Natur

Zahl der Wintervögel erinnert Leser an früheren Spatzenkrieg

Zwei Spatzen sitzen aufgeplustert auf den Zweigen eines Ginsterstrauchs. Diese Vogelart war bezüglich der Anzahl vor kurzer Zeit noch die Nummer eins in deutschen Gärten, nun gibt es aber deutlich weniger.

Zwei Spatzen sitzen aufgeplustert auf den Zweigen eines Ginsterstrauchs. Diese Vogelart war bezüglich der Anzahl vor kurzer Zeit noch die Nummer eins in deutschen Gärten, nun gibt es aber deutlich weniger.

Foto: Matthias Hiekel

Wetter.   Viele Meisen, aber wenige Spatzen zählten Naturschützer zu Beginn des Jahres in den Gärten. Das erinnert Leser Herbert Sabiers an seine Kindheit.

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Zu Beginn eines jeden Jahres rufen der Bund für Vogelschutz und Vogelkunde Hagen/Herdecke sowie der hiesige Naturschutzbund dazu auf, sich an der Zählung von Vögeln zu beteiligen.

An drei Tagen ermittelten freiwillige Zähler Anfang Januar zum achten Mal mit dem Naturschutzbund (Nabu) und dem Landesbund für Vogelschutz, welche Wintervögel in den heimischen Gärten am häufigsten auftauchten. Hier die acht häufigsten Arten, die kürzlich im Ennepe-Ruhr-Kreis zu sehen waren:

1 Kohlmeise, 1318 mal gesichtet

(Vorkommen in 94,02 Prozent aller Gärten im EN-Kreis);

2 Blaumeise, 1076 mal gesichtet

(Vorkommen in 83,39 Prozent aller Gärten im EN-Kreis, auch eine Folge des „guten Meisenjahres 2017“);

3 Amsel, 1020 mal gesichtet

(Vorkommen in 93 Prozent aller Gärten im EN-Kreis);

4 Haussperling, 745 mal gesichtet

(Vorkommen in 37 Prozent aller Gärten im EN-Kreis);

5 Buchfink, 568 mal gesichtet

(Vorkommen in 64 Prozent aller Gärten im EN-Kreis);

6 Rabenkrähe, 514 mal gesichtet

(Vorkommen in 30,23 Prozent aller Gärten im EN-Kreis);

7 Elster, 511 mal gesichtet

(Vorkommen in 67 Prozent aller Gärten im EN-Kreis);

8 Kranich, 420 mal gesichtet

(Gartenvorkommen 1 %).

Die Berichterstattung über die Anzahl von Wintervögeln hat Leser Herbert Sabiers aus Wetter an eine Geschichte aus seiner Kindheit erinnert.

Seine Ehefrau und er saßen an einem Januar-Tag jeweils an einem Fenster ihres Hauses und zählten nach jeder Art die Vögel, die sich auf dem Sabiers-Grundstück tummelten. Amsel, Meise, Rotschwänzchen, Kleiber, Rotkehlchen, Buchfink und noch andere waren zu unterscheiden. Seine Frau fragte Herbert Sabiers jedoch anschließend erstaunt: „Wo sind denn nur die Spatzen geblieben?“ Kein Haussperling, wie der Spatz auch genannt wird, war bei ihr vermerkt. Ihrem Mann fiel dann auf, dass diese auch bei ihm nicht auf der Liste zu sehen waren.

„Wir diskutierten ein wenig herum und kamen zu dem Schluss, dass der Mensch dieser Vogelart durch die moderne Gebäudesanierung, Bauweise und das Dämmen der Dächer die Brutnischen genommen hat und sich diese Art deshalb durch die fehlende Nistmöglichkeit stark vermindert hat“, schreibt der Leser und verweist auf den Bericht in diesem Lokalteil vom 16. Januar („Weniger Vögel: Frühling wird leise“).

Schäden in Gärten und auf Feldern

Bei diesem Gespräch fiel Herbert Sabiers eine wahre Geschichte aus seiner Kindheit ein. In der tauchen Spatzen, sein Freund Walter und dessen Onkel Emil auf, die er als Leserbeitrag an die Lokalredaktion schickte.

Und zwar: In den frühen 1950-er Jahren flogen demnach große Spatzenschwärme umher. In Scharen fielen sie laut Sabiers über die Kornfelder und Sämereien her, richteten große Schäden in Gärten und in der Landwirtschaft an, so dass man diese umweltmäßig als Schädlinge erklärte. Den Spatzen wurde behördlich der Krieg erklärt, im Internet gibt es heute noch viele Einträge zum Stichwort „Spatzenkrieg“.

So erlaubten die zuständigen Behörden, die Spatzen per Luftgewehr oder per Steinschleuder abzuschießen. Die getöteten Vögel konnte man zur Polizeiwache bringen, dort bekam man für jeden toten Spatzen eine Kopfprämie von zehn Pfennig. Später wurde die Prämie um die Hälfte gesenkt.

„So gingen wir Kinder hinter den schießfreudigen Spatzenjägern her und sammelten die toten Vögel ein. Wir brachten diese dann zur Polizeiwache, deren Eingangstür sich in unserem Rathaus unten in der linken Ecke befand und kassierten die Abschussprämie zur Aufstockung unseres Taschengeldes“, erinnert sich Herbert Sabiers. Dann trat ein neues Tierschutzgesetz in Kraft, das mitunter auch den Abschuss von Vögeln unter Strafe stellte. „Onkel Emil ging jedoch weiterhin mit seinem Luftgewehr auf Vogeljagd, mein Freund Walter sammelte fleißig die abgeschossenen Vögel ein, brachte diese in der Hoffnung auf eine weitere satte Kopfprämie zur Polizeiwache“, berichtet der Leser aus Wetter rückblickend.

Gewehr beschlagnahmt

„Wer hat denn die Spatzen geschossen?“, fragte mit interessiertem Gesicht der Polizeiwachtmeister Heinrich Stradtmann. „Mein Onkel Emil“, entgegnete Walter. „Wie heißt denn dein Onkel Emil mit Hausnamen und wo wohnt dein Onkel Emil?“, fragte der emsige Beamte. Walter gab alles wahrheitsgetreu an.

Der Onkel war daraufhin sein Luftgewehr los, es wurde polizeilich beschlagnahmt. Emil erhielt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eine saftige Geldstrafe. Herbert Sabiers schlussfolgert: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“

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