Kriminalität

Jugendbande aus Wetter sorgt für Dauer-Ärger in Witten

Der Ratskeller-Inhaber Robin Schmidt ist sauer auf Jugendliche am Rathausplatz in Witten.

Der Ratskeller-Inhaber Robin Schmidt ist sauer auf Jugendliche am Rathausplatz in Witten.

Foto: Svenja Hanusch

Wetter/Witten/Herdecke.   Wetters größere Nachbarstadt hat ein Problem mit Jugendlichen, die für Ladeninhaber zur Last werden. Die Polizei sieht sich an Grenzen geführt.

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Zahlreiche Geschäftsleute in Witten fühlen sich durch eine Jugendbande bedroht. „Es ist immer wieder dieselbe Truppe von zehn bis 15 Jugendlichen, die für Krawalle, Bedrohungen, Sachbeschädigungen und Einbrüche bei uns verantwortlich ist“, sagt Robin Schmidt (25), Betreiber des Ratskellers in Witten. Zu der Bande zählt wohl ein 15-jähriger Wetteraner, gegen den bereits über 100 Verfahren laufen, will Schmidt bei einer Zeugenaussage erfahren haben. Beteiligt war in jedem Fall ein 14-jähriger „polizeibekannter Jugendlicher aus Wetter“, bestätigt die Kreispolizeibehörde auf Anfrage. Dieser Jugendliche werde bei der Kreispolizei als Intensivtäter geführt.

Wenig Hoffnung auf Ordnungshüter

Kürzlich hatte die Polizei vier Schüler festgenommen, die die Kasse in der Subway-Filiale am Rathausplatz in Witten gestohlen hatten. Danach habe ein Zettel in der Tür des Fastfood-Restaurants gehangen, der Kunden mitteilte, dass der Laden nach dem nun dritten Überfall vorübergehend geschlossen sei, so Ratskeller-Gastronom Schmidt. Bei ihm sei ebenfalls mehrfach eingebrochen worden. „Mal wurden drei Flaschen Champagner geklaut, mal ein EC-Kartengerät oder Kleingeld.“

Vor einem Jahr schon hätten die Jugendlichen regelmäßig in den Nachmittags- und Abendstunden für Unruhe auf dem Rathausplatz gesorgt. Auf die Polizei setzt Schmidt mittlerweile nicht mehr allzu sehr. Schließlich gehe die Randale trotzdem weiter. Bochums Sprecher Volker Schütte erklärt, warum der Eindruck, die Polizei tue nichts, falsch sei: „Wir nehmen Tatverdächtige fest und ermitteln. Dann geht eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft. Wir dürfen die Jugendlichen ja nicht einfach einsperren.“ Für Witten ist die Polizei in Bochum zuständig.

Bahnhof und Buchhandlung besonders betroffen

Besonders betroffen ist auch der Bahnhof und die Buchhandlung im Bahnhof. Immer wieder habe ein und derselbe Jugendliche dort etwas geklaut. Mittels der vorhandenen Videoüberwachung konnte der Täter identifiziert werden. Es war der 14-jährige Wetteraner, der auch sonst schon beim Stehlen gefilmt worden ist und der auch bei der Polizeibehörde für den übrigen EN-Kreis bestens bekannt ist.

Als Intensivtäter gilt jeder, bei dem zu erwarten ist, dass er auch weiterhin Straftaten begehen wird, erklärt Sonja Wever, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde EN. Dabei erfolge bei Tätern, die innerhalb eines Jahres häufiger als viermal polizeilich in Erscheinung getreten sind, eine umfangreiche Prüfung. Den Vorwurf, die Ordnungskräfte stünden „einer marodierenden Jugendbande gegenüber hilflos da“, wie ihn die AfD im EN-Kreis geäußert hat, weist Sonja Wever zurück: „Fakt ist, wenn die Polizei gerufen wird, dann kommt sie und handelt auch.“ Jeder Einsatz werde wahrgenommen und Ermittlungen würden durchgeführt, sagt sie wie ihr Kollege aus Bochum. Allerdings bestätigt sie auch: „Ein 14-Jähriger lässt sich nicht einfach wegsperren.“

So beunruhigend die Nachrichten aus Witten sein mögen, für die übrigen Kommunen im Bereich ihrer Behörde und damit auch für Wetter und Herdecke stellt Wever fest: „Aktiv agierende Jugendbanden sind hier nicht bekannt.“

>>>Hilfe beim „Kurve kriegen“

Die Kreispolizeibehörde beteiligt sich an dem Landesprojekt „Kurve kriegen“. Durch das Programm soll verhindert werden, dass noch nicht strafmündige Kinder und Jugendliche in eine kriminelle Karriere abdriften.

„Speziell geschulte Polizeibeamte der Kriminalprävention arbeiten in diesen Fällen eng mit Schulen und pädagogischen Fachkräften zusammen“, erläutert Sonja Wever von der Kreispolizeibehörde des EN-Kreises.

Das Projekt „Kurve kriegen“ basiere jedoch auf Freiwilligkeit. Das heißt: Eltern und Kinder müssen sich darauf einlassen. „Wenn dieses Programm nicht angenommen wird“, so Sonja Wever weiter, „ist die Polizei bei nicht strafmündigen Personen vor Grenzen gestellt.“

Oberstaatsanwalt Paul Jansen, Sprecher des Bochumer Justizzentrums, sieht dennoch beim Jugendrecht eine ganze Reihe an Möglichkeiten, „damit sich Dinge nicht wiederholen.“ Im Vordergrund stehe in dieser Altersgruppe jedoch der Erziehungsgedanke.

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