Geschichte

Wettersches Ehrenmal wird Thema in der nächsten Ratssitzung

Das Ehrenmal am Sunderweg in Wetter am Hang des Harkortberges: Es gibt Kritik an Inschriften der Gedenktafeln.

Das Ehrenmal am Sunderweg in Wetter am Hang des Harkortberges: Es gibt Kritik an Inschriften der Gedenktafeln.

Foto: Klaus Görzel

Wetter.   Der Hauptausschuss hat sich in seiner jüngsten Sitzung dazu entschieden, die Debatte über die Gedenktafeln am Ehrenmal in den Rat zu geben.

Die Diskussion über die Tafelinschrift am Ehrenmal in Wetter, beschäftigte den Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Der Antrag von Johannes Wilbert (die Redaktion berichtete am Donnerstag) wird jetzt dem Rat übergeben und soll dort entschieden werden. Zuvor hatte sich Stephanie Pätzold vom Stadtarchiv Gedanken zu dem Thema gemacht und ihre Einlassung vor dem Ausschuss präsentiert.

Informationen zur Entstehung

„Denkmäler sind immer auch Zeugnisse ihrer Zeit. Sie spiegeln durch ihre künstlerische Ausgestaltung und/oder durch angebrachte Inschriften den ,Zeitgeist’ ihrer Entstehungszeit, die gesellschaftliche Sicht auf bestimmte Themen, wider, die sich im Lauf der Zeit diametral verändern kann. Sie verleihen also nicht etwa ,historischer Wahrheit’ Ausdruck, sondern dem Zeitgeist ihrer Entstehungszeit“, stieg sie generell in das Thema ein. „Insofern sind Denkmäler auch eine besondere Form der historischen Quelle, da sich in ihnen – von der Bauweise über das Bild-/Skulpturprogramm bis hin zu den Inschriften der Zeitgeist ihrer Entstehungszeit spiegelt. Diese Quelle wird verfälscht, wenn man Textteile entfernt oder verändert. Damit zerstört man mehr oder minder auch den Quellenwert“, gab sie zu bedenken.

Um den Wert des Ehrenmals in Wetter besser einschätzen zu können, gab Pätzold zudem einige geschichtliche Informationen zur Entstehung. „Es wurde am 28. Juni 1931, zur Zeit der Weimarer Republik also, unter sehr großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht und zeugt von dem Wunsch der Bewohner Wetters, den gefallenen Soldaten der Stadt ein ehrendes Andenken zu bewahren“, berichtet sie. Es wurde ein Ehrenmalausschuss gebildet, in dem gewählte Vertreter zehn verschiedener Gruppen saßen. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen, dabei waren beispielsweise Lehrer und Geistliche, aber auch Vereine, Kriegshinterbliebene sowie Menschen aus der Arbeitnehmerschaft. „Privatleute, Vereine und Firmen spendeten, und es fanden zahlreiche Veranstaltungen zu Gunsten des Ehrenmals statt – von Schüleraufführungen über Chorkonzerte bis hin zu den Sportfesten“, wusste Pätzold zu berichten. „Das Bedürfnis, in genau dieser Weise den gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein Denkmal zu setzen, einte über alle Schichten hinweg die Wetteraner“, meint die Historikerin. In Bezug auf die heutige Zeit, gibt sie zu bedenken: „ Wichtig ist es, das Bewusstsein dafür zu schaffen – und wo es geht, dieses zu vermitteln -, dass Denkmäler den Zeitgeist ihrer Entstehungszeit wiedergeben und dass dieser keineswegs heutigen Auffassungen entspricht. Das kann auf verschiedene Arten und Weisen geschehen.“

Mit diesen Worten im Hinterkopf wurde die Diskussion im Hauptausschuss eröffnet. Doch eine Diskussion im eigentlichen Sinne mit verschiedenen Standpunkten war es nicht. Sowohl Dr. Peter Zinn (SPD) als auch Jürgen Uebelgünn (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Christopher Krüger (CSR) hatten in ihren Wortbeiträgen den gleichen Tenor: Der Antrag von Johannes Wilbert soll an den Rat überwiesen werden. Allerdings sind sich die Politiker ebenfalls einig, dass man das Ehrenmal selbst, also die Schrift auf der Tafel, nicht verändern, sondern lieber um eine Erklärung ergänzen wolle. Wie genau das Aussehen soll, wird dann in der Ratssitzung am 9. Juli diskutiert. Ein weiterer Vorschlag kam seitens der CDU-Fraktion auf: Der Text solle nicht weggenommen, sondern nur in einem Wort verändert werden. Die Passage würde dann lauten „den kommenden Geschlechtern zur Mahnung“.

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