Weltretter

Selbstversuch: Drei Tage mit dem E-Bike statt Auto unterwegs

Selbsttest mit E-Bike: Yvonne Held, Redaktionsleiterin der Lokalredaktion Wetter/Herdecke, macht für die Nachhaltigkeitsserie der Zeitung einen Selbsterfahrungstest mit dem E-Bike.

Selbsttest mit E-Bike: Yvonne Held, Redaktionsleiterin der Lokalredaktion Wetter/Herdecke, macht für die Nachhaltigkeitsserie der Zeitung einen Selbsterfahrungstest mit dem E-Bike.

Foto: Elisabeth Semme

Herdecke/Wetter.   Drei Tage lang kein Auto benutzen. Alle beruflichen und privaten Termine mit dem Fahrrad erledigen. Ob das funktioniert hat?

Drei Tage kein Auto, sondern nur mit dem E-Bike unterwegs sein – kann das klappen? Dieser Frage bin ich für unsere Nachhaltigkeitsserie „Weltretter“ im Selbstversuch nachgegangen. Das E-Bike bekam ich dankenswerter Weise von der Stadt Wetter ausgeliehen, die sich das Gefährt für den eigenen Fuhrpark angeschafft hatte.

Aufbruch nach Bathey

Am Mittwochmorgen ging es also vom Rathaus Wetter los. Ein wenig mulmig war mir schon zumute, als ich mich auf den Drahtesel schwang. Das erste Ziel lautete Druckzentrum Hagen-Bathey. 10,5 Kilometer mit dem Rad, also durchaus eine gemütliche Strecke. Angezeigt wurden 36 Minuten Fahrzeit, aber eben mit einem normalen Zweirad. Ich hatte ja Tretunterstützung. Herausforderung angenommen. Die erste Ernüchterung folgte, als mein Handy, das ich zur Navigation nutzte, mich auf die Kaiserstraße Richtung Herdecke führte.

Arglos hielt ich mich an die Anweisung und erntete schon nach wenigen Minuten auf meinem Fahrrad wütende Rufe: „Nutz den Fahrradweg!“ Gefolgt von einem kleinen Hupkonzert. Kurz vor der Minigolfanlage hatte das Navi ein Einsehen und schickte mich sodann auch hinunter zum Fahrradweg, auf dem es sich hervorragend fahren ließ. Bis zum berüchtigten Schiffswinkel, bei dem es oft Fahrradunfälle gibt, fuhr ich in lockerem Tempo. Dort stieg ich ab und schob über die Brücke. Auf der anderen Seite angekommen, traute ich meinem Navi nicht so recht, doch ein nettes Ehepaar, ebenfalls auf Zweirädern unterwegs, half. Radler müssen doch zusammenhalten. Frohen Mutes und mit der richtigen Wegbeschreibung waren die letzten Kilometer ein Klacks.

Nach dem Tag in Bathey stand das Abendprogramm auf dem Plan. Mein Lebensgefährte wohnt allerdings nicht in Herdecke oder Wetter, sondern auf Hagen-Emst. Wie schön wäre es, sich jetzt einfach ins Auto setzen zu können. Doch dieser Gedanke blieb nicht lange. Kaum wieder auf dem Fahrrad, stellte sich wieder diese Entspannung und Freude ein, die ich morgens schon auf dem Weg zur Druckerei spürte. Sportliche Betätigung und Sauerstoff machen eben glücklich und geben Energie. So beschloss ich noch einen kurzen Stopp am Supermarkt einzulegen. Ohne darüber nachzudenken, packte ich den Einkaufswagen voll. Problem: Ein Fahrrad hat keinen Kofferraum. Aber gut gepackt ist halb gewonnen. Mit Rucksack auf dem Rücken und einem vollen Körbchen auf dem Gepäckträger schaffte ich es bis zu meinem Freund.

Hoher Zeitaufwand

Über Nacht stöpselte ich den Akku vorsichtshalber ans Ladegerät, denn am nächsten Tag stand einiges im Kalender. Doch zunächst hieß es, früher aufstehen, denn für den Weg zur Arbeit mit dem Auto brauchte ich sonst rund 25 Minuten. Der Routenplaner mit dem Rad zeigte mir über eine Stunde an. Puh! Aber ich hatte es mir ja so ausgesucht. Die Zeit verging aufgrund der schönen Eindrücke der Landschaft auch wie im Flug. Entspannt und fröhlich kam ich in der Redaktion an. Zu den Terminen des Tages nutzte ich das Zweirad ebenfalls. Bis auf den höheren Zeitaufwand war dies gar kein Problem. Doch dann näherte sich der Abend. Eine Veranstaltung über Lokaljournalismus in Dortmund stand auf dem Programm. Beginn um 17.45 Uhr. Ein Blick auf den Routenplaner zeigte: Eine Stunde und 20 Minuten würde ich brauchen. So früh aus der Redaktion verschwinden? Auf keinen Fall. Also doch wieder das Auto. Zwar nicht das eigene, aber eine Mitfahrgelegenheit. Das Experiment ist also schief gelaufen.

Mein Fazit: Komplett auf das Rad umsteigen, funktioniert mit einem vollen Terminkalender nicht. Aber hin und wieder würde ich das Auto gerne gegen das Zweirad eintauschen.

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