Coronavirus

Wetteranerin fassungslos nach Anruf beim Bürgertelefon

Pausenlos versucht eine Wetteranerin nach ihrer Rückkehr aus Tirol, das Bürgertelefon zu erreichen. Vergeblich. Und dann bekommt sie einen zweifelhaften Rat

Pausenlos versucht eine Wetteranerin nach ihrer Rückkehr aus Tirol, das Bürgertelefon zu erreichen. Vergeblich. Und dann bekommt sie einen zweifelhaften Rat

Foto: Christin Klose / dpa-tmn

Wetter  Über 200 Mal versuchte eine Tirol-Rückkehrerin, beim Bürgertelefon durchzukommen. Dann bekam sie den Rat, zum Hausarzt zu gehen.

Elisabeth Semme

Wetter Im österreichischen Skigebiet Saalbach in Tirol hatte eine Wetteranerin ihren einwöchigen Skiurlaub verbracht, aus dem sie letzte Woche Donnerstag zurückgekehrt war. "Alles ganz unkompliziert", berichtet die Rückkehrerin, "bis dann am Freitag ganz Tirol zum Hochrisikogebiet erklärt wurde. Damit bestand für mich Handlungsbedarf. Denn es hieß, dass alle, die aus dem Gebiet eingereist sind, sich unter der Nummer 116117 oder beim zuständigen Bürgertelefon melden sollen."

Am Freitagabend bekam die Wetteranerin Halsschmerzen, am Samstagabend leichtes Fieber. "Ich hätte das alles nicht besonders ernst genommen, und ich fühle mich jetzt auch nicht schlecht. Aber ich arbeite im Gesundheitswesen", so die Wetteranerin Anfang der Woche im Telefongespräch mit der Redaktion. Also habe sie bereits am Freitagabend versucht, das Bürgertelefon unter 02333/4031449 anzurufen. Vergeblich. Am Samstag versuchte sie es weiter. "Über 200 Mal habe ich das gesamte Wochenende im Wechsel beide Nummern angerufen, aber ich bin nicht durchgekommen. Schließlich wollte ich ja wissen, was ich tun soll und wie ich mich verhalten soll. Muss ich einen Abstrich machen? Was ist mit meinem Partner? Gehe ich zur Arbeit? Und was passiert, wenn ich nicht gehe, weil sie ohnehin zu wenig Leute haben?" so die Wetteranerin. Bei der 116117 werde man aufgefordert, eine 1 oder 2 zu drücken, je nachdem, ob es sich um ein Anliegen im Zusammenhang mit Corona handelt oder nicht. "Auch da gab es kein Durchkommen. Und bei der Nummer mit der Ennepetaler Vorwahl muss man ebenfalls auswählen. Ich habe die 2 gedrückt, habe dann aufs Band gesprochen und um Rückruf gebeten. Bis heute Vormittag um 10 Uhr habe ich darauf vergebens gewartet. Dann um 10 Uhr bin ich endlich durchgekommen", berichtet die Wetteranerin. Und weiter: "Da war eine nette Dame am Telefon, die sich angehört hat, was ich erzählt habe. Dann meinte sie zu mir: Da kann ich nichts machen. Gehen sie zum Hausarzt." Die Tirol-Rückkehrerin war fassungslos: "Ich habe gedacht, wenn ich da hingehe, erschlägt der mich. Ich habe gesagt: Sie müssen mir doch sagen, was ich tun soll. Ich bin doch mit dem Corona-Bürgertelefon verbunden." Doch die freundliche Dame am Telefon habe daraufhin nur erwidert, sie sei kein medizinisches Fachpersonal.

"Ich weiß ja, dass die Frau nichts dafür kann. Sie war auch wirklich freundlich, aber das geht trotzdem gar nicht." Sie habe dann ohnehin das ganze Wochenende das Haus nicht verlassen, und ihr Chef habe ihr zudem am Montagmorgen gesagt, sie solle zuhause bleiben."Eine Kollegin von mir war bis Sonntag in St. Anton, einem viel gefährdeteren Gebiet als Saalbach, hat ebenfalls hier beim Bürgertelefon angerufen. Sie kam zwar ziemlich schnell durch, hatte aber auch eine freundliche Dame am Telefon, die von nichts eine Ahnung hatte und ihr empfohlen hat, besser mal zuhause zu bleiben", erzählt die Wetteranerin. Und fügt hinzu: "Das geht wirklich gar nicht. Da können wir uns alle Maßnahmen sparen."

Auf Nachfrage bei der Kreisverwaltung nahm deren Sprecher Ingo Niemann dazu wie folgt Stellung: "Wenn das so gewesen sein sollte, dann entschuldigen wir uns in aller Form. Das sollte auf keinen Fall so sein, das ist klar. Aber wir arbeiten derzeit alle am Limit."

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