit neuer Kraft weiter gehen. Nur so wird es wirklich Weihnachten in uns. Und wir kommen an im Jetzt und Hier.

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