Finanzen

Schuldenfalle als Hamsterrad: Beratungsangebot in Wetter

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Katalin und Uwe Grünert beraten bald einmal im Monat Menschen, die Schulden haben. Pfarrer Karsten Malz (rechts) freut sich über das Angebot in den Räumen der Luthergemeinde. 

Katalin und Uwe Grünert beraten bald einmal im Monat Menschen, die Schulden haben. Pfarrer Karsten Malz (rechts) freut sich über das Angebot in den Räumen der Luthergemeinde. 

Foto: Manuela Pavlovskis

Wetter.  Neue Perspektiven und ein Weg aus der Krise – das wollen Katalin und Uwe Grünert den Beratungssuchenden aufzeigen.

Für manche Menschen ist selbst der Gang zum Briefkasten schwer. Rechnungen und Mahnungen häufen sich in den Postkästen. Explodierende Preise durch die Energiekrise könnten die Lage noch verschlimmern. Und genau dort setzt die Schuldnerberatung an, die künftig wieder einmal im Monat in der Luthergemeinde angeboten wird.

Katalin und Uwe Grünert, Rechtsanwälte aus Wetter, haben sich bereit erklärt, sich um die Menschen zu kümmern, denen das Wasser oft bis zum Hals steht. Ursprünglich gab es in der Luthergemeinde mal ein Angebot der Diakonie Mark Ruhr, doch durch Umstrukturierungen müssten Schuldner, die das Angebot in Anspruch nehmen wollen, jetzt bis nach Witten fahren. Uwe Grünert weiß: „Das ist für viele Menschen einfach zu weit. Sie brauchen ein niedrigschwelliges Angebot vor Ort“, erklärt er.

Grünert weiß, wovon er spricht. Seit 2000 ist er als gerichtlich bestellter Gutachter, Treuhänder, vorläufiger Insolvenzverwalter und Insolvenzverwalter tätig. Er hat viele Menschen beruflich begleitet. Seine Erfahrung hat gezeigt: „Die Menschen versuchen um jeden Preis, ihre Kredite zurückzuzahlen.“ Was zunächst löblich klingt, ist bei einigen aber zum Scheitern verurteilt. „Manche sehen nicht, dass die Raten, mit denen sie tilgen, so gering sind, dass sie nicht einmal die Zinsen ausgleichen, dementsprechend steigen die Schulden“, erklärt er.

Einigen Menschen bliebe nach Abzug aller zu zahlenden Rechnungen nicht einmal 150 Euro im Monat zum Leben. Dass das in der heutigen Zeit nicht mehr funktionieren könne, werde vielen erst bei der Beratung deutlich. „Wir gucken in der Beratung, was überhaupt da ist. Was eventuell auch weg kann, wie beispielsweise einige Versicherungen. Dann schauen wir, wie lange es dauert, die Schulden zurückzuzahlen“, erläutert Grünert. Anschließend könne entschieden werden, wie es weitergehen soll. Ob Vergleiche mit Gläubigern angestrebt werden können oder auch eine Insolvenz in Frage kommt. Nach neuem Verbraucherrecht wäre der Schuldner nach drei Jahren damit schuldenfrei. Und für viele noch wichtiger: Sie kämen aus dem Hamsterrad heraus.

„Viele Schuldner können an nichts anderes mehr denken und die Situation belastet sie so sehr, dass sie davon krank werden“, weiß Grünert. Und diesen Menschen will der Anwalt neue Perspektiven aufzeigen, ihnen die Belastung nehmen, damit sie sich wieder auf andere Dinge konzentrieren können. Wichtig dabei ist: Die kostenlose Schuldnerberatung ist nur ein erster Schritt. Nach der Beratung verweist Grünert die Schuldner an die Diakonie, damit diese ihnen weiterhilft. Doch erst einmal gilt es, den ersten Schritt zu machen – und das ist vor der eigenen Haustür einfacher. „Wir möchten eine Anlaufstelle sein für Menschen, die in einer Situation sind, in der sie nicht mehr weiter wissen“, lädt Grünert ein.

Die erste Beratung wird bereits am kommenden Mittwoch, 7. Dezember, in den Räumen der Luthergemeinde an der Bismarckstraße 38 stattfinden. Von 8 bis 13 Uhr nehmen sich die Eheleute Grünert Zeit für die Probleme der Menschen. Da es schon mal länger dauern kann, bis die Situation evaluiert ist, sollten sich Beratungswillige vorher bei der Gemeinde (Tel. 02335/4461) anmelden.

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