Seebrücke

Stadt Wetter wäre bereit, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen

Die Not vieler Flüchtlinge auf Lesbos ist nach dem Feuer im Camp Moria groß, wie auch dieses Bild zeigt. Deutschland will rund 1500 Migranten von der Insel aufnehmen. Ob welche nach Wetter kommen, ist ungewiss.

Die Not vieler Flüchtlinge auf Lesbos ist nach dem Feuer im Camp Moria groß, wie auch dieses Bild zeigt. Deutschland will rund 1500 Migranten von der Insel aufnehmen. Ob welche nach Wetter kommen, ist ungewiss.

Foto: Angelos Tzortzinis / AFP

Wetter.  Feuer und Not im Camp Moria: In Wetter überlegt die Stadtverwaltung, verstärkt auf ihre Bereitschaft zur Aufnahme junger Flüchtlinge hinzuweisen.

Am Dienstag gab die Bundesregierung bekannt, dass Deutschland nach dem Feuer im Flüchtlingscamp Moria 1500 Kinder und Eltern von dort aufnehmen wolle. Da sich die Stadt Wetter per Ratsbeschluss im März 2019 der Initiative Seebrücke angeschlossen und sich als „sicherer Hafen“ erklärt hat, führt das zur Frage: Kommen nach dem Drama auf der griechischen Insel Lesbos nun notleidende Menschen auch in die Harkortstadt? Antwort: vielleicht.

Auf Anfrage hieß es aus dem Rathaus, dass Wetter wieder diesbezüglich auf sich aufmerksam machen will. Zuständige Behörde sei in dem Fall die Bezirksregierung Arnsberg. „Die kennt unsere Bereitschaft aber schon länger“, so die Stadt.

In einer aktuellen Mitteilung der Verwaltung steht: „Die Selbstverpflichtung der Stadt Wetter als Mitglied der Initiative Seebrücke/Sicherer Hafen, über das normale Kontingent hinaus zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen, ist selbstverständlich nach wie vor aktuell – ganz besonders im Hinblick auf die derzeitigen Geschehnisse auf Lesbos.“ Hintergrund: Der hiesige Rat hatte vor Monaten (also vor dem Feuer) zweimal per Dringlichkeitsentscheidung beschlossen, hier an der Ruhr zwei Kinder beziehungsweise Jugendliche unter 14 Jahren aus den überfüllten Aufnahmelagern in Griechenland beherbergen zu wollen.

Diese Bereitschaft sei den Angaben zufolge auch auf Landesebene beim zuständigen NRW-Minister Joachim Stamp eindeutig dokumentiert. Gleichwohl diskutiere die Verwaltung derzeit intern, inwiefern die Stadt bei den zuständigen Stellen auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene zusätzlich „Druck machen“ und ihre Aufnahmeabsichten weiter sichtbar machen kann. „Wichtig ist: Wetter steht bereit“, heißt es weiter. Die Stadt stehe zu ihrer Verpflichtung, als sicherer Hafen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen.

Einem Vorwurf tritt die Stadt entschieden entgegen: Nach dem Beitritt zu der Initiative 2019 gab es noch keine zusätzlichen Flüchtlingszuweisungen für Wetter, also alles nur ein Lippenbekenntnis? „Nein. Wir haben unsere Bereitschaft nicht nur der Seebrücke gegenüber, sondern auch mit Briefen an Bundesinnenminister Horst Seehofer und die Landesregierung in NRW hinterlegt“, sagte Stadtsprecher Jens Holsteg. Allerdings sei auch klar: „Die Stadt Wetter ist darauf angewiesen, dass Bund und Land das Ganze auch umsetzen.“

Auch der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Kapschack äußerte sich wieder über die Moria-Entwicklungen. „Als reiches Land im Herzen Europas dürfen wir solche Bilder wie auf Lesbos nicht hinnehmen.“ Deutschland solle mehr Flüchtlinge aufnehmen, als Bundesinnenminister Seehofer vergangene Woche angekündigt hatte (150). Dazu hatte der Politiker von der Stadtgrenze Herdecke/Witten auch einen SPD-Brief an die Bundeskanzlerin unterschrieben. Kapschacks Erkenntnis mit Blick auf die erhöhte Zahl 1500: „Der Druck scheint zu wirken!“ Er werde in der Sache nicht locker lassen.

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