Schnupperangeln

Peta kritisiert Angler: „Naturschutz geht auch ohne Gewalt“

Auch dieses Kind würde die Tierrechtsorganisation Peta gerne anders an die Natur heranführen als über ein Schnupperangeln.  

Auch dieses Kind würde die Tierrechtsorganisation Peta gerne anders an die Natur heranführen als über ein Schnupperangeln.  

Herdecke/Hagen.   Peta-Fachreferentin Breining erklärt, warum die Tierschutzorganisation Anzeige gegen den Sportfischerei-Verein Hagen/Herdecke Anzeige erstattete.

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Nach dem Bericht und dem Kommentar in der Mittwoch-Ausgabe über die Tierschutzorganisation Peta, die nach dem Schnupperangeln des Sportfischerei-Vereins Hagen, Herdecke, Umgegend Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt hat, schrieb Dr. Tanja Breining eine Begründung an die Redaktion. Die Biologin verweist als Peta-Fachreferentin für Fische und Meerestiere darauf, dass die Organisation mit der Anzeige auch die breite Öffentlichkeit erreichen will.

Ihr Schreiben im Wortlaut: „Sie haben völlig recht: wenn wir von PETA eine Strafanzeige stellen, dann möchten wir nicht nur ein Gutachten von der Staatsanwaltschaft erwirken, das uns darin bestätigt, dass beim „Schnupperangeln“ nicht der Nahrungsgewinn im Vordergrund steht, wie es das Tierschutzgesetz für das Töten eines Wirbeltieres vorschreibt (und somit letztendlich ein Verbot des Schnupperangelns erwirken), sondern wir möchten natürlich auch die breite Öffentlichkeit erreichen.

Warum?

Erstens: Keine anderen Tiere außer Fische werden „zum Spaß, zur Erholung, als Sport, aus Wettbewerbsgründen oder zum Freizeitvergnügen“ getötet. Abgesehen von Rehen und anderen Waldtieren, aber selbst im Wald gibt es – zum Glück – noch keine „Schnupperjagdveranstaltungen“.

Warum sollte dieser Verein der falsche Adressat gewesen sein?

Laut Medienberichten waren die Betreuer mit 40 Kindern überfordert, es gab mindestens ein Kind, das den Fisch nicht vom Haken bekam. Laut Landesfischereigesetz dürfen Kinder Fische überhaupt nicht abhaken. Laut Tierschutzgesetz dürfen einem Wirbeltier keine länger anhaltenden Schmerzen und Leiden zugefügt werden.

Nun ist es Aufgabe der Staatsanwaltschaft zu prüfen, ob hier ein oder mehrere Tiere – mehr als nötig- leiden mussten oder ob das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt wird.

Zweitens: Und richtig- wir wollen das Schnupperangeln grundsätzlich verbieten. Warum?

Fische haben in unserer Gesellschaft keine Lobby. Sie haben keine Mimik, wir können ihre Schreie nicht hören.

Und daher werden sie als Spielzeug missbraucht. Man drückt Kindern eine Angel in die Hand, obwohl diese noch weit vom Jugendfischereischeinalter entfernt sind. Man zeigt ihnen, wie man friedliche Tiere anlockt und tötet. Für wen soll das gut sein? Für die Fische nicht. Für die Kinder auch nicht. Sie werden dazu angehalten, ihr Mitgefühl zu unterdrücken und lernen, Tiere zu töten. Würden sie sonst verhungern? Nein. Lernen sie die Gewässer zu pflegen und zu reinigen? Das geht auch ohne Angel - besser.

Aber für den Verein ist es gut, er bekommt neue Mitglieder und Medienberichte. Es folgen brav lobende Berichte über Hege und Pflege von der Lokalpresse. Dabei kamen Fische und Gewässer schon Hunderte Millionen Jahre ohne die menschliche Hege klar.

Wir sehen in diesen Veranstaltungen eine reine Werbemaßnahme auf Kosten der Tiere und der Kinder. Sowie einen Verstoß gegen §17 Abs. 1 (Angelnachwuchs zu rekrutieren ist kein vernünftiger Grund für das Töten eines Wirbeltieres).

Diese Woche wurde in Frankreich wieder ein Kind auf der Jagd von seinem Opa erschossen, ein tragischer Unfall. Eigentlich sollte das Kind lernen, den „Waldbestand zu regulieren“.

Wir von Peta setzen uns dafür ein, dass Kinder Fische ebenso wie Hunde, Katzen und Kaninchen als Freunde entdecken, und einen freundlichen Umgang mit Menschen und Tieren vermittelt bekommen.

Wir haben Strafanzeige gestellt, das ist richtig. Wir möchten, dass Kinder aufwachsen dürfen ohne Tiere zu töten. Und wenn „Hege“ im Fischereijargon nun zum Synonym wurde von „Fischen“, dann sind wir ganz klar auch gegen die Hege. Naturschutz geht auch ohne Gewalt. Das sollten Kinder lernen. Und einen friedvollen Umgang mit allen Lebewesen.“

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