Justiz

Nichtraucher aus Wetter klaut Zigaretten

Für einen 52-Jährigen aus Wetter ging ein Diebstahl-Prozess jetzt verhältnismäßig glimpflich aus.

Foto: Kurt Michelis

Für einen 52-Jährigen aus Wetter ging ein Diebstahl-Prozess jetzt verhältnismäßig glimpflich aus. Foto: Kurt Michelis

Wetter.  Kurios: Ein Nichtraucher klaut Zigaretten und kommt deswegen vor Gericht. Der Wetteraner zeigte aber Reue.

Einschlägige Vorstrafen und laufende Bewährungen – auf den ersten Blick wirkte der 52-jährige Wetteraner, der jetzt wegen Diebstahls vor dem hiesigen Amtsgericht stand, schlicht und ergreifend unbelehrbar. Der zweite Blick offenbarte jedoch ein ganz anderes Bild und sorgte am Ende für eine verdiente Chance.

Sieben Eintragungen im Register und mehrere offene Bewährungen sprachen für sich. Da schien das, was sich am Abend des 31. Mai in einem Supermarkt in Wetter ereignete, gut ins Bild zu passen. Der Wetteraner steckte eine Schachtel Zigaretten für sieben Euro ein und versuchte, damit unbemerkt den Kassenbereich zu passieren. Er wurde erwischt.

In Therapie begeben

Der Rückfall in alte Muster brachte ihn jetzt auf die Anklagebank und dort offenbarte sich, dass es sich bei ihm keineswegs um den üblichen notorischen Ladendieb handelte. Seine Tat brachte den Angeklagten selbst zur Verzweiflung – geschweige denn, dass er dafür eine Erklärung fand. Er habe Ware für 23 Euro eingekauft und auch bezahlt, dann habe er „dieses doofe Blackout“ gehabt und die Zigaretten genommen. „Das Doofe ist, dass ich noch nicht einmal rauche“, betonte der 52-Jährige und fügte hinzu: „Mein Kopf spielt mir manchmal Streiche, mit denen ich selbst nicht klarkomme.“

Neurosen und Zwänge

Mittlerweile befinde er sich in Psychotherapie, und die tue ihm gut. Denn mit dem Druck könne er nicht mehr leben. Schon seit Monaten habe er wegen des aktuellen Prozesses nicht mehr schlafen können, habe Angst gehabt, was nun mit ihm passiere. Ausführlich berichtete er von Neurosen und Zwängen, von seiner Furcht vor der Dunkelheit und lauernden Gefahren. Seine Therapeutin, so schilderte er, gehe von einem Kindheitstrauma und starken Depressionen aus. Um der Probleme Herr zu werden, nehme er nun auch Medikamente.

Bericht der Bewährungshelferin

Während der offenen Einlassung wurde sehr deutlich, dass der Wetteraner tatsächlich bemüht ist, die Kontrolle über sein Leben zu bekommen und keine Straftaten mehr zu begehen. Entsprechend positiv fiel auch der Bericht seiner Bewährungshelferin aus. Die erklärte, dass sie im Moment das Gefühl habe, dass sich die Situation stabilisiert habe.

Der Wetteraner formulierte es auf seine Weise: „Sorry an alle. Ich gebe mir weiter Mühe.“ Er wolle keine Prozesse mehr haben müssen, wolle den Druck nicht mehr.

Psychische Erkrankung

Das Gericht konnte letztlich nicht ausschließen, dass sich die psychische Erkrankung des 54-Jährigen auf die Tat auswirkte und ging zu seinen Gunsten von verminderter Schuldfähigkeit aus. Das unumwundene Geständnis, sein Bedauern, die Therapie, die Einschätzung der Bewährungshilfe und nicht zuletzt der geringe Wert der Beute sprachen für den Angeklagten. Richter Christian Potthast fasste es mit einem Satz zusammen: „Es hat sich Vieles zum Positiven geändert.“ Deshalb endete der Prozess auch nicht mit einer Haftstrafe, die unter Umständen nicht mehr zur Bewährung hätte ausgesetzt werden können und die auch den Widerruf der alten Bewährungen bedeutet hätte.

Geldstrafe verhängt

Der Wetteraner wurde schließlich zu 60 Tagessätzen à 15 Euro Geldstrafe verurteilt. Zum Abschied wandte sich Potthast direkt an den 54-Jährigen und erklärte mit Blick auf die Anklagebank: „Sie gehören eigentlich nicht hierhin.“ Deshalb solle der Angeklagte so, wie er es jetzt tue, weitermachen. Lieber sehe er ihn demnächst einmal zufällig in der Stadt, als dass er ihn erneut im Gerichtssaal vorfinden müsse.

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