Brandruine

Villa Renckhoff wird nach Feuer im Dezember nun abgerissen

Herdecke.   In Herdecke brannte im Dezember die Villa Renckhoff aus. Das denkmalgeschützte Gebäude wird nun abgerissen, der Neubau ist in Planung.

Das Gefühl bei dem Gedanken an das verheerende Feuer kann Gert Renckhoff mit einem Wort zusammenfassen: „schlecht.“ Der 2. Dezember 2016 löst sowohl in der betroffenen Familie als auch bei vielen Herdeckern immer noch Emotionen aus. An diesem schwarzen Freitag brannte in der Goethestraße 10 eines der schönsten Häuser der Stadt komplett aus. Was sich jeder denken konnte, ist nun Gewissheit: Bagger reißen in den nächsten Tagen die Mauern nieder. Damit dort ein neues Wohnhaus mit Arztpraxis entstehen kann.

Die ersten fünf und die vergangenen 48 Jahre seines Lebens verbrachte Gert Renckhoff in der so genannten Kotelett-Villa, die sein Urgroßvater, der Metzger Friedrich Rosenkranz, 1901 als Altersruhesitz bauen ließ. Nach einem Umbau zog der Mathematiker 1968 mit seiner Frau dort ein. 1974 eröffnete Rosemarie Renckhoff im Erdgeschoss ihre Augenarztpraxis, die drei Kinder (allesamt Mediziner) wuchsen dort auf. Seit 2006 ergänzte ein Anbau das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, in dem die Familie u.a. viele Bücher, zwei Flügel, zahlreiche Fotos des leidenschaftlichen Knipsers Gert Renckhoff und gemalte Bilder seiner Frau aufbewahrte.

Holz-Verkleidung facht Feuer an

Bis zu jenem Morgen, als Renckhoff gegen 7.15 Uhr Rauch an der hintersten Tür der Praxis wahrnahm. Wegen des Qualmes näherte er sich von außen der Teeküche im Anbau. „Um keinen Sauerstoff eindringen zu lassen, habe ich die Tür aber geschlossen gehalten.“ Dann breitete sich das Feuer, so schildert es der 74-Jährige jetzt, „sagenhaft schnell“ aus. Hölzerne Vertäfelungen, Decken, Geländer und viele Gegenstände aus der Inneneinrichtung beförderten dies.

Zum Glück kamen alle Patienten, die Renckhoffs und Mitarbeiter heil heraus. Ohne ernsthafte Verletzungen, aber mit einigen psychischen Folgen. Die Familie ist seither bei langjährigen Freunden untergekommen und dafür sehr dankbar. Doch die Gedanken hören nicht auf. Gert Renckhoff fragt sich oft: „Was hätten wir tun können, um das zu verhindern?“

Anhaltspunkt sollte das Brandgutachten des Sachverständigen liefern. Gert Renckhoff kennt nur die Zusammenfassung, die keine endgültige Klarheit bringt. Sieben mögliche Ursachen für den Ausbruch des Feuers sind darin aufgeführt. Etwa ein eingeschaltetes Ceran-Feld, was der Herdecker aber ausschließt. „Das hätte ich gesehen, als ich am Morgen noch in der Küche war. Ich bin sicher, dass da Geräte wie Herd oder Kaffeemaschine ausgeschaltet waren. Ich habe nämlich eine wahnsinnige Angst vor Feuer.“

Aufgrund eines früheren Gesprächs mit einem Elektriker äußerte Renckhoff die Vermutung, dass am Kühlschrank sich ein Kabel entzündet haben könnte. „Das verneint der Gutachter. Auch Tiere wie Mäuse können Stromleitungen anknabbern, das wurde aber nicht thematisiert. Wir werden es wohl nie endgültig erfahren, wie der Brand entstand.“ Die Versicherung kam zu dem Schluss, dass niemand schuld habe und grobe Fahrlässigkeit bzw. eine unsachgemäße Bedienung eines Geräts auszuschließen sei.

Im Zuge des Anbaus vor mehr als zehn Jahren schaute sich ein Brandschutzsachverständiger im Auftrag des EN-Kreises das Haus an und forderte Nachbesserungen. „Diese habe wir erfüllt, die Stadt hat damals die Fertigstellung abgenommen“, sagt Architektin Jutta Gentgen, die damals den neuen Teil plante und auch den Zuschlag für den Wiederaufbau nach dem jetzt anstehenden Abriss bekam.

„Für mich als Laie war schnell klar, dass hier nichts mehr zu retten ist, das bestätigte ein Sachverständiger der TU Dortmund. Im zerstörten Hausinneren ist immer wieder was heruntergefallen“, sagt Renckhoff. Gentgen ergänzt, dass neben wirtschaftlichen Zweifeln auch die Arbeit in den einsturzgefährdeten Räumen nicht zu verantworten sei.

Neubau mit Turm und Wintergarten

Also geht der Blick voraus. Die Abrissfirma kann nun loslegen. Vom Parkplatz aus soll bis Mitte August der Abbruch erfolgen. Die eingerichtete Rampe soll als Weg für das neue Haus bestehen bleiben. Auf dem Keller entstehen in L-Form drei Etagen. Auch bekannte Elemente will Gentgen auf Wunsch der Familie einbauen, farblich sollen Erinnerungen hochkommen. „Wir bauen wieder ein Türmchen und einen Wintergarten. Den Haupteingang zur Praxis im Erdgeschoss versetzen wir nach hinten.“

Dort will auch die 74-jährige Rosemarie Renckhoff wieder als Augenärztin (plus Akupunktur) tätig werden. „So wollte sie nicht aufhören“, sagt ihr Mann, der auf einen Einzug in den beiden oben gelegenen Wohnetagen im Herbst 2018 hofft und eines noch loswerden möchte: „Vielen Dank an alle, die uns unterstützt und Anteil genommen haben. Für uns ist gut zu sehen, dass es jetzt weiter geht und wir neu anfangen können.“