Gericht

Reinigungskräfte der WDV bekommen jetzt Zuschlag gezahlt

Das Massenverfahren gegen die Wirtschaftsdienste Volmarstein ist vom Tisch; das Unternehmen zahlt den Zuschlag auf die Mehrarbeit seiner Mitarbeiter. ol

Das Massenverfahren gegen die Wirtschaftsdienste Volmarstein ist vom Tisch; das Unternehmen zahlt den Zuschlag auf die Mehrarbeit seiner Mitarbeiter. ol

Foto: Kurt Michelis

Wetter/Hagen.  50 Reinigungskräfte klagten gegen die Wirtschaftdienste Volmarstein, weil ihr Arbeitgeber den Mehrarbeitszuschlag nicht gezahlt hatte.

Eine Flut von Prozessen gegen dieselbe Firma aus Wetter überschwemmt derzeit das Arbeitsgericht Hagen: Dort sind vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) exakt 50 Zahlungsklagen gegen die WDV (Wirtschaftsdienste Volmarstein) anhängig gemacht worden – ein sogenanntes „Massenverfahren“.

In allen Fällen geht es um die Zuschläge für Mehrarbeit (25 Prozent), die zahlreichen WDV-Reinigungskräften, die teilzeitbeschäftigt sind, nicht gezahlt worden waren. „Obwohl es seit Dezember letzten Jahres ein entsprechendes Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) dazu gibt“, moniert Kathrin Hauel, Rechtsschutzsekretärin beim DGB-Bochum.

Sie hat die 50 Klagen beim Arbeitsgericht Hagen eingereicht: „Wir gehen damit als Gewerkschaft gegen die unzulässige Benachteiligung der Teilzeitbeschäftigten vor. Es handelt sich dabei überwiegend um Frauen.“

Mehrarbeit wird bezahlt

Die verklagten Wirtschaftsdienste Volmarstein (WDV) mit Sitz Am Hensberg 1 in Wetter sind eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Evangelischen Stiftung Volmarstein. Die Mitarbeiter dort müssen, je nach Vertrag, eine ganz unterschiedliche Anzahl von Wochenstunden erbringen. Leisten die Raumpfleger und Raumpflegerinnen Mehrarbeit, wird diese selbstverständlich auch bezahlt.

Nur: Den von den Bundesarbeitsrichtern am 19. Dezember 2018 ausgeurteilten Anspruch auf einen 25-prozentigen Zuschlag auf die Mehrarbeit, weigerten sich die WDV bislang zu zahlen: „Ich frage mich: warum?“, brachte Richterin Nicole Pfeiffer ihr Unverständnis dafür deutlich zum Ausdruck. Vor ihr standen jetzt die ersten elf Gütetermine im Arbeitsgericht Hagen an.

Hinter den Mehrarbeitszuschlägen im Manteltarifvertrag von 2014 stünde das Ziel, Arbeitnehmer, die ihre Freizeit für Mehrarbeit opfern, zu belohnen, hatten die höchsten Arbeitsrichter entschieden. Und das gelte auch für Teilzeitbeschäftigte. Richterin Pfeiffer: „Dieses Urteil ist eindeutig, das müssten eigentlich auch die Wirtschaftsdienste Volmarstein einsehen.“

WDV will jetzt nachzahlen

Justitiar Andreas Schwegmann von der Evangelischen Stiftung Volmar­stein nickte zustimmend – und erbat von der Richterin einen entsprechenden Hinweis ins Protokoll. Für die WDV erklärte er: „Wir werden zahlen.“ Und zwar in allen 50 eingeklagten Fällen.

Ohnehin handelt es sich bei der Mehrzahl der Klagen um keine großen Summen, oft auch nur um kleine Kleckerbeträge, die eingefordert werden. In Kürze soll es einen neuen Tarifvertrag geben, in dem die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts zur Benachteiligung von Teilzeitbeschäftigten berücksichtigt ist.

Der WDV-Rechtsvertreter will in den nächsten Tagen eine entsprechende Nachzahlungsverpflichtung gegenüber der DGB-Rechtsschutzsekretärin abgeben. Damit wäre dann auf einen Schlag – und in allen fünf Kammern des Arbeitsgerichts – dieses Massenverfahren vom Tisch.

Tochterunternehmen der ESV

Die Wirtschaftsdienste Volmarstein (WDV) sind eine Tochtergesellschaft der Evangelischen Stiftung Volmarstein (ESV). 2015 gegründet, 230 Mitarbeiter. Geschäftsführer ist Dirk Domann. Geschäftszweck ist die Erbringung von Dienstleistungen im Gesundheitswesen und in der Hauswirtschaft, vor allem Gebäudereinigung, Zentralwäscherei und Cafeterien. Zur WDV gehört die Gärtnerei am Friedhof in Alt-Wetter.

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