100 Jahre VHS

Süssmuth in Witten: Volkshochschule keine Randerscheinung

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth hielt am Samstag (7.9.) die Festrede zum 100-jährigen Bestehen der VHS Witten/Wetter/Herdecke.

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth hielt am Samstag (7.9.) die Festrede zum 100-jährigen Bestehen der VHS Witten/Wetter/Herdecke.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Witten.  Die VHS Witten/Wetter/Herdecke zeigte sich zum 100. lebendiger denn je. Eine auch nicht mehr ganz junge prominente Festrednerin gratulierte.

Klassische Klänge zu Beginn, Partystimmung zum Abschluss – die VHS Witten/Wetter/Herdecke hat am Samstag (7.9.) ihren 100. Geburtstag gefeiert. Auf dem Parkplatz der Volkshochschule an der Annenstraße eröffnete das Sinfonische Orchester der VHS die Jubiläumsveranstaltung vor vollem Haus, darunter viel Wittener Prominenz aus Politik, von Organisationen, Verbänden und Vereinen.

„Ich freue mich, dass so viele Leute gekommen sind. Das zeigt, dass Volkshochschule keine Randerscheinung ist“, sagte der wohl bekannte Gast an diesem Mittag, die ehemalige Bundesministerin und Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (82). Die Unionspolitikerin ist Ehrenvorsitzende des Bundestagsverbands der Volkshochschulen. Die VHS sei heute noch genauso wichtig wie früher, sagte sie als Festrednerin. Es gelte, Wissen verständlich zu vermitteln. „Die Leute müssen uns verstehen“, so die einstige Familienpolitikerin in der Regierung Kohl. Sie schlug auch einen Bogen zur Wittener Uni. Exzellenzforschung müsse es ebenfalls geben. Vor ihr hatten schon Bürgermeisterin Sonja Leidemann, VHS-Verbandsvorsteher Frank Schweppe und VHS-Direktorin Bettina Sommerbauer Grußworte an die Besucher gerichtet.

Dass Redebeiträge ziemlich hungrig machen können, stellten anschließend lange Schlangen an den Essensständen unter Beweis. Kinder konnten sich schminken lassen und basteln. Man konnte sich mit neckischen Brillen und Hüten fotografieren lassen und es gab Führungen durchs Gebäude. Die braucht Margit Hohlweck nicht mehr, denn sie ist ein echter „VHS-Profi“.

Als Rentnerin will sie es vielleicht mal mit Klöppeln versuchen

„Ich habe in den Siebzigerjahren Kochkurse besucht, in den Achtzigern Computerkurse“, erinnert sich Hohlweck. Die Wittenerin hat auch Malen, Stenografie und Schreibmaschinenschreiben bei der Volkshochschule gelernt. „Wenn ich darüber nachdenke, war ich fast mein ganzes Leben mit der VHS in Kontakt“, sagt sie. Und sie will es auch bleiben. „Bald bin ich Rentnerin. Vielleicht versuche ich es dann mal mit Klöppeln.“

Zu den Dozenten zählt Pascal Karpowicz. Seit zwei Jahren unterrichtet er Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. „Ich wollte auf jeden Fall in Heimatnähe bleiben. Aber als Lehrer war es damals schwierig, in der Nähe einen Job zu finden“, sagt der Pädagoge. „Die VHS ist eine gute Alternative zur normalen Schule und es ist ein sehr angenehmes Arbeitsklima.“

Zum runden Jubiläum durfte natürlich auch eine entsprechende, 270 Seiten starke Festschrift nicht fehlen. Dafür wurde tief ins Archiv gegriffen. „Die ersten Ordner stammen aus dem Jahr 1919 und fallen schon auseinander“, sagt VHS-Chefin Bettina Sommerbauer. Sie hat Dietrich Thier mit ins Boot geholt, Historiker und ehemaliger Stadtarchivar von Wetter.

„Learning by burning“: Wissenschaftsshow mit den Physikanten

Und wenn die VHS feiert, ist selbstverständlich auch Lernen gesagt,, in diesem Falle mit einem kräftigen Augenzwinkern. Bei ihrer Wissenschaftsshow „Learning by burning“ ließen es die „Physikanten“ mit Sunga Weineck und Professor Dr. Otto Liebermann richtig krachen. Mit einem lauten Knall implodierte ein Ölfass. Es wurde mit flüssigem Stickstoff experimentiert und die Besucher erfuhren, dass ein Laserstrahl nicht beim Lesen hilft. Als Höhepunkt ließen die Physikanten Strom durch Kinder fließen, die danach alle glücklicherweise wieder gesund von ihren Eltern in Empfang genommen werden konnten.

Zum Abschluss betrat Saxofonist und Klarinettist Wolf Codera die Bühne. Begleitet wurde er von Sängerin Tamara Bencsik (Serbien), Schlagzeuger Maurice London (USA), und DJane „Elle“ (Ukraine), die an den Plattentellern Gitarre, Bass und Keyboards ersetzte. Mit funkiger und grooviger Musik zog die Band die Besucher gleich vom ersten Ton an in ihren Bann. Und nachdem Wolf Codera die anwesenden Vhs-Mitarbeiter auf die Bühne gebeten hatte, tanzten die zur Live-Musik. 100 Jahre VHS, wenn das kein Grund zum Feiern ist.

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