Ausgleichsmaßnahme

Straßen NRW wertet Natur unter Ruhrbrücke in Wetter auf

Landschaftsbaugroßprojekt von Straßen NRW in Wetter: Als ökologische Ausgleichsmaßnahme für die 2011 freigegebene Ruhrbrücke (B226) gibt es  zwischen dem Ruhrtalradweg und dem Ufer neue Bäume, Sträucher und im Sommer einen Stall auf einer Warft für Kühe von der Weide

Landschaftsbaugroßprojekt von Straßen NRW in Wetter: Als ökologische Ausgleichsmaßnahme für die 2011 freigegebene Ruhrbrücke (B226) gibt es  zwischen dem Ruhrtalradweg und dem Ufer neue Bäume, Sträucher und im Sommer einen Stall auf einer Warft für Kühe von der Weide

Foto: Steffen Gerber

Wetter.   Als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der neuen Ruhrbrücke (2011) in Wetter pflanzt Straßen NRW dort neue Bäume und mehr an. Und baut einen Stall.

Wer baut und Eingriffe in der Natur vornimmt, muss das bekanntlich an anderer Stelle ausgleichen. Diese Art der Wiedergutmachung gilt natürlich auch für den Landesbetrieb Straßen NRW, der 2011 die neue Ruhrbrücke am Ortsausgang von Wetter für den Verkehr freigab. Dort gibt es aber eine kleine Besonderheit: Die ökologischen Ersatzmaßnahmen kann die zuständige Regionalniederlassung Südwestfalen direkt vor Ort unterhalb der B226 umsetzen.

Wer in den letzten Wochen am Flussabschnitt im Raum Oberwengern unterwegs ist, sieht immer wieder Bagger und Baugerätschaften. Zwischen der Overwegbrücke und den Kleingärten unterhalb des Gasballons ist der Landesbetrieb seit Anfang März aktiv, einige Meter weiter schließt die Bezirksregierung Arnsberg in Wengern noch die Renaturierung der Ruhr ab. „Wir haben uns zwar miteinander abgestimmt, es handelt sich aber um zwei verschiedene Baustellen“, sagt Ingenieur Christoph Geck von Straßen NRW beim Pressetermin am Ufer. „Die Aue hier profitiert aber von beiden Maßnahmen.“

Der Landesbetrieb kümmert sich mit der beauftragten Garten- und Landschaftsbaufirma Mennigmann um zehn Hektar unter der jüngsten Ruhrbrücke. Sichtbar sind bereits eingezäunte Neupflanzungen. Zu den 25 heimischen Hochstämmen gehören Eiche, Linde, Eberesche und Ahorn. Diese habe die Planer ebenso auf der Fläche verteilt wie 3000 Sträucher, die sich sowohl am Ruhrtalradweg wie auch auf der anderen Seite der Brücke befinden. Vier Strauchhecken als anvisierte Wohlfühloase für Vögel gehören ebenfalls zu diesem Landschaftsbaugroßprojekt. Zur Stärkung des Auenwaldes an der Ruhr setzten die Gärtner noch Weidengehölze. Ein knapp 1,3 Kilometer langer Zaun soll all dies dann neuerdings abgrenzen.

Vorteile für Kleintiere und Reptilien

Hinzu kommen zwei umgebaute und renaturierte Gräben, die durch ihren nun mäandernden Verlauf Kleintriere anlocken sollen. Nicht zu vergessen die sechs sogenannten Reptilienburgen an den Bahngleisen. In diesen trockenen Bauten aus Stein, Sand und Totholz sollen sich die seltenen Zauneidechsen und Artverwandte ansiedeln können. Diese entstehen nahe des Lagerplatzes, der seit Februar an der Oberwengerner Straße für die Baustelle eingerichtet ist. Die Zufahrt erfolgt von der Brücke über die mit Stahlplatten verstärkte Rampe. Warnbaken und Schilder weisen Radfahrer oder Fußgänger auf Beeinträchtigungen durch Bagger hin, der Weg für den Freizeitverkehr werde aber nie gesperrt.

Während die Pflanzarbeiten abgeschlossen sind, geht es nun an eine weitere Besonderheit, die manche an Friesland und an eine Hallig erinnern. Nahe des Ruhrtalradwegs entsteht im Schatten der Brücke eine Warft, also einen für Hochwasser geeigneten Hügel. Darauf baut der Landesbetrieb einen Stall. Denn abweichend vom ursprünglichen Plan hat sich Straßen NRW dazu entschieden, die Fläche unter der Brücke für eine extensive Beweidung zu nutzen. Eine entsprechende Vereinbarung über 15 Jahre mit einem örtlichen Landwirt liegt vor, dessen Kühe sollen den überdachten Unterstand ganzjährig nutzen. Dafür zahlt der Bauer Pacht an die Behörde und kümmert sich um das Gebiet.

Zusätzlicher Vorteil: Die Rinder fressen auch den dort wachsenden Riesenbärenklau (Herkulesstaude). Nachteil: Für eine befestigte Warft müssen Raupen große Bodenmassen bewegen. Der Aushub hat begonnen. Es geht um 4500 Tonnen Schotter, 2100 Kubikmeter davon sollen ein stabiles und 3,60 Meter hohes Fundament für die später zu gießende Bodenplatte und den Stall bilden. Dieser erhält nach einem entsprechenden Bauantrag des Landwirts einen Futtertisch, eine mit Grundwasser gespeiste Tränke, eine gepflasterte Liegefläche und soll auch als Rückzugsort für andere Tiere dienen. „Wir werden dort Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse einrichten“, sagt Geck und denkt etwa an Brutmöglichkeiten für Mehlschwalben.

Investitionen in Millionenhöhe

1,2 Millionen Euro kostet das großflächige Projekt insgesamt. „Ende Juli, Anfang August sollten alle Arbeiten abgeschlossen sein“, sagen Geschäftsführer Sebastian Mennigmann und Nils Hering als Bauleiter von der ausführenden Firma. Wie nebenan in Wengern und Bommern soll all das der Natur und dem Tierschutz zugute kommen. Ein Flussabschnitt mit zwei zeitgleichen Verbesserungen.

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