Verbrechen

Polizei warnt eindringlich vor dreister Betrugsmasche

Foto: Ted Jones

Ennepe-Ruhr.   Die Täter geben sich als Polizisten aus und wollen über diesen Weg aktuell in Städten des EN-Kreises an das Geld ihrer Opfer kommen

Diese Masche ist an Dreistigkeit nur schwer zu überbieten, die Polizei hat hingegen kaum eine Chance, die Täter zu fassen, wenn sie mit ihrem Betrug erfolgreich sind. Daher warnt Oliver Menden, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, eindringlich vor den Kriminellen, die seit wenigen Tagen ganz gezielt Menschen im Ennepe-Ruhr-Kreis anrufen und sich selbst als Polizeibeamte ausgeben.

Klingelten am Donnerstag noch etliche Telefone in Sprockhövel und Hattingen, konzentrierten sich die Täter am Freitag vornehmlich auf Gevelsberg und Ennepetal. Die Masche ist dabei immer dieselbe: Im Display erscheint eine Rufnummer, die auf 110 endet. Der Wortlaut am Telefon geht laut Polizei in etwa so: Die Stimme am anderen Ende berichtet von einer aktuellen Straftat im Wohnumfeld des Angerufenen – meist von Einbrüchen und davon, dass erste Festnahmen bereits erfolgt seien. Dann kommen die falschen Beamten schnell zur Sache: Die Polizei wolle Bargeldbestände, Bankverbindungen, Wertgegenstände und so weiter abgleichen, um aufgefundenes Diebesgut wieder zuzuordnen. Die Täter offerieren sogar, etwas davon zurückzubringen und weitere Diebstähle zu verhindern.

Polizei nimmt nichts in Verwahrung

„Danach wird die Masche besonders dreist“, erläutert Menden. Die vermeintliche Polizistenstimme bietet am Telefon an, dass Beamte vorbeikommen, um wertvolle Dinge wie beispielsweise Schmuck und Bargeld in sichere amtliche Verwahrung zu nehmen.

So oder so ähnlich verlaufen die meisten Gespräche. Regelmäßig versuchen mittlerweile Betrüger mit dieser Telefonmasche ihre Opfer auszuspionieren und geben dabei vor, von der Polizei zu sein und helfen zu wollen. Oliver Menden stellt daher klar: „Legen Sie sofort auf! Die Polizei besitzt keine Telefonanschlüsse, deren Rufnummern sich aus Vorwahl und der 110 zusammensetzen.“ Wer sich unsicher ist, ob ein Anruf von der Polizei kam, sollte die 110 anrufen und sich vergewissern. Und, darauf legt Menden größten Wert: „Die Polizei schützt Sie und Ihr Eigentum, nimmt es aber niemals vorsorglich in amtliche Verwahrung.“

Täter kaum zu ermitteln

Bislang ist wohl noch niemand auf die Masche hereingefallen. Damit das auch so bleibt, will die Polizei offensiv Aufklärung betreiben. Denn, da nimmt der Polizeisprecher kein Blatt vor den Mund: „Bei der Aufklärung haben wir kaum eine Chance.“ Vieles spricht für mehrere Täter, die gut organisiert sind und über ein gewisses technisches Wissen verfügen. Denn für Menschen mit IT-Kenntnissen ist es überhaupt kein Problem, sich beispielsweise im Ausland, wo keine Identifizierung notwendig ist, eine Telefonnummer zu erhalten, und Wunschnummern zu besorgen, die nicht zurückzuverfolgen sind oder bei denen der Anschluss überhaupt nicht der Nummer entspricht, die im Display angezeigt wird. Hat die Polizei tatsächlich einen Anschluss ermittelt, ist diese Nummer in der Regel längst nicht mehr aktiv. „Dazu kommt, dass die Strafverfolgung im internationalen Bereich sehr zeitaufwändig, ist“, sagt Oliver Menden.

Oft sehr gute Rhetoriker

Die Täter suchen sich oft ganz gezielt ältere Menschen aus – wie dies auch beim Enkeltrick regelmäßig funktioniert. „Das sind oft sehr höfliche, intelligente und in vielen Fällen rhetorisch exzellente Leute“, sagt Menden.

Oft würden die Opfer glauben, dass die Anrufer tatsächlich eine Menge über sie wissen. „Durch eine ganz geschickte Gesprächsführung kommen die Täter jedoch an diese persönlichen Informationen, ohne dass die Opfer davon in vielen Fällen überhaupt etwas mitbekommen.“ So würden die Angerufenen schließlich Vertrauen fassen. Auch dies läuft analog zum Enkeltrick-Betrügereien. Anfang der Woche will die Polizei eine nächste Bilanz ziehen.

INFOBOX

Die Masche ist in ganz Deutschland verbreitet und ist nun erstmals in dieser Häufigkeit im Ennepe-Ruhr-Kreis angezeigt worden.

Die Täter gehen jedoch nicht immer exakt nach gleichem Muster vor, haben diverse Betrugsgeschichten auf Lager, um ihre arglosen Opfer meist um Bargeld zu betrügen.

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