Volkstrauertag

Schülerin berichtet am Volkstrauertag von ihrer Flucht

Schülerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums machen die Grausamkeit von Kriegen anhand von Bildern und Texten deutlich.

Schülerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums machen die Grausamkeit von Kriegen anhand von Bildern und Texten deutlich.

Foto: Jana Peuckert

Wetter/Herdecke.  Bei der Veranstaltung zum Volkstrauertag in Wetter beeindrucken Schülerinnen mit ihrer Darstellung von Krieg und Frieden.

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„Am 3. August 2014 kamen die ISIS nach Shingal und ließen uns die Wahl, unter Zwang Muslime zu werden, oder zu sterben.“ Es war eine besondere Stille im Park der Ruhe, als Walida Ziad Shamo diese Worte aussprach. Zur Veranstaltung zum Volkstrauertag hatten Schüler der Geschwister-Scholl-Gymnasiums die Idee, die Grauen des Krieges anhand von Bildern darzustellen und deren Wirkung mit Texten zu verstärken. Das Ergebnis berührte die Teilnehmer merklich.

Frieden beginne im Kopf eines jeden Einzelnen von uns, trug Anna Riese vor. Es gehe darum, Mauern im Kopf abzureißen: „Denn die sind es, die uns nicht aufeinander zugehen lassen, die uns sagen, dass Krieg der richtige Weg zur Konfliktlösung ist.“ Wie aktuell dieses Thema gerade in der heutigen Zeit ist, führte Walida Ziad Shamo beeindruckend vor Augen. 2014 floh die Schülerin aus dem Irak. Als Angehörige der Jesiden, einer ethnisch-religiösen Minderheit, wäre sie sonst der ISIS zum Opfer gefallen und getötet worden. Sieben Tage lang habe sie ohne Nahrung mit 21 weiteren Menschen in den Bergen verbracht. Die gefährliche Flucht dauerte 22 Tage. Dann erreichten Walida Ziad Shamo und ihre Familie Deutschland. „Wir sind glücklich, dass wir jetzt auch normal wie jeder leben können.“

Zwei Wochen Vorbereitung

Der Volkstrauertag sei ein Tag, an dem sich alle besinnen müssten, wie wichtig Frieden ist, wie gut wir es hier hätten, dass wir in Frieden leben könnten, so Kathleen Elstner. Zwei Wochen lang hatten Tabea Küsters, Anna Riese, Kathleen Elstner Walida Ziad Shamo und Jennifer Berg etwa zwei Stunden täglich daran gearbeitet, ihre Idee umzusetzen. Deutsch- und Philosophielehrer Sebastian Berg hatte die Gruppe bei den Texten unterstützt. Er sei stolz, solch eifrige und kreative Schüler zu haben. Das Werk besteht aus zwei Gemälden. Auf dem ersten ist unter anderem eine Hand hinter Stacheldraht zu sehen. Sie soll Kontrolle und ständige Überwachung bis hin zum völligen Bruch des eigenen Willens der Menschen in Kriegszeiten darstellen. Das zweite kommt farbenfroh daher, zeigt bunte Flugzeuge, die die Botschaft „Frieden beginnt bei uns“ in die Welt tragen. Jede kleine alltägliche Handlung könne etwas Frieden in die Welt bringen, oder auch das Gegenteil bewirken, erklärte Tabea Küsters dazu: „Dafür müssen wir sensibilisieren.“

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Schöntaler Männerchor und Trompeter Torsten Mühlhoff. Er spielte während der Kranzniederlegung „Ich hatt’ einen Kameraden“. Das Gebet sprach Vikar Daniel Hülsken. „Seit 97 Jahren gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Wir denken an die Soldaten, die zivilen Kriegsopfer. Wir gedenken der Opfer von Massakern und Genoziden. Wir denken an die Opfer terroristischer Attacken“, so Bürgermeister Frank Hasenberg in seiner Rede. Es sei an jedem Einzelnen, im Alltag nicht wegzuschauen, wenn Menschen diskriminiert, geschmäht und verfolgt würden. „Der Zweite Weltkrieg endete 1945, die Gefahr des Antisemitismus allerdings wurde leider nie gebannt und stellt uns alle vor eine wichtige Aufgabe: Nämlich die Verantwortung aus unserer Geschichte zu übernehmen und dort Zivilcourage zu zeigen, wo es Not tut.“

Gedenkstunde in Herdecke

Auch in Herdecke gedachten die Menschen der Opfer von Krieg und Gewalt. Am Ehrenmal an der Goethestraße betonte Pfarrer i.R. Karl-Heinz Schanzmann die Notwendigkeit, den Volkstrauertag aufrecht zu erhalten. Menschen, die Demokratie, Recht und Gleichheit auf perfide Art bekämpften, seien nicht fern. Der Verfassungsschutzbericht liste für 2018 für NRW 3767 rechtsextremistische Straftaten auf, mehr als zehn pro Tag, allein in NRW. Das mache deutlich: „Die Alarmsignale sind seit langem ertönt.“

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