Interview

Wie die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis Radarkontrollen plant

Claudia Völkel leitet seit dem 1. August für die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis die Direktion Verkehr, die in der Wache Wetter ihren Sitz hat.

Claudia Völkel leitet seit dem 1. August für die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis die Direktion Verkehr, die in der Wache Wetter ihren Sitz hat.

Foto: Steffen Gerber

Wetter/Ennepe-Ruhr.  Die Direktion Verkehr (Sitz in Wetter) hat eine neue Chefin: Claudia Völkel erklärt, wie die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis die Straßen überwacht.

Die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis gliedert sich organisatorisch in vier Direktionen auf: Zentrale Aufgaben, Gefahrenabwehr/Einsatz, Kriminalität und Verkehr. Letztgenannte Abteilung hat seit 1994 ihren Sitz in der Wache Wetter. Seit dem 1. August leitet nun Polizeirätin Claudia Völkel die Straßenverkehrsangelegenheiten in den EN-Städten (außer Witten im Zuständigkeitsbezirk des des Polizeipräsidiums Bochum). Im Interview berichtet die 35-Jährige, was sie und ihre 37 Kollegen zu tun haben.

Baustellen, Brückensanierungen, Straßensperrungen und oft Stau: Das Thema Verkehr und Mobilität scheint zunehmend wichtiger zu werden. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Claudia Völkel: Ja, der Verkehr hat allgemein zugenommen. Es gibt immer mehr zugelassene Fahrzeuge bei einer gleichbleibenden Anzahl von Straßen und Verkehrswegen. Das ist ein unausgewogenes Verhältnis. Die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten, Fehlverhalten wiederum gab es auch früher schon. Interessiert verfolgen wir natürlich auch die derzeitige SUV-Diskussion, wobei wir dazu keine eigenen Feststellungen hier im Kreis haben. Generell haben wir hier ja auch – statistisch gesehen – wenig Unfälle. Und bei größeren Verkehrsmaßnahmen setzen uns die Baulastträger in Kenntnis.

Beschreiben Sie doch bitte, wie die Direktion Verkehr aufgeteilt ist und nach welchen Kriterien die EN-Polizei Geschwindigkeiten kontrolliert?

Neben der Direktionsleitung mit Führungsstelle gehören die Dienststellen Verkehrskommissariat, Unfallprävention/Opferschutz und Verkehrsdienst dazu. Wir sind u.a. für die Verkehrsüberwachung im gesamten Kreis mit Ausnahme von Witten zuständig, gemeinsam mit der Kreisverwaltung auch für Geschwindigkeitskontrollen. Wir priorisieren die Örtlichkeiten nach bestimmten Kriterien wie Unfallhäufung oder Schwere der Verletzungen, das ist eine Landesvorgabe. Die Zahl dieser auffälligen Stellen liegt derzeit zwischen 10 und 15, das variiert grundsätzlich. Wir überwachen aber auch nicht-priorisierte Abschnitte, all das geschieht nach Kontakten mit den Städten oder nach Hinweisen von Bürgern bzw. Anwohnern.

Welche Möglichkeiten haben Sie zur Tempo-Überwachung?

Wir könnten das theoretisch an sieben Tagen 24 Stunden lang machen. Der EN-Polizei stehen Fahrzeuge mit entsprechender Ausstattung zur Verfügung, dem EN-Kreis ebenfalls. Wir können per Hand Lasermessgeräte nutzen und haben ESO-Messtechnik, ein Lichtschrankensystem, im Einsatz.

Welche Vorgaben macht das nordrhein-westfälische Innenministerium in Düsseldorf Ihrer Verkehrs-Direktion?

Da geht es beispielsweise um die Bekämpfung von Drogen bzw. Alkohol oder auch um die Handynutzung am Steuer, also um die Hauptunfallursachen. Die Umsetzung obliegt der jeweiligen Behörde. Wir können auch eigene Schwerpunkte setzen und werten unsere Unfallzahlen selbst aus. Dabei schauen wir auf besondere Auffälligkeiten an den entsprechenden Örtlichkeiten, etwa ob die Stelle selbst problematisch ist oder ob es Zusammenhänge zur Tageszeit gibt. Wir kontrollieren auch den Schwerlastverkehr so wie kürzlich am länderübergreifenden Aktionstag „Brummis im Blick“. Zudem werten wir Radfahr-Unfälle aus und bieten auch diesbezüglich Informationen vor Ort an. Am vergangenen Wochenende waren wir zum Beispiel beim Ruhrbike-Festival auf dem Harkortberg präsent.

Wie wichtig ist das Thema Prävention, wie kommen Sie und Ihre Kollegen mit Bürgern in Kontakt?

Das ist gewissermaßen die Basis. Ob Schüler, junge Fahranfänger oder auch Motorradfahrer – wir wollen alle Personengruppen bei unseren Schulungen und Aktionstagen im Blick haben. Natürlich auch Senioren, gerade erst haben wir beispielsweise einen Rollator-Parcours bei einer Seniorenmesse in Gevelsberg aufgebaut. Es wird auch weiterhin, je nach Anfrage und Absprache mit den ehrenamtlichen Begleitern, die so genannten Crash-Kurse an Schulen geben, bei denen wir mit tatsächlich stattgefundenen Verkehrsunfällen und emotionalen Bildern für Aufklärung sorgen wollen. Es geht ja darum, jungen Leuten frühzeitig Gefahren aufzuzeigen. Allgemein streben wir eine ausgewogene Mischung aus Prävention und Repression an.

Sie waren ab März 2012 für ein Jahr im Auslandseinsatz in Afghanistan, was haben Sie da gemacht und erlebt?

Nachdem Kollegen so begeistert von Auslandserfahrungen berichtet hatten, wollte ich das auch für ein halbes Jahr angehen. Dort war ich im Auftrag der Bundespolizei, die die Kollegen in Afghanistan ja schulen wollte, in einem Ausbildungscamp die Gender-Beauftragte und für das Personaloffizier-Mentoring zuständig. Es brauchte eine Zeit, ehe ich mich eingearbeitet hatte und als Frau das Vertrauen gewann. Als das dann aber alles gut klappte, habe ich aus Überzeugung um ein halbes Jahr verlängert. In der gesamten Zeit habe ich auch gemerkt, dass ich Spaß an Führungsaufgaben habe, dass ich delegieren und gestalten kann.

Welchen Bezug haben Sie selbst zum Thema Verkehr?

Ich habe ein Pedelec und bin in meiner Zeit als Polizistin auf vielen Dienststellen mit dem Thema Verkehr beruflich in Kontakt gewesen. Ich freue mich, das in der nächsten Zeit vertiefen zu können.

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