Theater

Schneewittchen und Rapunzel rebellieren

In dem Stück des Young Actors Clubs treffen Figuren aus verschiedenen Märchen aufeinander, die sich allerdings keineswegs so verhalten, wie man es aus den althergebrachten Märchen kennt. Vom Publikum gab es am Ende der Aufführung viel Applaus.

In dem Stück des Young Actors Clubs treffen Figuren aus verschiedenen Märchen aufeinander, die sich allerdings keineswegs so verhalten, wie man es aus den althergebrachten Märchen kennt. Vom Publikum gab es am Ende der Aufführung viel Applaus.

Foto: Jana Peuckert

Wetter.   Der Young Actors Club führt originelles Märchenstück in der Lichtburg auf. Das Publikum ist begeistert.

Rotkäppchen, Rapunzel, die sieben Zwerge und Schneewittchen in derselben Geschichte? Wie das geht, zeigt das Stück „ Rapunzel und das Schicksalsbuch“. Seit Januar lernten die Mädchen und Jungen des Young Actors Clubs vom Koffertheater eifrig ihre Texte und Darbietungen. Am Sonntag führten sie das Werk in der Lichtburg auf.

Schon nach den ersten Szenen wurde dem Publikum klar: Hier ist nichts, wie es sein soll. Und tatsächlich treffen Figuren aufeinander, die sich in den Märchen nie begegnen würden. Zu Beginn erwischt eine böse Zauberin Rumpelstilzchen dabei, wie es singend um ein Feuer herum tanzt. Die schwarz gekleidete Dame erpresst den Wicht damit, dessen Namen überall hinauszuposaunen, wenn es nicht der Zauberin Gehilfe wird. Rumpelstilzchen fügt sich und versucht, dafür zu sorgen, dass alles so abläuft wie in den Märchen vorgesehen.

Zwerge führen den Haushalt

Die richtigen Abläufe stehen im Schicksalsbuch. Doch da hat Rumpelstilzchen nicht mit den emanzipierten Frauen gerechnet. Sie wollen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Schneewittchen will nicht länger den Haushalt für die sieben Zwerge führen, sondern die Welt sehen. Rapunzel hat keine Lust mehr, einsam in einem Turm zu leben - sie schneidet kurzerhand ihren Zopf ab. Dann muss sie allerdings noch aus dem Turm heraus. Dafür gehen die drei Frauen einen Deal mit den Zwergen ein: Sie bringen ihnen bei, wie sie ohne Hilfe ihren Haushalt führen. Im Gegenzug bauen die handwerklich begabten Zwerge eine Leiter für den Turm.

Auch Rotkäppchen passt ihr Märchen nicht. Sie ist geradezu angewidert von dem Gedanken, aus dem Bauch des Wolfes herausgeschnitten zu werden. Der Wolf ist übrigens ganz ihrer Meinung. Ständig soll er fressen. Aber dafür muss ja immer jemand sterben. Und dann das ganze Blut. Das ist nichts für das sensible Tier. Viel lieber hätte es ein schönes Zuhause mit Platz vor dem Kamin. „Er hat genau die richtige Größe“, findet Rotkäppchens Oma und nimmt den Wolf bei sich auf.

Das Stück versteht es, mit witzigen Dialogen und liebevoll, auf zwei Bühnen aufgebautem Bühnenbild zu begeistern. Sämtliche Requisiten und Kostüme hat Mona Köhler selbst angefertigt oder Vorhandenes nach ihrem Sinn verändert. Nur mit der Geschichte hat sie nichts zu tun. Die stammt von Tochter Elli. Die Elfjährige hat immer neue Figuren dazu geschrieben, so dass am Ende alle 14 Mitglieder des Kurses der 7- bis 13-Jährigen eine Rolle bekamen. Sie selbst spielte Rumpelstilzchen.

Mutter Mona, Theaterpädagogin und Schauspielerin, ist stolz auf ihren Nachwuchs. Sie sei ihr sehr dankbar, weil das Stück allen so viel Spaß gemacht habe. Mit langem Applaus zeigte das Publikum, wie sehr ihm das Stück gefallen hat.

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