Kirche

Orgelpfeifen stammen aus dem 18. Jahrhundert

Ulrike Basteck spielt die Holy-Orgel in der Dorfkirche in Volmarstein seit 30 Jahren.

Ulrike Basteck spielt die Holy-Orgel in der Dorfkirche in Volmarstein seit 30 Jahren.

Foto: Kristina Hußmann

Volmarstein.  Die Dorfkirche Volmarstein hat eine der ältesten Orgeln im gesamten Kirchenkreis Hagen. Am Wochenende ist sie zu besichtigen.

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Seit knapp einem halben Jahr ist es amtlich: Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland gehören zum immateriellen Weltkulturerbe. Wie gut passt es da, dass die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) dem faszinierenden Instrument am Samstag und Sonntag den ganzen Tag widmet. Und wer sich in den Kirchen in seiner Umgebung genauer umschaut, der wird ganz sicher das ein oder schöne Stück entdecken oder auf eine interessante Geschichte stoßen – sowie in der Dorfkirche Volmarstein im Evangelischen Kirchenkreis Hagen.

70 Prozent der Originale erhalten

Die Orgel der kleinen Kirche im Ort wurde zwischen 1732 und 1734 von Gerhard von Holy gebaut. Im Jahr 1819 wurde ein Pedal angehängt, 1863 bis 1864 ein zweites Manual und ein selbstständiges Pedal von Carl Herbst ergänzt. Im Zuge eines Umbaus durch Paul Ott wurde das Instrument erweitert und erhielt eine neue Traktur, neue Windladen und eine neue Windanlage. Etwa 70 Prozent des originalen Pfeifenbestandes sind noch erhalten. Auch den Blasebalg und das Pedal zum Pumpen gibt es noch. Heute läuft die Luftzufuhr über einen Motor. Einmal im Jahr wird die Orgel gestimmt. Mit erheblichem Aufwand. An das Oberwerk gelangt man nur über eine Luke im Dachboden.

Mit ihrem barocken Prospekt verleiht das Instrument dem Gotteshaus etwas Glänzendes. Erhaben reckt sie sich bis zur Decke empor und streckt sich dort in eine Erhöhung. „Es wird vermutet, dass die Decke der Kirche der Höhe der Orgel angepasst worden ist“, erklärt Ulrike Basteck. Sie kennt diese Orgel wie kaum jemand anderes. Seit dem Tod ihres Vaters arbeitet sie hier als Organistin an und mit dem Instrument. Seit etwa 30 Jahren.

Etwas Besonderes liegt übrigens auch in der Verbindung zwischen dem Instrument Orgel und Ulrike Basteck. „Zunächst haben mir meine Eltern das kirchmusikalische Engagement – sagen wir mal - nahegelegt“, erinnert sie sich. „Wenn andere Jugendliche samstags zum Tanzen gingen, ging ich zu Käthe Hyprath (frühere Kirchenmusikdirektorin an der Johanniskirche), um meine C-Ausbildung zu machen.“ Das sei nicht immer das gewesen, was sie sich als Heranwachsende gewünscht hätte. Dennoch entwickelte sich aus dieser Aufgabe schnell eine Begeisterung, die sie zum Musikstudium und zu ihren heutigen Aufgaben gebracht hat. Ulrike Basteck spielt nicht nur die Orgel in der Dorfkirche. Sie leitet auch den Singekreis und einen Projektchor. Musik ist ihre Profession und ihre Leidenschaft.

Die Leidenschaft mag es auch gewesen sein, die dafür gesorgt hat, dass die Holy-Orgel einst genau hier ihren Platz gefunden hat und heute noch so gut erhalten ist: „Volmarstein war früher ein sehr armes Bauerndorf“, so Ulrike Basteck. „Dennoch – so sagt man – sollen sich die Menschen im Ort sehr und mit allem, was sie hatten, für diese Kirche und dieses Instrument eingesetzt haben.“ Im Laufe der Jahrhunderte hat sich dann vor allem die Orgel einen Namen gemacht. „Bekannte Organisten aus dem Westfälischen sind gerne gekommen, um hier Konzerte zu geben“, weiß die Musikerin.

Neues ausprobieren

Und heute? Wie kann es gelingen, dass die klassischste aller Kirchenmusikformen zwischen Gospel und Popkultur auch weiterhin erhalten bleibt? „Ich liebe die traditionelle Kirchenmusik, probiere aber gerne auch neue Sachen aus“, sagt Ulrike Basteck. „Es gibt tolle zeitgenössische Literatur, die zur Orgel und auch zum Chor passt.“ Für sie und auch die Gemeinde sei der Weg, Neues zu versuchen, abzuweichen und Anderem einen Raum zu geben, ohne das Alte dabei unter den Tisch fallen zu lassen. Wenn man das musikalische Angebot erweitere, dann kämen auch Menschen, die sonst nicht in der Kirche sind. „Und das Orgelmusik auch modern geht, das ist ja längst keine Frage mehr.“

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