Stadtplanung

Wohnen in Herdecke bleibt schick und schön

Planungsamtschef Daniel Matißik (links) mit Vertretern des Bundes Deutscher Baumeister Architekten und Ingenieure. Landesvorsitzende Gabriele Richter(im Rollstuhl) ist besonders am Thema Barrierefreiheit interessiert.

Foto: Klaus Görzel

Planungsamtschef Daniel Matißik (links) mit Vertretern des Bundes Deutscher Baumeister Architekten und Ingenieure. Landesvorsitzende Gabriele Richter(im Rollstuhl) ist besonders am Thema Barrierefreiheit interessiert.

Herdecke.   Der Bund der Baumeister besucht die Bürgermeisterin in Herdecke – und trifft bei Katja Strauss-Köster auf eine Kollegin

In vielen Städten hat der Bund Deutscher Baumeister schon getagt. Dass der Besuch bei der Bürgermeisterin zugleich ein Gespräch unter Kollegen ist, war für die Architekten und Ingenieure des Verbandes aber schon etwas Besonderes. Seit 2001 ist Katja Strauss-Köster Planungsdezernentin in Herdecke, und auch als Bürgermeisterin hat sie diese Aufgabe nicht abgelegt. Mit entsprechendem Schwung stellte die studierte Raumplanerin den Gästen ihre Heimatstadt vor.

„Wir sind sehr alt“, sagt Katja Strauss-Köster zur Altersstruktur der Stadt, und doch kommen mehr Kinder zur Welt als erwartet. „Über 15 Jahre ist kein Bauland ausgewiesen worden“, fährt sie fort, und doch hat sich das mit dem Wohnen auf dem Westfalia-Gelände und am Bahnhof gerade geändert. „Hier ist die Welt noch in Ordnung“, stellt die Bürgermeisterin fest und listet die Vorzüge der Stadt auf: gut an die Städte der Nachbarschaft angebunden, ausgestattet mit viel Einzelhandel und viel Kaufkraft, gelegen an einem malerischen Teil der Ruhr.

Gastronomie als Erlebnis

Martin Schulte kennt die Stadt, besonders das Café Extrablatt. Warum der Architekt aus Hagen nicht in die Hagener Filiale der Gastro-Kette geht? Für ihn ist Herdecke ein Erlebnis: Bei einem Kaffee am Ufer der Ruhr sitzen, ein bisschen am Fluss entlang gehen – und dann wieder ab ins Auto! Er kenne noch die Zeiten, „als es schick war, nach Herdecke zu ziehen“, in den Speckgürtel der beiden großen Städte drumherum, erinnert sich Ernst Uhlig, Diplom-Ingenieur ebenfalls aus Hagen. „Das ist heute noch so“, versichert die Bürgermeisterin.

Es gibt auch Kritik und Probleme

Ihr Problem: Mittlerweile ziehen Herdecker weg, weil der leer gefegte Wohnungs- und Häusermarkt wachsenden Familien schwer macht, etwas Bezahlbares in der Stadt zu finden. Und auch sonst sei nicht alles nur rosa, fährt die Bürgermeisterin fort. Die Arkaden mit dem Ratsaal fallen ihr ein. Wie da noch eine Wiese war, hat es ihr auch gut gefallen... Aber es gibt ja private Besitzer, und auch der Rat braucht einen Ort zum Tagen. „Ist der auch barrierefrei?“, fragt Gabriele Richter, die Landesvorsitzende vom Bund der Baumeister. Der anschließenden Führung von Planungsamtsleiter Daniel Matißik wird sie im Rollstuhl folgen. „Ja“, kann Katja Strauss-Köster beim Blick aus dem Besprechungsraum des Rathauses sagen, in dem der kleine Empfang stattfindet: Gleich gegenüber ist in der ersten Etage der Ratssaal, erreichbar über einen Außenaufzug.

Viel ist bewegt worden. Die Bürgermeisterin weiß aber auch, dass nicht alle Herdecker das gut finden. „Man darf nicht zu viel machen“, sagt die Stadtplanerin zu den Stadtplanern in der Runde, „man muss die Bürger mitnehmen.“ Das geht an die eigene Adresse, zumal Katja Strauss-Köster auch für die Zukunft noch einiges vor hat. Auf der Fläche der früheren Grundschule im Dorf etwa wird Wohnen möglich. Darüber hinaus habe sie „immer viele, starke Ideen“, kommt sie richtig in Schwung, möchte aber nicht Konkreter werden. Die Diskussionen mit Investoren, die Festsetzungen für eine gelenkte Gestaltung machen ihr immer noch Spaß, versichert die Verwaltungschefin.

Astrid Stadtmüller aus Unna, Mitglied im Bund der Baumeister, hat die Bürgermeisterin kennen gelernt. Stadtmüller und ihr Mann waren die Architekten bei der Aufstockung des Hotels Zweibrücker Hof. Katja Strauss-Köster bescheinigt sie: „Es ist schon ein extremer Vorteil, dass Sie was zu sagen haben und dazu vom Fach sind.“

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