Soziales

Neue Perspektiven in Wetter aufzeigen

Till Deipenwisch, Sabine Kennemund, Heike Grosch und Heinz-Dieter Alfred Beckmann (von links) helfen den Mädchen. 

Till Deipenwisch, Sabine Kennemund, Heike Grosch und Heinz-Dieter Alfred Beckmann (von links) helfen den Mädchen. 

Foto: Sylvia Mönnig

Wetter.  Die „Sprungbrett e.V.“ hat vielen Frauen den Weg aus der Kriminalität ermöglicht. Für eine Umgestaltung der Räume sind sie auf Hilfe angewiesen.

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Der Moment, wenn die Tür zufällt und sich der Schlüssel im Schloss dreht – oftmals der Zeitpunkt, in dem die jungen Insassinnen der Mädchen-Arrestanstalt begreifen, dass es ernst wird. Pures Wegsperren ist jedoch nicht das Ziel. Sie sollen etwas lernen.

Dabei unterstützt „Sprungbrett e.V.“ schon seit einiger Zeit. Mit Erfolg: Der Förderverein hat einiges bewegt und schmiedet stets neue Pläne. Dem oft zitierten „letzten Warnschuss“, ein Aufenthalt in der Mädchen-Arrestanstalt, gehen nicht nur mehrere Straftaten oder beharrliches Schulschwänzen voraus, er offenbart auch oftmals, wie viel den jungen Frauen tatsächlich fehlt. Und dabei geht es nicht nur um die Fähigkeit oder den Willen, sich anzupassen und Regeln einzuhalten. Es dreht sich auch um Respekt, Verständnis und Empathie, um Strukturen und Unterstützung. Geregelte Mahlzeiten, ein Gang zum Amt, Bewerbungen – die Defizite sind zum Teil groß. An diesen Stellen mitzuhelfen, ist das erklärte Ziel von „Sprungbrett e.V.“.

Resümee und Ausblick

Im Gespräch ziehen Heike Grosch, 1. Vorsitzende des Fördervereins, ihr Stellvertreter Heinz-Dieter Alfred Beckmann und Till Deipenwisch, Leiter der Arrestanstalt und Amtsgerichtsdirektor, ein Resümee und blicken in die Zukunft. Zuletzt schaffte der Verein, der seine Arbeit durch Spenden, Geldbußen und Eigenengagement finanziert, etliche Sportgeräte an – von Bällen und Kegeln über Springseile und Mini-Tore bis hin zu „Balance-Pads“, einer Fitness-DVD und einer Lautsprecher-Box, um dem Ganzen mit Musik Tempo zu verleihen. „Das ist mit Musik natürlich motivierender als ohne“, erklärt Till Deipenwisch und betont, dass das Sportangebot sehr gut angenommen werde, auch wenn es eine relativ hohe Quote von unsportlichen jungen Mädchen bei ihnen gebe. Der Grund: „Weil die das so nicht kennen.“ Und doch sei es eine gute Möglichkeit, sich „dann auch mal auszupowern“ – gerade bei vier Wochen Arrest.

Ein Projekt, das sich der Verein seit einiger Zeit als Ziel gesetzt hat und das den Beteiligten am Herzen liegt, ist der Umbau eines Zimmers in der Anstalt zu einem Besprechungsraum, der besondere Kriterien erfüllen soll. Hier sollen ansprechende Farbe, Bodenbelag, Möbel und Deko für eine „positive und vertrauliche Atmosphäre“ sorgen, wie es der 2. Vorsitzende Heinz-Dieter Alfred Beckmann formuliert. Dort können die Mädchen mit Betreuern, Pädagogen, einem Rechtsanwalt oder einem Angehörigen in Ruhe und unter vier Augen reden. „Der Raum soll eine Atmosphäre erhalten, die den Gesprächen zuträglich ist“, fasst es die Vorsitzende Heike Grosch zusammen. Diese Gespräche seien dringend nötig, um zu den Mädchen durchzudringen, besser mit ihnen arbeiten zu können.

Zum Teil würden es die Mädchen gar nicht kennen, dass sich um sie gekümmert werde. Viele hätten vielleicht auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Till Deipenwisch spricht in dem Kontext von einem Erziehungsauftrag und vielen sozialpädagogischen Aspekten. „Wir müssen einen Zugang finden. Wir haben ja nur ein ganz kurzes Zeitfenster.“ „Meistens ist es durchaus so, dass die rauswollen und den Weg nicht kennen“, ergänzt Heike Grosch. Der Umbau und die Gestaltung des Raumes bedeuten reichlich Arbeit und finanziellen Aufwand, für den der Verein auf weitere Spenden hofft. Allerdings, so betont Till Deipenwisch, gehe es nicht darum, dem Land NRW die Arbeit wegzunehmen.

Finanzielle Mittel benötigt

Ein zweites großes Ziel ist die Nachbetreuung der jungen Frauen nach dem Arrest, damit sie nicht in alte Muster fallen. Auch ist die Idee einer Wohneinrichtung für die Mädchen nicht vom Tisch. Dafür würden neben dem Haus auch Mitarbeiter und finanzielle Mittel benötigt. Ein gewaltiges Projekt, zumal die jungen Frauen aus ganz NRW stammen. Ein wahres Erfolgsmodell sind die Geschenktüten, die Heike Grosch seit einigen Jahren mit den Mädchen aus Kalenderblättern bastelt. Eine Tüte dürfen die jungen Frauen behalten, die anderen werden verkauft und somit unterstützen sie selbst die Arbeit derer, die ihnen helfen wollen. Zu Beginn der Bastelarbeit blickt Heike Grosch nicht selten betont gelangweilte Gesichter. Dann oft der Wandel: Die Mädchen strahlen plötzlich vor Stolz und betteln förmlich darum, mehr als eine Tüte mitnehmen zu dürfen.

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