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So werden die Weihnachtsgottesdienste in Wetter und Herdecke

Mit Abstandsregeln nicht zu machen: In der gewohnten Form jedenfalls sind Krippenspiele am Heiligen Abend in diesem Jahr wohl nicht zu erwarten. Hier ein Foto aus der Zeit vor Corona.

Mit Abstandsregeln nicht zu machen: In der gewohnten Form jedenfalls sind Krippenspiele am Heiligen Abend in diesem Jahr wohl nicht zu erwarten. Hier ein Foto aus der Zeit vor Corona.

Foto: Gerhard Klee

Wetter/Herdecke.  Ein paar Gottesdienste mehr, Hybrid-Messen und vielleicht sogar Ausflüge aufs weitläufige Feld: In Wetter und Herdecke wird gerade geplant.

Auch, wenn bereits die ersten Kirchengemeinden ihre Gottesdienste inzwischen komplett ins Internet verlegt haben: Die Kirchen in Wetter und Herdecke dürfen ihre Gottesdienste noch in Präsenz feiern. Anders als die Gastronomie oder Sportveranstaltungen, können sich in den Kirchen und Gemeindesälen die Gläubigen, unter strengen Hygienemaßnahmen auch weiterhin zur Religionsausübung treffen. Die Coronaschutzverordnung des Landes NRW sieht dies explizit vor.

Trotzdem ist längst nicht alles beim Alten. Die Hygienevorschriften und Einschränkungen zwingen die Gemeinden zur Improvisation. Wie genau die Weihnachtsgottesdienste aussehen werden, ist noch unklar. Zwar ist vieles geplant, aber weniges spruchreif. Eines ist jedenfalls jetzt schon sicher: Dieses Weihnachten wird anders als sonst. Die Lokalredaktion hat bei vier Gemeinden aus Wetter und Herdecke angefragt und nach dem Stand der Planung gefragt.

Wenn möglich auch in Präsenz

Da wo noch Gottesdienste in Präsenz gefeiert werden, wird aktuell weniger oder gar nicht gesungen, an den Gottesdiensten dürfen wesentlich weniger Menschen teilnehmen, und auch ein Mund- und Nasenschutz ist während der gesamten Dauer Pflicht. Doch gerade zur Weihnachtszeit ist das Zusammenkommen und das gemeinsame Feiern des heiligen Festes für viele Gläubige ein wichtiger Teil ihres Glaubens. Aus diesem Grund wollen auch die Kirchengemeinden, wenn möglich, nicht komplett auf Präsenzgottesdienste verzichten. „Aktuell ist alles online. Unser Wunsch ist es aber, den Leuten Heiligabend in 3 oder sogar 4D zu bieten. Sie sollen teilnehmen können. Wir planen sicher kein Großevent, aber eines wo viele Menschen im kleinen Rahmen teilnehmen können“, erklärt Timo de Buhr, Pastor der Ruhrkirche aus Wetter.

Auch die katholische Kirchengemeinde in Herdecke möchte nicht auf den Kontakt zu den Menschen verzichten. „Die Gottesdienste werden natürlich unter der Maßgabe der Pandemieordnung stattfinden, die das Land und der EN-Kreis vorschreibt. Das machen wir in Präsenz, allerdings mit limitierter Besucherzahl,“ erklärt Pfarrer Franz Drüke, der Leiter des Pastoralverbands an den Ruhrseen. Die Anmeldung zu den Weihnachtsgottesdiensten wird in der Adventszeit nach den Gottesdiensten und via Telefon möglich sein.

In Anbetracht dessen, dass in diesem Jahr sicher nicht alle Interessenten in die Kirchen kommen können, müssen innovativen Ideen her. Und davon gibt es in den Gemeinden aus Wetter und Herdecke nicht zu wenig. „Als es losging mit der Weihnachtsplanung, haben wir so viele Mitarbeiter, Mitglieder und Freunde der Gemeinde eingebunden wie möglich. Wir haben dazu aufgerufen Ideen zu sammeln,“ sagt Pastor Dennis Sommer von der Efg-Grundschöttel. Und so kam eine Menge zusammen. Die baptistische Gemeinde plant in jedem Fall zwei Online-Gottesdienste an Heiligabend, die vielleicht auch hybrid stattfinden werden.

Doch auch darüber hinaus gab es tolle Ideen: Eine ist zum Beispiel der Weihnachtsweg. Ein Spaziergang, auf dem mit Hilfe von Qr-Codes an verschiedenen Stationen die Weihnachtsgeschichte nacherlebt werden soll. „Es gab auch Ideen, die Gottesdienste auf einem Feld stattfinden zu lassen oder mehrere kleine zu feiern“, erklärt Sommer. Pfarrer Johann-Christian Grote von Ev.-Reformierten Kirchengemeinde Wetter-Freiheit, die auch an Weihnachten mit der Luthergemeinde in Wetter kooperieren und Räumlichkeiten nutzen wird, berichtet über die Idee, zusammen mit anderen Gemeinden und deren Mitgliedern, zu einem ausgemachten Zeitpunkt an verschiedenen Orten „Oh du fröhliche“ zu singen -- so wie man es in der Coronapandemie schon häufiger gesehen hatte. In der katholischen Kirche in Herdecke sind die Türen am Heiligen Abend bereits nachmittags zum Beten geöffnet. Eine Übertragung der Gottesdienste ins Internet ist auch geplant.

Besondere Zeit zu Weihnachten

Man muss kein gläubiger Mensch sein, um die besondere Atmosphäre der Weihnacht und des Heiligen Abends zu spüren. Besinnlichkeit und Zusammensein werden in dieser Zeit großgeschrieben. Doch es sind eben nicht alle zusammen mit ihren Familien. „Für mich als Pfarrer ist das noch mal eine andere seelsorgliche Herausforderung. Wie erreiche ich die unter Einsamkeit leidenden Menschen? Für manche ist das alles mit einer großen Einsamkeit verbunden – das fällt Weihnachten besonders auf“, erklärt Pfarrer Grote. Auch für Pfarrer Drüke ist die diesjährige Weihnachtszeit anders als sonst: „es ist eine besondere Situation. Wir versuchen trotz der Umstände, unsere Weihnachtsbotschaft und Adventsbotschaft den Menschen nahe zu bringen.“ Pastor Sommer aus Grundschöttel sieht in der besonderen Situation auch eine besondere Herausforderung: „Ich sehe die Aufgabe, ein Stück Hoffnung und Zuversicht auszustrahlen. Und zu sagen: Wir werden das Schaffen. Das ist die tiefste Überzeugung als Kirche. Wir müssen mit den Leuten in Kontakt bleiben und mitleiden, wo es schwerfällt.“

Die Planungen der jeweiligen Gemeinden laufen aktuell auf Hochtouren. Doch sicher ist leider relativ wenig.

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