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Wie der Käfer einer Frau zum Fluchtwagen wurde

Birgit Ehses staunte nicht schlecht, als sie nach dem Verkauf ihres Käfers Besuch von der Polizei bekam. Ihr Auto wurde bei einem Banküberfall benutzt.

Foto: Barbara Zabka

Birgit Ehses staunte nicht schlecht, als sie nach dem Verkauf ihres Käfers Besuch von der Polizei bekam. Ihr Auto wurde bei einem Banküberfall benutzt. Foto: Barbara Zabka

Wetter/Witten.   Birgit Ehses (59) mag nicht nur die Krabbeltiere, sondern auch das Auto. Vier VW hat sie bereits besessen – einer wurde zum Fluchtwagen.

Dass Birgit Ehses Käfer mag, überrascht nicht. Schließlich führt die 59-Jährige seit Jahren kleine und große Naturfreunde durch die Wittener Wildnis – und engagiert sich zudem für die Naturschutzgruppe Witten (Nawit). Doch Ehses hat nicht nur spannende Geschichten über Krabbeltiere zu erzählen: Mit ihren insgesamt vier Käfern, also den Autos, hat die Diplom-Geografin bereits einiges erlebt. Wegen des einen stand eines Tages sogar die Kriminalpolizei vor ihrer Tür.

„Den ersten Käfer habe ich mir 1977 mit 18 Jahren gekauft, direkt nach dem Führerschein“, sagt Ehses. „Als ich mit Freunden in der Eifel war, ist er leider liegengeblieben und wir konnten nicht weiterfahren.“ Diagnose: Motorschaden. Der Wagen wurde abgeschleppt. Zurück zu Hause kaufte die junge Frau einen „Schrott-Käfer“, dessen Motor noch funktionierte. „Mit ihm bin ich wieder in die Eifel gefahren und der Motor wurde ausgetauscht.“ Als alles erledigt war, stieg Ehses in ihren alten Käfer mit der neuen Maschine – und blieb liegen. „Hier endet leider die Geschichte meines ersten Käfers.“

Doch der zweite VW folgte schnell: „Er hatte eine schöne hellblaue Farbe – bis ich mit einem Bus zusammengestoßen bin.“ Die zwei beschädigten Kotflügel tauschte Ehses durch welche vom Schrott aus. „Leider habe ich da nur dunkelblaue gefunden.“ Damit es einheitlich aussah, lackierte sie die übrigen in derselben Farbe. Dass sich die 59-Jährige so gut daran erinnern kann, liegt auch daran, dass ihr ein Freund ein Miniatur-Modell ihres Käfers schenkte: „Er hat sogar das Nummernschild mit einem ganz feinen Pinsel aufgemalt.“

Die bisher aufregendste Käfer-Geschichte verbindet Birgit Ehses allerdings mit einem VW in Dunkelrot-Metallic. „Den Wagen habe ich 1984 von einer befreundeten Bankkauffrau gekauft. Ich habe damals selbst eine Banklehre gemacht – ausgerechnet.“ Denn fünf Jahre später verkaufte sie das Auto einem Bankräuber. Natürlich unwissentlich.

Kripo stand plötzlich vor der Tür

„Weil er die nächste TÜV-Abnahme nicht mehr überstanden hätte, inserierte ich den Wagen zum ,Ausschlachten’ für 300 D-Mark in der Zeitung.“ Es meldete sich ein Herr Albert aus Iserlohn. „Er war recht wortkarg am Telefon, aber mir war das egal. Hauptsache, es kauft jemand das Auto.“ Die Übergabe sollte am Bahnhof Wetter stattfinden. „Weil dort angeblich ein Kollege von ihm arbeitete.“ Ein „düster aussehender“ Mann mit Mantel und tief ins Gesicht gezogenem Hut stellte sich vor. „Es ging alles ganz schnell. Er gab mir das Geld plus 20 D-Mark für den Heimweg und sagte, er würde den Wagen abmelden. Ich war glücklich.“ Etwa einen Monat später standen zwei Kriminalbeamte vor Ehses Tür und teilten ihr mit, dass mit einem auf sie zugelassenen VW ein Raubüberfall auf eine Bank an der Sorpetalsperre verübt worden war. Ein maskierter Mann, der das Bankpersonal mit einem großkalibrigen Revolver bedroht hatte, erbeutete rund 54 000 D-Mark.

„Das Fluchtfahrzeug, mein dunkelroter Käfer, wurde in einem nahegelegenen Wald sichergestellt. Täter und Beute waren natürlich verschwunden.“ Nachdem sie eine Zeugenaussage gemacht und den Täter beschrieben hatte, konnte Ehses auf der Wache in Iserlohn die Nummernschilder des Autos abholen und es ordnungsgemäß bei der Versicherung abmelden. Der Käfer blieb als Beweisstück bei der Kripo. Die Bankräuber wurden übrigens nie erwischt.

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