Bäder und Bleichstein

Stadt Herdecke soll vorerst nicht nach einem Investor suchen

Beliebt bei den Bürgern, mittlerweile aber in die Jahre gekommen und teuer für die Bürgerschaft: Das Freizeitbad mit seinen Attraktionen wie Wasserrutsche und Sprungturm am Herdecker Bleichstein.

Beliebt bei den Bürgern, mittlerweile aber in die Jahre gekommen und teuer für die Bürgerschaft: Das Freizeitbad mit seinen Attraktionen wie Wasserrutsche und Sprungturm am Herdecker Bleichstein.

Foto: Hans Blossey

Herdecke.   SPD und Grüne sind gegen eine Bebauung der Freizeitfläche am Bleichstein. Insbesondere CDU hätte gerne jetzt einen Investorenwettbewerb.

Ein Wellness-Hotel auf dem Bleichstein-Gelände hat keine Chance. So sieht es jedenfalls nach den Beratungen im Bauausschuss aus. SPD und Grüne haben deutlich gemacht, dass für sie ein Verkauf der Bleichsteinwiesen für einen Hotelbau darauf keine Option ist, die Freibadkosten für die Stadt deutlich geringer zu halten als bisher. Morgen berät der Hauptausschuss über die Zukunft des Bades, eine Woche darauf hat der Rat endgültig zu entscheiden, ob es aktuell zu einem wie auch immer gearteten Investorenwettbewerb für die Bleichsteinflächen kommt oder nicht.

Im Sommer schon hatten SPD und Grüne ihre Ablehnung zu einem Verkauf der beliebten Freizeitfläche deutlich gemacht. Vor allem die SPD wollte abwarten, wie viel Geld denn aus einem Fördertopf des Bundes nach Herdecke fließt. Ursprünglich sollte um diese Jahreszeit schon feststehen, was von den 100.000 Millionen Euro bundesweit bei der Sanierung von Freibad und Hallenbad am Bleichstein zur Verfügung steht. Rund 6,3 Millionen Euro werden benötigt (dazu auch der Bericht unten auf der Seite), der Zuschussanteil liegt bei maximal 45 Prozent. Mittlerweile ist der Fördertopf noch einmal um 100 Millionen Euro aufgestockt worden. Allerdings wird es jetzt Frühjahr werden, bis klar ist, was Herdecke von Berlin zu erwarten hat. Dann sei es immer noch früh genug, nach einem Betreiber für das Bad oder andere Lösungen zu suchen, sprach sich Uli Schwellenberg (SPD) für eine Verschiebung der Entscheidung aus. Die Verwaltung hatte eine Vorlage erarbeitet, die eine umgehende Ausschreibung eines Investorenwettbewerbs mit Hotel-Möglichkeit vorsah.

Plümpe attackiert „Großmäuler“

Für Georg Torwesten von der CDU war es „fahrlässig, die Entscheidung über einen Wettbewerb nach hinten zu schieben.“ Selbst die maximale Förderung würde ja nicht reichen, die Sanierung komplett zu begleichen. Durch die Möglichkeiten, aus dem Wettbewerb wieder herauszukommen, lege sich die Herdecker Politik nicht frühzeitig fest: „Durch den Aufschub verlieren wir nur sehr viel Zeit.“ Rutger Booß, sachkundiger Bürger für die Linke, sprach beim Freibad vom aktuell „heißesten kommunalpolitischen Thema“. Für ist längst noch nicht alles ausdiskutiert wie etwa Idee eines möglichen Bürgerbades. Sie war bei einer Veranstaltung der Stadt zur Zukunft des Freibades aufgekommen. „Vergessen wir das“, befand allerdings Jens Plümpe von der UWG. „Von den Großmäulern, die dafür das große Wort geschwungen haben, habe ich nichts mehr gehört“, empörte sich Plümpe und fing sich dafür einen Ordnungsruf des Ausschussvorsitzenden ein. Wilhelm Huck (FDP) bleibt der „Idee vom Wellness-Hotel weiter nicht abgeneigt.“

>>>GUTACHTER ZUM SANIERUNGSBEDARF

Die Zahlen hat die Verwaltung mittlerweile schon mehrfach genannt: Rund 4,5 Millionen Euro kostet eine Sanierung des Freibades am Bleichstein, etwa 1,8 Millionen Euro eine Auffrischung für das benachbarte Hallenbad. Jetzt hatte Gutachter Stefan Hage Gelegenheit, die Ergebnisse einer vor zwei Jahren erfolgten Untersuchung Politikern und Bürgern in Herdecke vorzustellen.

Beim Freibad seien Umkleiden und WC bautechnisch einwandfrei, die Wärmehalle könne weiter genutzt werden, der Zugang müsse durch ein behindertengerechtes Kassenhäuschen ersetzt werden, so der Bauingenieur. Die Sprungtürme seien ok, auch die Großrutsche könne weiter betrieben werden. Allerdings seien komplett neue Umgänge nötig. Sanierungsbedarf bestehe bei den Überläufen der Becken.

Warnung vor einer Dauerbaustelle

Im Hallenbad ist aus der Sicht von Stefan Hage die Lüftung zu erneuern. Auch seien die Becken in Teilen undicht. Eine punktuelle Sanierung sei nicht sinnvoll, so der Gutachter: „Das wird dann zu einer Dauerbaustelle“. Würde jetzt für beide Einrichtungen alles neu gemacht, ließe sich später etwa bei gemeinsamen Wartungsverträgen auch wieder Geld sparen.

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