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Warum in Wetter jetzt schon Weihnachtsbäume verkauft werden

Iris Reschop kann es auch noch nicht ganz glauben, dass sie die ersten Weihnachtsbäume schon bei über 30 Grad verkauft hat.

Iris Reschop kann es auch noch nicht ganz glauben, dass sie die ersten Weihnachtsbäume schon bei über 30 Grad verkauft hat.

Foto: Yvonne Held

Volmarstein.   Sommer, Sonne, Weihnachtsbaum – passt nicht? Warum bei einer Baumhändlerin aus Volmarstein schon jetzt der erste Kunde auf der Matte stand.

Assoziationen zu diesem derzeitigen Wetter beinhalten wahrscheinlich einiges – Cocktails, Sonne, Strand, Wasser. In der Aufzählung dürfte eines jedoch fehlen: Weihnachtsbäume.

Für Iris Reschop von Hof Hinnebecke ist der Kontakt zum Immergrün auch im Sommer nichts Ungewöhnliches. Schließlich verkauft sie Weihnachtsbäume. Dass aber bereits jetzt die ersten Kunden einen Baum kaufen, das hat selbst die erfahrene Tannenexpertin noch nicht erlebt.

Weihnachtsbäume für Werbezwecke

„Vor zwei Wochen haben wir nachts eine Mail bekommen, in der jemand nach acht Tannenbäume fragte, die er sofort bräuchte“, berichtet Reschop. Sie antwortete direkt, so kamen die Mailschreiberin und sie ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die Weihnachtsbäume dringend für Werbezwecke gebraucht wurden. Wer weihnachtliche Stimmung auf Produktfotos oder Werbefilmen herbeizaubern will, braucht eben Tannen. „Ich bin dann in die Schonung gelaufen, habe die Bäume, die infrage kamen, fotografiert und sie per Mail geschickt“, sagt Reschop.

Danach ging alles sehr schnell. Ihr Mitarbeiter auf dem Hof Hinnebecke traute seinen Ohren zwar nicht, als die Chefin ihn bat, seine Schnittschutzhose mitzubringen, weil sie Weihnachtsbäume schlagen müssten, aber nach einer kurzen Erklärung wunderte auch ihn nichts mehr.

Familienevent Baum schlagen

Sieben Tannen, die zunächst gefordert waren, wechselten von der sommerlichen Schonung ins Werbestudio, doch anscheinend musste noch einmal nachgebessert werden. Eine achte Tanne musste her. „Ein junger Mann kam, und da in der Zeit niemand da war, der ihm helfen konnte, sägte er selbst“, berichtet Reschop. Und das mit vollem Einsatz und auf dem Boden liegend, aber mit Erfolg.

Ganz so engagiert sind die Familien, die in der Adventszeit sonst auf den Hof kommen, nicht unbedingt, aber es ist eine gewisse Tendenz da, wie Reschop lächelnd berichtet. „Wenn wir Familien hier haben und fragen, ob sie selbst sägen wollen, nicken die Kinder und die Frau meist ganz begeistert, während die Väter eher ablehnend den Kopf schütteln“, sagt Reschop. Das kann sie gut verstehen, denn gerade die Stämme der Tannen sind bis zum Winter ziemlich hart.

Die jetzigen Temperaturen hingegen scheinen den Bäumen nicht viel auszumachen. „Wir gießen sie nicht, sie bekommen Wasser, wenn es regnet“, so Reschop. Lediglich die Jungbäume, die erst im September gepflanzt wurden, haben die Hitzewelle nicht alle überlebt. Aber das gehört eben dazu. „Die kommen jetzt raus und wir pflanzen per Hand nach“, sagt Reschop.

Arbeit über das Jahr verteilt

Generell haben die Mitarbeiter auf dem Hof Hinnebecke über das ganze Jahr verteilt viel zu tun. Im September werden jedes Jahr die kleinen Tannen gepflanzt. Die dreijährigen Pflanzen müssen unten beschnitten werden. Doch durch die Verletzung der Rinde, die dabei zwangsläufig geschieht, wachsen die Bäume anschließend umso schneller, also müssen sie jedes Jahr im Frühjahr mit einer Spezialzange geritzt werden.

Jeder einzelne Baum muss dafür mit der Drei-Klingen-Zange in der Hand angegangen werden. Bei fünf Hektar Tannenschonung keine so leichte Aufgabe. Anschließend gilt es, die Bäume in Form zu bringen, damit auch jeder Kunde im Winter seinen Wunschbaum bekommen kann.

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