Freizeit

Such und hilf: Spürnasen proben in Volmarstein den Ernstfall

Gesucht, gefunden: Pauline stößt im Unterholz auf Claudia Thielmann-Holzmayer. Die Wetteranerin war beim Training der Rettungshundestaffel Wupper-Ennepe-Ruhr in die Rolle einer vermissten Person geschlüpft.

Gesucht, gefunden: Pauline stößt im Unterholz auf Claudia Thielmann-Holzmayer. Die Wetteranerin war beim Training der Rettungshundestaffel Wupper-Ennepe-Ruhr in die Rolle einer vermissten Person geschlüpft.

Foto: Max Kölsch

Wetter/  Die Wetteranerin Claudia Thielmann-Holzmayer trainiert in ihrer Freizeit bei der DRV-Rettungshundestaffel.

Wenn die Sinne des Menschen im Notfall nicht mehr ausreichen, kommen sie zum Einsatz: Rettungshunde. In unwegsamem Gelände können ihre Nasen vermisste Personen aufspüren.

Bis ein Tier und sein Halter aber für einen solchen Einsatz bereit sind, ist es ein langer Weg. Die Rettungshundestaffel Wupper-Ennepe-Ruhr des Deutschen Rettungshundevereins (DRV) bildet Teams in der Flächensuche, der Trümmersuche und im Mantrailing, also der gezielten Personensuche anhand von Geruchsmerkmalen der gesuchten Person, aus. Claudia Thielmann-Holzmayer aus Wetter ist Teil der Staffel. Mit ihrem Entenbuchler Sennenhund Cooper (5) trainiert sie derzeit die Flächensuche.

Es ist ein kalter Sonntagmorgen, als sich die Mitglieder der Rettungshundestaffel an einem Waldstück gegenüber des Berufsbildungswerks der Evangelischen Stiftung Volmarstein treffen. Gut zehn sind mit ihren Tieren gekommen. Auf dem Parkplatz besprechen sie den Ablauf des heutigen Trainings. Während Claudia Thielmann-Holzmayer den Part einer „Verstecksperson“ übernimmt, schlüpft Teamkollegin Katrin Wübbecke aus Gevelsberg in ihre gelb-orangefarbene Einsatzjacke. Danach zieht sie ihrer Hündin Pauline die Kenndecke an, ebenfalls gelb-orange. Darauf steht „DRV-Rettungshund“. Ein paar Glöckchen sind daran befestigt. So ist die Hündin während des Einsatzes gut zu hören.

Bis zu 150.000 Quadratmeter

Während Wübbecke und Pauline ein Stück in den Wald hineingehen, tropft leichter Regen durch die Baumwipfel. Staffel-Ausbildungsleiterin Susanne Lieverkus und Gerlinde Mörken, 2. Vorsitzende der Staffel, begleiten das Gespann. Gleich soll Pauline zwei Personen finden. Lieverkus grenzt das Gebiet ein. „Das Trainingsgelände misst 88.000 Quadratmeter“, weiß sie. In einer Realsuche, also einem echten Einsatz, müssten Hunde bis zu 150.000 Quadratmeter absuchen. Das liefe über einen ganzen Tag mit mehreren Pausen für die Tiere.

Katrin Wübbecke streut ein wenig Babypuder auf einen Ast in Bodennähe. So überprüft sie, woher der Wind auf Paulines Höhe weht, und kann die Hündin entsprechend ansetzen. Gegen den Wind kann sie die Witterung am besten aufnehmen. Mit einem „Klick“ löst sie Paulines Leine – eine sogenannte Befreiungsleine. „Such und hilf“, gibt Wübbecke das Kommando. Pauline läuft los. Wübbecke, Lieverkus und Mörken gehen hinterher.

Im Versteck entdeckt

Derweil sind Claudia Thielmann-Holzmayer und Heike Backhaus in die Rollen vermisster Personen geschlüpft. Heike Backhaus kauert auf dem Ast eines Baumes; Claudia Thielmann sitzt in einem anderem Teil des Waldes auf einer Decke im Unterholz. Lieverkus hat sie zuvor auf ihre Plätze verteilt. Pauline streift durch Gestrüpp, stürmt Hänge hinunter. Immer wieder bleibt sie stehen, läuft dann wieder weiter. Die Hündin ist beinahe außer Sichtweite, als ihr lautes Bellen durch den Wald schallt. Sie hat Claudia Thielmann in ihrem Versteck entdeckt. Keine zehn Minuten hat es gedauert. Pauline bellt weiter, bis Katrin Wübbecke bei ihr ist. Dann gibt es ein Leckerchen von Claudia Thielmann-Holzmayer und viel Lob von Frauchen. Wiederum keine zehn Minuten später ist auch Heike Backhaus auf ihrem Baum gefunden. Die Suche ist beendet. Gemeinsam geht die Gruppe zurück zum Anfang des Waldes, wo Gerlinde Mörken ihre Hündin Angie (9) für die nächste Einheit bereitmacht.

Such- und Trümmerarbeit

Zwischen zwei und drei Jahren dauert die Ausbildung eines Rettungshundes. Sie beinhaltet Such- und Trümmerarbeit. Dazu kommen die Gewöhnung an Rauch, Feuer, Lärm und Gerätearbeit. Rettungshundeführer werden unter anderem ausgebildet in Erste Hilfe Mensch und Hund, Hundekunde, Trümmerkunde, Funkverkehr und dem Gebrauch von Karten und Kompass. Die Teams müssen sich regelmäßigen Prüfungen zur Bestätigung ihrer Einsatzfähigkeit unterziehen. Claudia Thielmann-Holzmayer und Cooper gehören seit zweieinhalb Jahren zur Rettungshundestaffel: „Den Wesens- und Eignungstest hat Cooper im September 2018 bestanden; ebenso eine Vorprüfung mit kleiner Suche. Für Herbst planen wir die Teilnahme an der großen Hauptprüfung. Sie ist wichtig, um überhaupt in den Einsatz gehen zu können.“

Zehn Stunden Training

Trainiert wird in der Regel jeden Sonntag für mehrere Stunden, um für den Ernstfall zu üben – oft am BBW, am ehemaligen Demag-Verwaltungsgebäude im Ostholz sowie in Hagen, Remscheid und anderswo. Dazu kommen Gehorsamsübungen am Freitag. Alle zwei Wochen wird Theorie gepaukt. Zehn Stunden in der Woche sollten sich Staffel-Mitglieder also freihalten.

Susanne Lieverkus betont zudem: „Wir sind an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden kostenfrei verfügbar.“ Claudia Thielmann-Holzmayer, Geschäftsführerin eines Weiterbildungsinstituts in Hagen, weiß sehr wohl, dass das Hundetraining zeitintensiv ist, dennoch „ist es ein tolles Hobby und zudem eines, mit dem man etwas Gutes tun kann“.

Auf Spenden angewiesen

Rettungshundearbeit ist eine ehrenamtliche, gemeinnützige Tätigkeit. Sämtliche Kosten und Aufwendungen für Ausrüstung, Kleidung, Aus- und Weiterbildung, Funkgebühren und Fahrtkosten werden von der Rettungshundestaffel Wupper-Ennepe-Ruhr selbst getragen. Die Staffel ist aus diesem Grund auf Spenden angewiesen.

Die Staffel braucht auch stets neue Gelände, um die Suche nach Vermissten oder die Unterordnung mit den Hunden trainieren zu können. Geübt wird in Wäldern, auf Wiesen, Industriebrachen oder Trümmergeländen.

Wer die Arbeit der Rettungshundestaffel unterstützen oder sich einen Eindruck vom Training machen will, kann sich bei
Susanne Lieverkus unter 0171/38 506 45,
susanne@drv-wer.de, melden.

Die Alarmierung der Staffel läuft über 0700/27 27 29 29

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