Soziales

Teilhabe in Wetter: Weit voran, weiter viel zu tun

Großer Aktionstag kürzlich auf dem Markt vor dem historischen Bahnhof: Schüler haben eine Mauer aufgebaut und tragen sie wieder ab. Menschen mit Behinderungen begegnen Menschen ohne Behinderungen.

Großer Aktionstag kürzlich auf dem Markt vor dem historischen Bahnhof: Schüler haben eine Mauer aufgebaut und tragen sie wieder ab. Menschen mit Behinderungen begegnen Menschen ohne Behinderungen.

Foto: Klaus Görzel

Wetter.   Vor zehn Jahren wurde es ernst mit der Umsetzung der Behindertenkonvention. Was wurde gewonnen? Eine Veranstaltung im Frauenheim gibt Antwort.

Die Vereinten Nationen sind weit weg. Seit zehn Jahren wirkt ein Beschluss aus New York aber auch in Wetter an der Ruhr. Hier ist die Behindertenkonvention sogar so gut verstanden worden, dass Wetter immer wieder als Beispiel für gelungene Teilhabe gilt und hier auch weiter am Ball bleiben will, für alle Menschen, behinderte wie nichtbehinderte.

„Man darf sich nicht entmutigen lassen, Inklusion ist ein langer Weg“, hat Bürgermeister Frank Hasenberg jetzt gesagt. Da war eine Veranstaltung im Frauenheim in Wengern schon so gut wie vorbei. Um Erfolge in den letzten zehn Jahren mit Behindertenkonvention ging es dabei, und um Wünsche der Betroffenen. In diesem Fall waren das die Bewohnerinnen und Bewohner des Frauenheims. Fast 50 von ihnen waren in der Caféteria zusammen gekommen. Erst hörten sie zu, dann kam von ihnen eine Anregung nach der anderen.

Bauspielplatz bringt zusammen

Viel haben die Wetteraner erreicht, sagte der Bürgermeister nicht ohne Stolz. Und Margot Wiese, Fachbereichsleiterin für Soziales bei der Stadtverwaltung, stellte fest: „Man kann für Menschen mit Behinderungen viel machen. Beispiel: Inklusiver Bauspielplatz.“ Seit Jahren gibt es dieses Angebot für Kinder mit Behinderungen und für solche ohne. Und seit Jahren auch gibt es Veranstaltungen in der Stadt, bei der sich die Menschen, so wie sie sind, begegnen können. Gerade erst haben Schüler vor dem Bahnhof eine hohe Mauer aus Pappwürfeln aufgetürmt und dann wieder abgetragen. Das war symbolisch gemeint: In der Stadt, aber auch in den Köpfen der Menschen, sollen Barrieren abgebaut werden.

Drei Partner haben sich für den Aktionsplan „Menschengerechte Stadt“ gefunden: Die Stadtverwaltung, die Evangelische Stiftung Volmarstein und das Frauenheim in Wengern. Leiterin Edelgard Spiegelberg moderierte das Gespräch, das auch von den Bewohnern geprägt wurde. Claudia Kockskämper, Vorsitzende des Bewohnerbeirates beispielsweise, freute sich über ihren Umzug vom ländlichen Esborn ins zentrale Schöntal. „Für mich bedeutet das eine höhere Lebensqualität: Ich gehe selbst zur Sparkasse, in die Apotheke oder ins Kino.“ Und doch bleibt Platz für Wünsche: „Bei Veranstaltungen ist es wichtig zu wissen, ob es einen Aufzug oder eine Treppe gibt“, sagt Claudia Kockskämper. Und Benjamin Klaucke von Werkstattrat ergänzt: „Ich wünsche mit mehr einfache Arbeiten. Menschen sollen Maschinen ersetzen.“

Rolli-Fahrer sollen dabei sein

Wünsche haben auch die Männer und Frauen im Publikum. Eine andere Bewohnerin aus dem Schöntal klagt über die missliebigen Blicke bei einem der Händler in der Stadt: „Wir werden angesehen, als wenn wir klauen wollten.“ Doch die meisten Geschäftsleute seien nett. Ein Bewohner in Esborn hätte gerne eine Fußgängerampel über die Osterfeldstraße vor Penny. Hier ist bereits ein Mensch gestorben. Und ein Mitbewohner hätte gerne eine Bank für eine Verschnaufpause auf dem Fußweg zum Frauenheim. „Wird sich machen lassen“, so der Bürgermeister. Auch für Stadtrundfahrten, an denen Rolli-Fahrer im Bus mitfahren können, will er sich einsetzen.

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