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Streit um Partys in der Villa Vera beschäftigt Gericht

Bärbel und Ulrich Fischer wohnen direkt neben der Villa Vera in Wetter. Sie fühlen sich durch die Feiern dort nicht gestört und hoffen, dass der Betreiber noch lange weiter machen kann.

Foto: Susanne Schlenga

Bärbel und Ulrich Fischer wohnen direkt neben der Villa Vera in Wetter. Sie fühlen sich durch die Feiern dort nicht gestört und hoffen, dass der Betreiber noch lange weiter machen kann.

Wetter.   Es gibt Nachbarn, die sich über die Gastronomie nebenan freuen. Ein Anwohner indes hat wegen Lärmbelästigung geklagt. Jetzt kämpft der Pächter.

Wer Villa Vera bei Google eingibt, bekommt den Treffer „Villa Vera – die neue Eventlocation in Wetter. Hier können Sie im stilvollen Ambiente feiern und extravagant tagen.“

Auf der Homepage werden Brunchtermine verkündet und die Räumlichkeiten für Hochzeitsfeiern angepriesen. Doch es ist unklar, ob noch lange im ehemaligen Offizierscasino gefeiert werden kann. Denn aus der Nachbarschaft hat es eine Klage gegeben. Der Grund: Lärmbelästigung durch die zahlreichen Feiern, die vor allem im Frühjahr und Sommer auch draußen stattfinden.

Gerichtstermin vor Ort

Bei einem Gerichtstermin vor Ort wurde zwar kein Urteil gesprochen, jedoch durch den Verwaltungsrichter festgestellt, dass die tatsächliche Nutzung des ehemaligen Offizierscasinos nicht mit den von der Stadt erteilten Genehmigungen übereinstimmt. Dabei gehen sowohl die Stadt als auch das Gericht davon aus, dass nur bis zu zehn große Feiern im Jahr stattfinden dürfen. Tatsächlich ist die Villa aber von Mai bis Oktober fast an jedem Wochenende ausgebucht.

Schon 2015 hatte es Anwohnerbeschwerden gegeben, weil bei Hochzeiten und Geburtstagen regelmäßig Feuerwerk gezündet wurde. Und auch Böller. Und genau das war so nicht genehmigt worden. In der Folge untersagte die Stadtverwaltung den Betreibern das Feuerwerk ganz. Die zahlreichen Hochzeiten und Partys an sich waren da noch kein Problem.

Verwunderung über Beschwerden

Ulrich und Bärbel Fischer wohnen direkt neben der Villa. Noch nicht lange, sie sind vom Harkortberg in die Stadt gezogen, um nicht mehr so weite Wege zu haben. Erst als neue Nachbarn haben sie die Villa quasi entdeckt, waren zum Brunch nebenan. „Das ist ein echtes Aushängeschild für unsere Stadt“, sind sie überzeugt, dass es nur wenig Orte in Wetter gibt, die überregional bekannt sind. „Wir sind immer ein wenig stolz, wenn man die vielen auswärtigen Kennzeichen sieht, die hier zum Beispiel bei Hochzeiten zusammenkommen“, sagt Ulrich Fischer. Zwei Jahre wohnt das Ehepaar nun neben der Villa Vera, vom Schlafzimmer aus können sie auf die Terrasse schauen. „Da hätten wir doch vom angeblichen Lärm etwas mitbekommen müssen“, schüttelt Bärbel Fischer den Kopf. Im Haus seien sich alle einig, dass die Veranstaltungen nebenan nicht stören. Und als sie ihre Unterschrift gegen die Villa geben sollten, haben sie abgelehnt. „Da hat bei uns im Haus niemand unterschrieben.“ Selbst bei geöffnetem Schlafzimmerfenster fühlen sich die Fischers abends und nachts nicht gestört. Und sie wundern sich, warum es von anderer Seite solch massive Beschwerden gibt. „Die angeblich gestörte Nachbarschaft wohnt mehr als dreimal so weit von der Villa Vera entfernt, und dazwischen steht noch eine große alte dichtbelaubte Rotbuche.“

Plan des Pächters

Peter Gruss ist Betreiber der „Hochzeits- und Eventlocation“ Villa Vera. Seit April 2014 hat er das außergewöhnliche Gebäude gepachtet. Anfangs hatte Gruss geplant, die Villa nur zu vermieten. Für Tagungen, Seminare und Familienfeiern. Um das Haus auch für die weitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen, kamen eigene Veranstaltungen wie der Sonntags-Brunch oder Silvesterfeiern dazu. „Dafür haben wir extra eine Konzession beantragt, die auch genehmigt wurde.“

Genau hier sieht er nun auch eine neue Chance. „Die Beschränkung auf zehn Veranstaltungen bezieht sich auf die von uns selbst angebotenen Events“, sagt Gruss, der nun seinerseits gegen die Beschränkungen durch die Stadtverwaltung klagen will. In einem Fall habe er schon mehrere tausend Euro zahlen müssen, weil nach dem Gerichtstermin noch eine Firmenveranstaltung im Haus stattgefunden habe.

Dabei habe er sich nach den ersten Beschwerden immer kooperativ verhalten. „Wir haben in Lärmschutz investiert, haben ein Raucherzimmer eingerichtet, damit die Menschen nicht auf die Terrasse gehen, und schicken alle Gäste um 22 Uhr ins Haus“, so Gruss.

Gäste müssen ab 22 Uhr drin bleiben

An einem lauen Sommerabend sei das für viele nicht zu verstehen, „zumal gegenüber in der Villa Vorsteher lange und laut gefeiert werden darf.“ Bei vielen seiner Gäste trifft die Regelung auf Verständnis: „Da die Villa in einem Wohngebiet steht, ist ab 22 Uhr draußen Ruhe angesagt. Es ist ein netter junger Mann draußen, der die Leute bittet, leiser zu sein“, heißt es in einer Bewertung. Doch es gibt auch Kritik: „Eine tolle Location! Super Personal. Aber: für Feiern überhaupt nicht geeignet. Ab 22 Uhr darf man das Gebäude nicht mehr verlassen. Stichwort Lärmbelästigung...“ Peter Gruss will um seine Existenz kämpfen. Und darum, dass seine Gäste bei ihm feiern dürfen. Und da gibt es viele, die das wollen. „Ich habe für 2019 und 2020 Anmeldungen“, sagt der Pächter. Wetters Bürgermeister Frank Hasenberg hofft auch darauf, dass es eine Lösung für die Villa gibt. Und setzt darauf, dass der Betreiber ein neues, genehmigungsfähiges und nachbarschaftsverträgliches Konzept vorlegt: „Unser Interesse ist, dass es funktioniert und auch für die Bürger zu nutzen ist. Die Villa ist ein bereicherndes gastronomisches Angebot in Wetter.“ Und die Fischers, die möchten gerne auch weiterhin nebenan frühstücken.

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