Handel

Syrer geht, Wetter-Market bleibt

Ahmad Algahanem (rechts, hier mit dem Kunden Shiar Ibrahim) führt seit Anfang November den Wetter-Market in der unteren Königstraße und will das Sortiment noch erweitern.

Ahmad Algahanem (rechts, hier mit dem Kunden Shiar Ibrahim) führt seit Anfang November den Wetter-Market in der unteren Königstraße und will das Sortiment noch erweitern.

Foto: Elisabeth Semme

Wetter.   Nach Brandanschlag und großer Hilfsaktion: Mohammad Ahmad gibt das Lebensmittelgeschäft in der Königstraße auf. Ahmad Algahanem übernimmt.

Kein halbes Jahr nach dem Brandanschlag auf seinen Wetter-Market in der unteren Königstraße hat der Syrer Mohammad Ahmad das Lebensmittelgeschäft in der unteren Königstraße aufgegeben. Die Beweggründe des 35-Jährigen zur Aufgabe des Geschäfts sind nicht bekannt.

Rückblick: Mitte April eröffnet der Syrer, der vor über zwei Jahren schon mit fünf Kindern und Frau aus seiner Heimat nach Deutschland geflüchtet war, den Wetter-Market für Obst, Gemüse und orientalische Lebensmittel. Keine vier Wochen später, am 14. Mai, rückt nachts um halb drei die Feuerwehr in der unteren Königstraße an: Unbekannte Täter hatten sich Zugang zu dem Laden verschafft und an zwei verschiedenen Stellen Regale in Brand gesetzt. Da die Polizei ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausschließt, übernimmt der Staatsschutz der Hagener Kripo die Ermittlungen.

Auf diesen Brandanschlag reagieren die Bürger in Wetter mit großer Betroffenheit und noch größerer Hilfsbereitschaft. „Nach dem Anschlag haben wir aufgerufen zu helfen, und die Resonanz war sehr beeindruckend“, sagt Edda Sichelschmidt vom Verein „Wir in Wetter“. Privatleute, Kinder, Kirchengemeinden und Vereine hätten gespendet. „Die Wetteraner haben sich wirklich vorbildlich verhalten, und die Betroffenheit unter den Bürgern war sehr groß. Mit ihrer Unterstützung wollten die Menschen nicht nur finanziell helfen, sondern sich auch solidarisch zeigen “, so Edda Sichelschmidt weiter. Dabei hätten die Menschen den Einzelhändler nicht nur mit Geld, sondern auch mit helfenden Händen unterstützt – etwa als es galt, das vom Feuer zerstörte Inventar aus dem Ladenlokal zu räumen.

In der ersten Zeit nach dem Brandanschlag habe die ganze Familie unter Schock gestanden. Die Hilfsbereitschaft der Wetteraner habe ihnen überhaupt erst den Mut gegeben, einen Neuanfang zu wagen, der ohne diese Unterstützung undenkbar gewesen sei.

Mit den Spendengeldern habe die Versorgung der siebenköpfigen Familie in den ersten Monaten sichergestellt werden können. Auch habe die Zeit überbrückt werden müssen, in der der Laden wegen laufender Ermittlungen von der Polizei vollständig gesperrt war, so Edda Sichelschmidt.

Treue Kunden

„Zum Zeitpunkt des Anschlags haben wir als Verein die Möglichkeit gehabt zu helfen. Wir wissen nicht, warum er das Geschäft abgegeben hat“, sagt Cathrin Zeller vom Verein „Wir in Wetter“. Auch als Mohammad Ahmad sein Geschäft wiedereröffnet, helfen die Wetteraner weiter – indem sie sich als treue Kunden erweisen. Auf deren Treue baut nun auch der neue Ladenbesitzer. Ahmad Algahanem kommt ebenfalls aus Syrien und wohnt derzeit noch in Wuppertal. Er habe das Geschäft von Mohammad Ahmad gekauft und mit dem Vermieter einen neuen Vertrag abgeschlossen. Kontakt zum Vorbesitzer habe er nicht. Auf die Frage, ob er wisse, was der nun vorhat, beantwortet der 28-Jährige mit einem Kopfschütteln.

In seiner Heimat arbeitete Ahmad Algahanem als Elektromechaniker für Lkw. Vor zweieinhalb Jahren floh er nach Deutschland und spricht – anders als Mohammad Ahmad – auch schon so gut Deutsch, dass man sich mit ihm unterhalten kann. Der 28-Jährige jobbte u.a. bereits bei McDonalds. Nun wagt er mit dem Wetter-Market den Schritt in die Selbstständigkeit. Das Sortiment aus frischem Obst, Gemüse, Fleisch und orientalischen Lebensmitteln will Ahmad Algahanem noch erweitern. Die Öffnungszeiten bleiben unverändert. In einigen Wochen will der junge Syrer vielleicht nach Wetter ziehen. Denn aktuell kommt er täglich noch mit Bus und Bahn, um seine Kunden zu bedienen.

Auch die Redaktion findet aktuell keinen Kontakt zu Mohammad Ahmad.

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