Amprion-Trasse

Prozessgemeinschaft Herdecke unter Strom kämpft weiter

Mit diesem Plakat will die Prozessgemeinschaft Herdecke unter Strom aufzeigen, wie hoch der „Monstermast“ an der Nierfeldstraße/Erdbrügge ausfallen könnte.

Mit diesem Plakat will die Prozessgemeinschaft Herdecke unter Strom aufzeigen, wie hoch der „Monstermast“ an der Nierfeldstraße/Erdbrügge ausfallen könnte.

Foto: Privat

Herdecke.   Die Prozessgemeinschaft Herdecke unter Strom kämpft weiter gegen die genehmigte Amprion-Stromtrasse. Gisela Heuer zu Gast bei Minister Altmaier.

Der Kampf gegen die neue Stromtrasse von Amprion durch Herdecker Stadtgebiet soll weitere Kreise ziehen. Während der beauftragte Rechtsanwalt Philipp Heinz mit der Klagebegründung für das Bundesverwaltungsgericht beschäftigt ist, sind auch die Protestler vor Ort weiterhin aktiv. Und konnten ihre Bedenken sogar an hoher Stelle vortragen: Gisela Heuer fuhr kürzlich als Vertreterin der Prozessgemeinschaft Herdecke unter Strom nach Berlin, um mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und weiteren Bürgerinitiativen über die Probleme der Energiewende zu diskutieren.

Eigentlich hatte der CDU-Politiker einen Besuch in solchen Städten angeboten, in denen es Schwierigkeiten beim Leitungsausbau gibt. Um das etwas zu bündeln, lud er Bürgerinitiativen in sein Ministerium ein. Aus ganz Deutschland kamen dann in der Hauptstadt 40 Vertreter von Protestgruppen zusammen. „Wir waren erst skeptisch, ob wir daran teilnehmen sollten, denn einen großen Erkenntnisgewinn haben wir uns davon nicht versprochen“, berichten Gisela und ihr Mann Wolfgang Heuer. Als dann aber Zustimmung von Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster und von Jurist Heinz kam, meldete sich die Herdeckerin an und reichte vor der Reise einen Fragenkatalog – wie gewünscht – ein.

Parallelen bei Trassen-Problemen

Nach einem Vorgespräch mit Ministeriums-Angestellten begrüßte dann Altmaier die Gruppe. Und debattierte dann über Vorhaben der Netzbetreiber TenneT und Amprion. „Bei den Planungen und Protesten gibt es deutschlandweit viele Parallelen, das ist teilweise deckungsgleich“, berichtet Gisela Heuer. Ihr sei durch die Erläuterungen des Politikers nochmals deutlich geworden, wie groß die wirtschaftlichen Interessen in diesem Zusammenhang seien. Der Minister sei zwar nett und freundlich gewesen, zeigte aber keine konkreten Lösungsvorschläge auf.

Daraus schloss Gisela Heuer aber auch: Eine komplett neue Planung zugunsten der Herdecker Protestbewegung sei unrealistisch. „Viele Antworten von Altmaier kamen mir auch bekannt vor, beispielsweise bei der Frage, warum nicht die modernste Technik beim Leitungsbau angewendet wird und warum es Erdverkabelungen bei den Ministern Seehofer oder Gabriel geben kann.“ Altmaier habe zugegeben, dass die Politik Fehler gemacht habe, und Dialogbereitschaft mit Bürgern signalisiert. „Wenn es Alternativen für eine Trasse gebe, sei er nicht abgeneigt. Doch angesichts der schleppenden Umsetzung der Energiewende dürfe man keine Zeit verlieren“, fasste Heuer die Aussagen zusammen.

Kontakte und Absprachen

Ein Vorteil dieser Zusammenkunft: Gisela Heuer konnte Kontakte zu weiteren Protestgruppen aufnehmen. Das hatten die heimischen Kämpfer schon zuvor getan und etwa Kontakt nach Hürth oder Raesfeld aufgenommen. Im November trafen sich dann weitere Betroffene, die ebenfalls nahe der Amprion-Stromtrasse von Dortmund durch das Sauerland bis zur rheinland-pfälzischen Grenze (Energieleitungs-Vorhaben 19) wohnen, bei der Prozessgemeinschaft Herdecke unter Strom. Einige Vertreter dieser Bürgerbewegungen u.a. aus Hohenlimburg oder Junkernhees bei Kreuztal waren auch beim Treffen im Bundeswirtschaftsministerium zugegen. Weitere Gemeinsamkeit mit Herdecke: Auch sie vertritt Fachanwalt Heinz in juristischen Fragen.

„Wir sind uns alle einig, dass wir den Kohlestrom in der 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung verhindern wollen“, erklärt Wolfgang Heuer und betont die Gemeinsamkeiten dieser Gruppen. „Das Elend dieser geplanten Trasse verbindet uns.“ Dabei komme den Herdeckern viele Schilderungen der anderen Protestbewegungen bekannt vor, schließlich hat die Bezirksregierung den hiesigen Abschnitt von Kruckel bis Garenfeld in diesem Sommer genehmigt. Dieses Verfahren läuft noch in den Abschnitten des Sauer- und Siegerlands. Umso sinnvoller sei ein inhaltlicher Austausch der Bürger untereinander. „So gesehen, sind wir hier am weitesten und können anderen Hinweise geben“, meinen die Heuers.

Staatssekretär hat Besuch zugesagt

Die Eheleute und Lars Strodmeyer wollen die Prozessgemeinschaft sowohl mit den Amprion-Gegnern als auch mit weiteren Protestbewegungen deutschlandweit vernetzen. Ein weiteres Treffen soll es unter Herdecker Federführung im Januar geben, um weitere Formen der Beschwerden zu besprechen und natürlich mit aller Vehemenz die Trassen-Pläne zu verhindern. „Viele auch in Herdecke haben immer noch nicht kapiert, was hier vor sich geht. Dabei sollte man in Zeiten des Klimawandels wissen, dass hier in Deutschland wirtschaftliche Interessen die Kohlestrom-Thematik dominieren, neue Freileitungen sind günstiger zu bauen als Alternativlösungen.“

Ende Januar steht noch ein weiterer Termin ganz oben auf der Agenda: Aus dem Bundeswirtschaftsministerium will der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Bareiß nach Herdecke kommen, um sich ein Bild von der Lage rund um die genehmigte und beklagte Stromtrasse zu machen.

Obendrein hat Wolfgang heuer Kontakt zu Greenpeace aufgenommen und bei den Aktivisten eine Idee vorgestellt. Da aus seiner Sicht die hiesige Stromtrasse quasi am Kraftwerk in Hamm-Uentrop beginne, will der Herdecker einen sportlichen Protestlauf von dort mit weiteren Stationen in Nordrhein-Westfalen anregen. „Damit könnten wir Politiker wach rütteln und Geld für weitere Proteste nicht nur bei uns sammeln.“

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