Wohnen

Wetter fehlen alternative Wohnangebote für ältere Menschen

Die Topographie macht vielen Senioren in Wetter zu schaffen. Sie ziehen laut Gutachten in andere Städte.

Die Topographie macht vielen Senioren in Wetter zu schaffen. Sie ziehen laut Gutachten in andere Städte.

Foto: Ole Spata / dpa-tmn

Das Büro Dr. Jansen GmbH hat ein Gutachten für ein Handlungskonzept Wohnen erstellt. Es zeigt auf, wo welcher Wohnraum fehlt.

Wetter Die Bevölkerungszahlen in Wetter schrumpfen. Das ist eine Aussage, die sich aus dem Gutachten ergibt, dass das Kölner Büro Dr. Jansen GmbH im Auftrag der Stadt erstellt hat. Es soll die Grundlage für ein Handlungskonzept Wohnen bilden.

Dipl.-Kauffrau Claudia Bargmann stellte in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs-, Wirtschaftsförderungs- und Bauausschusses die Zahlen vor. Demnach lebten 2018 noch 27.903 Menschen im gesamten Stadtgebiet. Die meisten Einwohner hat demnach der Ortsteil Volmarstein mit 11.956, gefolgt von Alt-Wetter (8047) und Wengern (6321). In Esborn leben 1579 Menschen. Im NRW-Vergleich zeigt sich damit in Wetter ein negativer Trend. Für Bargmann ein Grund, sich die Zahlen genauer anzusehen.

„In der Altersspanne zwischen 30 und 50 Jahren haben wir viele Zuzüge, auch bei den unter 18-Jährigen“, sagt sie. Ein Hinweis darauf, dass viele junge Familien mit Kindern den Weg in die Stadt finden. Diese Altersgruppe würde verstärkt Eigenheime, also Ein- oder Zweifamilienhäuser suchen. Anders hingegen sieht es bei der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen aus. Sie ziehen aus Wetter weg. „Das ist aber absolut normal. In dieser Altersgruppe steht die erste Wohnung aufgrund von Studium oder Ausbildung an“, erläutert Bargmann.

Verstärkter Wegzug

Handlungsbedarf sieht sie jedoch bei den über 50-, beziehungsweise über 65-Jährigen. Sie bilden die Gruppe, die verstärkt aus der Stadt wegzieht. „Das hat vermutlich auch topographische Gründe“, sagt Bargmann. Die meisten würden in die Nachbarstädte nach Witten, Herdecke und Bochum gehen.

Da die Babyboomer-Generation (Geburtenjahrgänge zwischen 1955 und 1965) ebenfalls so langsam in diese Gruppe passen, kann es sein, dass die Wegzüge in den kommenden Jahren verstärkt werden. Doch was haben die anderen Städte, was Wetter fehlt? Allein an der Topographie kann es nicht liegen, denn auch Herdecke und Witten haben eine ähnliche Berg- und Tallage. „Menschen in dem Alter wollen häufig vom inzwischen zu groß gewordenen Eigenheim auf dem Land zurück in die Städte und Zentren“, weiß Bargmann. Sie würden dann häufig kleinere Wohnungen oder Häuser suchen, ziehen mit ihren Familien zusammen oder ins betreute Wohnen.

Die Reaktion der Ausschussmitglieder auf diese Nachricht ist eher verblüfft. Dr. Peter Zinn (SPD) meint: „Das überrascht mich jetzt doch. Alle Menschen in dem Alter, die ich kenne, und als SPD-Vorsitzender kenne ich viele, wollen lieber in ihren Häusern bleiben – am liebsten bis zum Tod.“ Claudia Bargmann nickt, bekräftigt aber, dass die Zahlen etwas anderes aussagen.

Angebot und Nachfrage eventuell nicht deckend

Das Büro Dr. Jansen GmbH überprüfte im Zuge des Gutachtens auch den derzeitigen Wohnbestand. Die Zahlen belegen, dass die Schere zwischen Wohnungsbestand und Bevölkerung aufgeht. Das bedeutet, dass es prozentual mehr Wohnungen gibt, als Einwohner. Ein Grund dafür kann sein, dass das derzeitige Angebot schlicht nicht der Nachfrage entspricht. Junge oder ältere Alleinstehende beispielsweise brauchen keine Einfamilienhäuser, sondern suchten eher Wohnungen.

Die Zahlen des Gutachtens werden nun weiter aufbereitet und sollen schließlich mit einer Handlungsempfehlung für ein Wohnraumkonzept enden. Die Erkenntnisse daraus kann die Stadt für die Entwicklung der Neubaugebiete aber auch des Wohnbestandes nutzen, um gezielt die Bedarfe zu decken und Wegzüge zu vermeiden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben