Gericht

Vater aus Herdecke schlägt Sohn (10) mit dem Gürtel

Der Angeklagte lässt im Gericht keinen Zweifel daran, dass er mit dem Urteil nicht einverstanden ist.

Der Angeklagte lässt im Gericht keinen Zweifel daran, dass er mit dem Urteil nicht einverstanden ist.

Foto: imago stock&peopl

Herdecke.  Das Verhalten seines Sohnes missfiel dem Herdecker. Weil Verbote und Ermahnungen nicht fruchteten, schlug er den Zehnjährigen mit dem Gürtel.

Verbote und Ermahnungen fruchteten nicht, also griff ein Herdecker zu einer anderen Methode, um seinen Sohn (10) zu „erziehen“. Er nahm einen Gürtel und schlug zu. Das brachte ihm nun ein Verfahren wegen Körperverletzung ein. Vor dem Amtsgericht Wetter sah der 42-Jährige allerdings nur bedingt ein, mit den Schlägen etwas falsch gemacht zu haben.

Zu viel Zeit vor der Spielekonsole

Die Schulnoten entsprachen nicht den Vorstellungen des Vaters, viel zu viel Zeit verbrachte der Sohn mit der Spielekonsole und, so sah er es zumindest, das Benehmen ließ zu wünschen übrig. In dieser Situation wurde der Mann gewalttätig und versetzte dem Jungen Schläge mit einem Gürtel auf die Oberschenkel. Das Kind beklagte danach Schmerzen, weinte, und es war der 42-Jährige offenbar selbst, der die Polizei verständigte. Mit Folgen.

„Das ist maßlos übertrieben“, kommentierte der Herdecker nun im Prozess den Anklagevorwurf. Er habe nicht etwa mit einem massiven Ledergürtel gehauen. Vielmehr sei es ein dünner Stoffgürtel gewesen. Und getan habe er das nur, weil sein Sohn etwas hätte merken sollen. Seine Frau, von der er getrennt lebt, kümmere sich nicht um die Kinder, und die hätten zuhause gemacht, was sie wollten. Überhaupt sah er in seiner künftigen Ex-Gattin die Hauptschuldige. Die habe den Jungen quasi gegen ihn aufgehetzt, und der habe den „Handlanger“ für sie gespielt. Was die Schmerzen betreffe, habe das Kind ein wenig geschauspielert. Der Zehnjährige habe ihn sogar beleidigt. Aber: „Das ist mein Sohn, den liebe ich über alles.“

Angeklagter zeigt Reue

Richter Janbernd Wessel verschlug es fast die Sprache. Das alles sei kein Grund, den Jungen zu schlagen. „Es ist ganz egal, was er macht. Es ist nur die Frage, wie man reagiert.“ Und es handele sich um eine Körperverletzung, wenn der Zehnjährige Schmerzen gehabt hätte. Auch seien die Vorwürfe, die der Herdecker gegen seine Noch-Frau erhebe, in diesem Verfahren nicht relevant. „In dem Fall sitzen Sie hier, weil sie etwas falsch gemacht haben.“

Der Angeklagte gab zwar zu, dass die Schläge nicht der richtige Weg gewesen seien und erklärte, dass er das Ganze bereue. Gleichzeitig beklagte er sich aber auch darüber, dass ihn im Gerichtssaal niemand verstehe. Er sah sich als Opfer, und der Eindruck verstärkte sich, als er zu 40 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt wurde. Direkt nach der Verkündung des Strafmaßes betonte der 42-Jährige: „Ich kann das nicht bezahlen.“ Auch ließ er keine Zweifel zu, mit diesem Urteil nicht einverstanden zu sein. Offen blieb aber, ob er tatsächlich Rechtsmittel dagegen einlegt.

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