Freizeit

„Wir sind hier wie eine große Familie“

Zukunftsrauschen: Freizeit in Wetter

Zukunftsrauschen Wetter: Kletterwald-Mitarbeiterin Chantalle Jakubowski (mit Helm) leitet eine Besucherin beim ersten Kletterversuch an.

Zukunftsrauschen Wetter: Kletterwald-Mitarbeiterin Chantalle Jakubowski (mit Helm) leitet eine Besucherin beim ersten Kletterversuch an.

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Wetter.  Chantalle Jakubowski (18) betreut als Trainerin Besucher im wetterschen Kletterwald. Eine Aufgabe mit Zukunft - fürs Studium nimmt sie viel mit.

Wer Höhenangst hat, ist hier fehl am Platz. Die Königsspitze ist zwar weit entfernt, auf dem kleinen Berg hoch überm Harkortsee kann man sie dennoch erklimmen – im Kletterwald mit seinen 14 unterschiedlich anspruchsvollen Parcours, die durch die Baumwipfel führen. Sie zu bezwingen, bedeutet Abenteuer inmitten der Natur – ganz ohne Handy-Daddeln und Computer-Surfen. Gefragt sind hier nur Körperkraft und Koordination, Geschicklichkeit und Selbstüberwindung. Das sollten aber nicht nur die Besucher des Kletterwaldes mitbringen, sondern auch die Mitarbeiter. Chantalle Jakubowski ist eine aus dem großen Team.

Erst vor einem halben Jahr hat die 18-Jährige das Abitur gemacht. Bis zum Studienbeginn im neuen Studiengang Physiotherapie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum hat die Wetteranerin noch viel freie Zeit, die sie sinnvoll für ihre Zukunft nutzen will. „Weil meine ältere Schwester Janet letztes Jahr im Kletterwald angefangen hat, ist der Kontakt schnell zustande gekommen“, erzählt Chantalle. Und wie ihre Schwester bringt auch sie alle Voraussetzungen für den Job mit. „Höhenangst habe ich nicht und war auch vorher schon öfter mal klettern. Man sollte also schon sportlich sein“, so die 18-Jährige. Sie überlegt kurz, schmunzelt und ergänzt: „Man darf auch nicht eitel sein und sollte mit Dreck und Schweiß keine Probleme haben. Man muss auf Menschen zugehen können; für Schüchterne ist der Job nichts.“

Der Job gibt ihr auch etwas für die Zukunft

Vor ihrem 18. Geburtstag war Chantalle noch Betreuerin: Da beschränkten sich ihre Aufgaben aufs Gurte ausgeben, sie den Kunden anzulegen und Einweisungen zu geben – sozusagen auf alles, was man als Bodenpersonal erledigen kann. Seit sie volljährig ist und die Schulung zur Trainerin absolviert hat, kann und muss sie auch selbst in die Parcours klettern und helfen, wenn Besucher nicht mehr weiterkönnen. „Dafür muss man schon das ganze Gelände und auch alle Parcours bestens kennen“, erklärt Parkmanager Thomas Mankopf.

Für Chantalle bringt der Job im Kletterwald – neben dem Geld – auch viele persönliche Vorteile. „Man ist immer an der frischen Luft, ist selbst sportlich aktiv und mit unterschiedlichen Menschen zusammen. Es gibt viel zu lernen hier, wobei die Tage auch mal stressig sind“, sagt die 18-Jährige, die die Unterschiede zum Jobben in einer Kneipe oder an einer Supermarkt-Kasse sehr schätzt. Und die Zugehörigkeit zu einem Team aus lauter jungen Leuten ebenso: „Wir sind hier wie eine große Familie.“ Das hört Thomas Mankopf natürlich gerne, wobei er betont: „Es geht locker hier zu. Aber alle wissen, wenn es ernst wird. Zum Beispiel wenn Gewitter oder Sturmböen aufziehen und Evakuierungen anstehen.“ Chantalle jedenfalls ist überzeugt, dass der Kletterwald-Job ihr auch für die Zukunft etwas gibt: „Für mein Studium werde ich auf jeden Fall etwas mitnehmen können. Physiotherapie hat ja viel mit Sport, Gesundheit und Verletzungen zu tun. Außerdem hat man dort körperlichen Kontakt zu Kunden, genau wie hier beim Anziehen der Gurte.“

Entspannter Umgang

Macht es den Job leichter, weil man mit Menschen umgeht, die im Kletterwald ihre Freizeit verbringen? „Auf jeden Fall, denn die Leute sind meist entspannt und freundlich. Anders ist es nur, wenn Schulklassen kommen“, weiß Chantalle. Kletterwald-Kollegin Angela Grineisen, 21 und Studentin, nickt: „Die Hälfte der Schüler würde wohl nicht freiwillig herkommen.“ Weswegen Motivation und Laune bei manchen entsprechend schlecht seien. „Auch Vätern merkt man es oft an, wenn sie nur ihren Kindern zuliebe mitklettern“, so Andrea weiter. Aber 90 Prozent aller Besucher seien gut gelaunt, meint die Kletterwald-Crew. Zu der wird Chantalle übrigens auch noch gehören, wenn ihr Studium in Bochum längst begonnen hat. . .

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