Familien- und Krankenpflege

Neuer Sozial-Job in Herdecke durch „Sozialen Arbeitsmarkt“

Bei der Familien- und Krankenpflege hat Regina Schleising (vorne rechts) über die Initiative „Sozialer Arbeitsmarkt“ einen Job gefunden. Darüber freuen sich Geschäftsführer Nico Koning, Pflegedienstleiterin Mareike Mußmann (Mitte) und Halina Zygiel als Leiterin der Buchhaltung.

Bei der Familien- und Krankenpflege hat Regina Schleising (vorne rechts) über die Initiative „Sozialer Arbeitsmarkt“ einen Job gefunden. Darüber freuen sich Geschäftsführer Nico Koning, Pflegedienstleiterin Mareike Mußmann (Mitte) und Halina Zygiel als Leiterin der Buchhaltung.

Foto: Steffen Gerber

Herdecke.  Der „Soziale Arbeitsmarkt“ soll 200 Langzeitarbeitslosen im Ennepe-Ruhr-Kreis helfen. Auch die Familien- und Krankenpflege in Herdecke profitiert

Drei Perspektiven, ein Ziel: Seit dem 1. Januar läuft die Initiative „Sozialer Arbeitsmarkt“ im Ennepe-Ruhr-Kreis. Mit diesem Bundesprogramm sollen Menschen, die längere Zeit erwerbslos waren, wieder eine Berufsanstellung finden. Für die Umsetzung hier ist das Jobcenter EN zuständig. Und kann Erfolge aufzeigen. Passenderweise auch bei einem Arbeitgeber, der sich vorrangig um soziale Belange kümmert: die Familien- und Krankenpflege mit Sitz in Herdecke. Dort ist Regina Schleising seit April beschäftigt. Und zufrieden.

Die Arbeitnehmer-Perspektive

Regina Schleising war lange ‘raus aus dem Berufsleben, da sie zuhause 22 Jahre lang mit der Pflege ihrer engsten Familienangehörigen beschäftigt war. „Dann ist mir die Decke auf den Kopf gefallen, also begab ich mich auf Jobsuche. Auf die Familien- und Krankenhilfe hat mich ein guter Freund hingewiesen, der hier gearbeitet hat“, erzählt die Herdeckerin. Also bewarb sie sich. Und ist nun eine Vollzeitkraft. Das Programm ist auf maximal fünf Jahre angelegt. Die 43-Jährige kann sich zum jetzigen Zeitpunkt aber schon eine Fortsetzung bei dem ambulanten Versorger vorstellen. Für dessen Kunden übernimmt sie Haushaltstätigkeiten wie Essen zubereiten, waschen und Hilfestellungen etwa beim Anziehen oder die Begleitung bei Spaziergängen sowie Arztbesuchen. „Das Aufgabenfeld ist genau das richtige für mich. Mein großer Wunsch war es, wieder zu arbeiten – und weg vom Jobcenter.“

Die Jobcenter-Perspektive

Dort war und ist Gabriele Gaul als „Coach“ für Regina Schleising zuständig, sie begleitet die 43-Jährige in den ersten zwölf Monaten in Absprache mit der Firma und möglichst praxisnah. In den fünf Jahren taucht die Herdeckerin auch noch in der Arbeitslosenstatistik auf, ehe sie im Idealfall dann nicht mehr als „arbeitssuchend“ gelistet ist. Schon jetzt helfe das Bundesprogramm: Von 200 bewilligten Stellen (auch bei privaten Arbeitgebern) sind laut Gaul 165 besetzt. Als Arbeitsvermittlerin organisiert sie auch Kurse mit einem Bewerbungstraining bzw. unterstützt beim Verfassen eines Lebenslaufs. „Wir bemühen uns auch stets, dass wir passgenau jemanden für einen Job finden. Bei Frau Schleising ging das auch aufgrund ihrer hohen Motivation sehr zügig“, so Gaul. Sie betreut vor allem Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen lange nicht mehr einen Beruf hatten oder auch zu geringe Qualifikationen vorweisen können und sich daher nur für Helfer-Stellen und nicht für den ersten Arbeitsmarkt eignen bzw. dort nicht zurecht kamen. „Langzeitarbeitslosigkeit kann ja auch ein Stigma sein, das ein geringes Selbstwertgefühl zur Folge hat. Da sich die bei uns Gemeldeten aber für Jobs bewerben müssen, ist das oft ein schwieriges Unterfangen.“ Bei der Vermittlung müssen Gaul und Co. vieles berücksichtigen, etwa den Wohnort oder die Mobilität.

Die Arbeitgeber-Perspektive

Nach der Vermittlung durch das Jobcenter zählt Regina Schleising zur 130-köpfigen Mitarbeiter-Mannschaft (90 Prozent sind Frauen) der Familien- und Krankenpflege. Wobei der ambulante Versorger seit einiger Zeit händeringend nach neuen Angestellten sucht. „Wir können nur noch begrenzt neue Aufträge annehmen und bemühen uns auf vielen Feldern um mehr Personal“, sagt Geschäftsführer Nico Koning. Immer wieder steigen auch Fachfremde nach entsprechenden Umschulungen oder nach einem Praktikum bzw. einer Hospitation bei dem Betrieb ein, der zudem Kaufleute im Gesundheitswesen und examinierte Altenpfleger ausbildet. Oft ruft Halina Zygiel als Leiterin der Buchhaltung beim Jobcenter an und fragt nach potenziellen Kräften. Da für einige Tätigkeiten ein Auto erforderlich ist, kommen viele Langzeitarbeitslose nicht infrage. Regina Schleising aber schon, schließlich habe sie privat reichlich Pflegeerfahrung gesammelt. „Für andere sind wir als Arbeitgeber aber unattraktiv, da manche sich nicht um fremde Menschen derart intensiv kümmern möchten oder können“, so Zygiel. Pflegedienstleiterin Mareike Mußmann berichtet zudem, dass Bewerber mitunter ohne Absage nicht zum vereinbarten Gesprächstermin erscheinen. „Und bei manchen merkt man auch schnell, dass der Job für sie bei uns nicht der richtige ist.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben