Brandschaden

Rückkehr der Renckhoffs ist in Sicht

Endlich kann der Wiederaufbau in der Goethestraße beginnen: Grundstückseigentümer Gert Renckhoff und die Herdecker Architektin Jutta Gentgen stehen vor der Ruine der Kotelett-Villa. Das Haus, lange eines der schönsten der Gebäude in der Stadt, wurde beim Feuer am 2. Dezember 2016 komplett zerstört.

Foto: Steffen Gerber

Endlich kann der Wiederaufbau in der Goethestraße beginnen: Grundstückseigentümer Gert Renckhoff und die Herdecker Architektin Jutta Gentgen stehen vor der Ruine der Kotelett-Villa. Das Haus, lange eines der schönsten der Gebäude in der Stadt, wurde beim Feuer am 2. Dezember 2016 komplett zerstört.

Herdecke.   Nach dem verheerenden Brand in der „Kotelett-Villa“ und dem anstrengenden Genehmigungs-Verfahren startet nun der Wiederaufbau. Einzug 2019.

Mauerreste. Mehr ist von der einst prächtigen Kotelett-Villa, wie das schöne Gebäude in der Herdecker Goethestraße im Volksmund hieß, nicht übrig geblieben. Der Ist-Zustand, erst recht die Erinnerungen lösen ein beklemmendes Gefühl aus. Vor allem bei Eigentümer Gert Renckhoff, der hier 48 Jahre lang lebte. Dann kam das verheerende Feuer am 2. Dezember 2016. Der Brand zerstörte die Heimat der Familie um die stadtbekannte Augenärztin Rosemarie Renckhoff. Mit etwas Unbehagen betritt ihr Mann nun das Grundstück, obwohl er sich an den Anblick der Ruine gewöhnt hat. Immerhin kann er jetzt den Blick nach vorne richten.

Drohennflug Villa Renckhoff

Die Brandruine der Villa Renckhoff: Auf diesem Fundament will die Herdecker Architektin Jutta Gentgen das neue Haus für die Arztfamilie bauen. Video: Architekturbüro Gentgen
Drohennflug Villa Renckhoff

Denn nun im September beginnt der Wiederaufbau. Endlich. Schon länger liegt der dritte Entwurf der Herdecker Architektin Jutta Gentgen vor, in diesem Sommer genehmigte die Stadt den Plan. Was die Flammen Ende 2016 rasend schnell vernichteten, sollte anschließend einige bürokratische Hürden mit sich bringen. „Ich war von dem ganzen Hin und Her zwischenzeitlich so genervt, dass ich über einen Verkauf des Grundstücks nachgedacht habe“, sagt Gert Renckhoff.

Einige Widerstände bei der Planung

Das letzte Jahr und der Antrag zum Wiederaufbau im Zeitraffer: Im Oktober 2017 stellte die Stadt fest, dass es entgegen voriger Aussagen für das Grundstück doch einen Bebauungsplan gibt und der Neubau nicht wie geplant ein Flach-, sondern ein Satteldach erhalten müsse. Gentgens zweiter Entwurf stieß dann im Februar wegen der Bebauungsgrenzen auf Ablehnung aus der Nachbarschaft. Für die nächste Variante erhielten die Renckhoffs nun im Sommer Grünes Licht. „Wir können diese Idee ohne Einschränkung umsetzen“, sagt Gentgen zuversichtlich.

Ihr dritter Entwurf sieht eine Zweiteilung vor. Auf den Fundamenten der abgebrannten Villa entsteht dank des stabilen Natursteinsockels 1:1 das künftige Wohnhaus. Zwei Etagen für die Familie plus Kellernutzung (mit Schwimmbad) und gemütliche Rückzugsmöglichkeit im Dachgeschoss. „In Sachen Quadratmeterzahl haben wir wohl in etwa so viel Platz wie vorher. Insgesamt dürfte es größer wirken, weil das künftige Treppenhaus kleiner ausfällt“, berichtet der Mathematiker, der auch froh ist, dass fast alle Bäume (darunter sehr alte) die Turbulenzen weitgehend überstanden haben und weiterhin ein Garten im hinteren Teil zur Verfügung steht.

Auf der westlichen Seite des Grundstücks, wo die bewährte Hauptzufahrt von der ansteigenden Goethestraße verbleibt, schließt sich an das Wohnhaus der neue Anbau an. Dort will Dr. Rosemarie Renckhoff nach der Fertigstellung der Gebäude wieder – wenn auch in reduzierter Form – als Augenärztin arbeiten und Akupunktur anbieten. Kassenärztliche Behandlungen werde es altersbedingt aber nicht mehr geben.

Patienten müssen sich dann nur an einen leicht versetzten Eingangsweg gewöhnen. Über wenige Treppenstufen oder einen neuen Aufzug in der Mitte der beiden Gebäudeteile geht es dann ins Erdgeschoss, das rund 80 Quadratmeter und vier Behandlungsräume umfasst. Diese übernimmt vielleicht eines Tages der Sohn Dr. Christian Renckhoff, der Allgemeinmediziner praktiziert derzeit ein paar Meter weiter in der Goethestraße 4a.

Gentgens Plan sieht naturgemäß viele neue Elemente vor, allerdings sollte sie nach Möglichkeit auch Erinnerungen an die alte Heimat der Renckhoffs einbauen. So erhält das Haus der Familie an der gleichen Stelle wieder einen Wintergarten, einen Kopf aus Stuck des früheren Giebels will sie ebenso wieder einbauen wie einen Turm, diesen eventuell sogar mit der Spitze der früheren Konstruktion zwecks Wiedererkennung. „Der Turm soll beleuchtet werden“, so die Architektin. Die Diplom-Ingenieurin hat auch Garagen versetzt, die befinden sich künftig unter dem Anbau. Vor diesem entstehen zudem zwei Stellplätze für kurzfristiges Halten. Nach dem Feuer-Drama gehören selbstredend Brandschutz-Vorrichtungen zum Entwurf. Konkret sind das dichtschließende Türen und Treppenhauswände der Feuer-Widerstand-Klasse F90, die mindestens 90 Minuten die Flammen aufhalten.

Parkplätze bald nicht verfügbar

„Es stehen jetzt noch einige Abrissarbeiten an, Mitte September soll dann der Neubau starten“, berichtet Gentgen und ist froh, eine ihr bekannte Firma (Soester Bau) als Auftragnehmerin gefunden zu haben. Die wiederum braucht zur Zufahrt Teile des öffentlichen Parkplatzes an der unteren Goethestraße, „daher entfallen während der Arbeiten leider einige Stellflächen. Wir bitten um Verständnis.“

Derweil rechnet Gert Renckhoff mit einer Bauzeit von einem Jahr. Da es nun endlich los geht und hoffentlich keine Störfeuer mehr kommen, stellt sich eine gewisse Vorfreude an der Goethestraße ein. „Wir sind zwar gut untergebracht, aber unseren Lebensmittelpunkt wollen wir schon möglichst bald wieder hier hin verlegen.“

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