Serie Stammtisch

Stammtisch in Herdecke hält Erinnerung an ein Original wach

Noch mit Herbert Ensuleit: Der Herdecker Stammtisch im Juli 2016 vor der Eisdiele am Stelenbrunnen, in der heute das Café 1. Sahne ist: Im Uhrzeigersinn Herbert Ensuleit (vorne links), Jürgen Kollmuß, Heinz Badziong, Adi Möller, Werner Tyborczyk und Heinz Kühnholz.

Noch mit Herbert Ensuleit: Der Herdecker Stammtisch im Juli 2016 vor der Eisdiele am Stelenbrunnen, in der heute das Café 1. Sahne ist: Im Uhrzeigersinn Herbert Ensuleit (vorne links), Jürgen Kollmuß, Heinz Badziong, Adi Möller, Werner Tyborczyk und Heinz Kühnholz.

Foto: Privat / WP

Herdecke.  Herbert Ensuleit ist nach seinem Tod im vorigen Jahr am Stammtisch in Herdecke noch lange nicht vergessen

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Nein, die Gründung des Herdecker Ski-Clubs war kein Witz. Und doch ist Herbert Ensuleit seinen Stammtischbrüdern wegen seiner vielen witzigen Geschichten besonders in Erinnerung geblieben. „Dönkes“ nannte er sie und trieb auch mit dem Wörtchen „Dönekes“ seinen Scherz. Im vorigen Frühjahr ist das Herdecker Original im Alter von 85 Jahren gestorben.

Adi Möller ist zwar nur ein Zugereister. Aber als er die Geschichte mit dem Ski-Club zum ersten Mal gehört hat, konnte er nur den Kopf schütteln. „Ein Skiclub, hier in Herdecke?“ Ja, warum nicht, muss sich Herbert Ensuleit in den frühen sechziger Jahren gedacht haben. Sogar Stadtmeisterschaften wurden ausgetragen. „Schnee gab es damals ja noch genug“, erinnert sich Heinz Kühnholz. Und wenn man ihn von Herbert Ensuleit erzählen hört, versteht man, dass er nicht nur einen Stammtischbruder verloren hat, „sondern einen Freund“.

Kühnholz und Ensuleit sind beide in Herdecke geboren. „Herdecker Landadel“, wie Herbert Ensuleit gerne gesagt hat. Für den Ritterschlag reichte eine Wiege in der Stadt an der Ruhr. „Wir kannten uns ja schon von der Sandkiste her“, erinnert sich Heinz Kühnholz an den Gefährten von Kindheit an. Von der Idee mit dem Skiclub später ließ er sich gerne anstiften. Einmal haben die Beiden in den Dolomiten Ski-Urlaub gemacht. „Das ist wie mit dem Radfahren, das verlernst Du nie“, ermunterte Ensuleit seinen Schüler Kühnholz. Und der kann heute erzählen: „Der Hang war leer. Nur wir Beide. Und wer kracht zusammen...?“

Eine Ohrfeige vom Pastor

Herbert Ensuleit war gelernter Uhrmacher und dann als Feinmechaniker beim RWE. Er hat auch mal das große Uhrwerk im Turm der Stiftskirche kontrolliert. Hier vor dem Altar spielt auch eine andere Knaller-Geschichte mit Ensuleit aus der unmittelbaren Nachkriegszeit: Die Kirche war voll mit Konfis beim Unterricht. „Wir haben damals die Böller selbst gemacht“, denkt Heinz Kühnholz zurück, „eine große Mutter, zwei Schrauben von der Seite - in den Hohlraum dazwischen kam eine Patrone.“ Nur ging die plötzlich los im Kirchenschiff. „Herbert hatte die Schraube überdreht“, weiß Kühnholz noch heute, und: „Der Knall war nicht so laut wie die Ohrfeige vom Pastor.“

Eier-Kochen unter dem Wasserkran

Auch Adi Möller und die anderen in der täglichen Stammtischrunde kennen die Böllerei in der Kirchenbank, als wären sie selbst dabei gewesen. Herbert Ensuleit hat die Geschichte selbst gerne zum Besten gegeben, „immer und immer wieder“, wie Möller sagt. Auch ein Witz fällt ihm ein, den Herbert Ensuleit besonders gemocht hat. Dann müsste er ihn jetzt ja auch gut erzählen können... Eine kurze Pause, dann: „Geht nicht, der war nicht stubenrein.“

Die Geschichte hier aber geht wieder, auch wenn die Stube nachher alles andere als rein war: Herbert Ensuleit war bei einem Freund aus dem Skiclub zum Polterabend eingeladen. Die Gäste, alle eine Flasche Bier in der Hand, ließen das Paar hoch leben. Ensuleit erwischte mit der Flasche die Schale vom Kronleuchter, dessen Glas zu Boden stürzte. Ensuleit trat die Scherben klein und bemerkte zu dem im Teppich knirschenden Glas: „Was hat das diese Nacht wieder gefroren!“

„Er war ein verträglicher Mensch“, erinnert sich Heinz Kühnholz, beinahe eben so alt, an den Freund, und s

chmunzelt: „Ich habe mein ganzes Leben mit Herbert ausgehalten.“ Keine Kunst, will man Adi Möller Glauben schenken: „Wer mit so einem Typen nicht klar kommt, trägt selbst die Schuld.“ Wobei zumindest ein Kollege Ensuleits wohl erst wieder Zutrauen finden musste zu dem Spaßvogel.

Herbert Ensuleit war es gewohnt, von zuhause ein gekochtes Ei mit zur Arbeit zu nehmen. An einem Wintertag war ihm das Ei ein wenig kalt geworden, und so hielt er es in der Werkstatt unter einen Kran mit heißem Wasser. „So koche ich meine Eier immer“, beschied Ensuleit dem Kollegen, der die Prozedur mit großen Augen verfolgte. Tags darauf hielt dieser dann selbst ein Ei in den heißen Strahl – das sich fast noch roh über den Eierbecher ergoss, nachdem es aufgeschlagen war.

Ob das alles auch wirklich so passiert ist? Die Kollegen haben die Geschichte bestätigt, versichert Heinz Kühnholz. Andere Dönekes kann er persönlich bezeugen. Herbert Ensuleit selbst kann jetzt keiner mehr fragen. Auf dem Friedhof Zeppelinstraße liegt er begraben. Seine Geschichten aber leben weiter, zumindest am Stammtisch.

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