Hochwasser

Zerstörung in Wetter und Herdecke: So zahlen Versicherungen

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Das Wasser ist weg. Die Aufräumarbeiten laufen. Doch wer zahlt eigentlich die entstandenen Schäden?

Das Wasser ist weg. Die Aufräumarbeiten laufen. Doch wer zahlt eigentlich die entstandenen Schäden?

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Wetter/Herdecke.  Zerstörte Häuser, Wohnungen und Autos hat das Unwetter in Wetter und Herdecke zurückgelassen. Das zahlen Versicherungen

Überflutete Straßen, weggeschwemmte Autos, eingestürzte Häuser und zerstörte Brücken – Starkregen und Hochwasser haben auch Teile von Wetter und Herdecke in Mitleidenschaft gezogen. Spätestens, wenn das Wasser weg ist, stellt sich die Frage, wer für die Schäden aufkommt.

Welche Versicherung kommt für die Schäden auf? Bei Autos sei das relativ unproblematisch, berichtet Kurt Nörenberg, Ehrenvorsitzender des Bezirksverbandes Hagen/Arnsberg und Landespressesprecher NRW im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Für Unwetterschäden am Auto, Wohnmobil oder Wohnanhänger könne eine Teilkaskoversicherung aufkommen. Diese greife bei Schäden, für die keine dritte Person verantwortlich gemacht werden kann. Zum Beispiel nach Überschwemmungen, Sturm, Hagel, Blitzschlag oder Brand bestehe Schutz bei Beschädigung, Zerstörung, Totalschaden oder Verlust des Fahrzeugs und der mitversicherten Teile. Kaskoversichert ist der Wiederbeschaffungsaufwand des Fahrzeugs. Je nach Tarif können unterschiedliche Selbstbehalte vereinbart werden.

Gefahren meiden

Wer nur die vorgeschriebene Kfz-Haftpflichtversicherung hat, muss den Schaden aus eigener Tasche zahlen. Wer mutwillig ausprobiere, ob er mit dem Wagen ein überflutetes Straßenstück schaffe und dann stecken bleibe, gehe ebenfalls leer aus.

„Besonders Geländewagenfahrer scheinen manchmal verblüfft zu sein, wenn ihr Wagen es nicht schafft, weil ein Wasserschlag in Sekunden den Motor zerstört“, meint Nörenberg. Dann habe man plötzlich nicht nur kein Auto mehr, sondern auch die Geldquelle Kaskoversicherung sei versiegt. Auch im Vorfeld sollten Fahrzeughalter besser wachsam sein und potenzielle Gefahren meiden. Wer trotz Hochwasserwarnung sein Auto am Hafenbecken parkt, handelt möglicherweise grob fahrlässig und bekomme den Schaden nur anteilig ersetzt.

Wohngebäude und Hausrat

Für Folgen von Naturgewalten, wie z. B. Sturm und Hagel, die auch große Schäden anrichten können, versicherte man „schon immer“ die Immobilie durch Gebäude- und den Haushalt durch Hausratversicherungen. Doch für die jetzigen Schäden, die durch das Unwetter und Rückstaus in der Kanalisation entstehen, sind nur Elementarschadenversicherungen zuständig. Diese decken aber nicht nur Hochwasserschäden ab, sondern auch Schäden, die durch Erdrutsche, Lawinen, Schneedruck, Erdsenkung und sogar durch Erdbeben entstanden sind. „Bei einem guten Vermittler wird eigentlich immer auf diesen Aspekt hingewiesen“, sagt Nörenberg.

Ausmaß des Schadens als Kriterium

Die Höhe der Entschädigung hängt ab von der Versicherungssumme, vom Ausmaß des Schadens und davon, ob eine Selbstbeteiligung vereinbart ist. Die Wohngebäudeversicherung mit erweiterter Naturgefahrendeckung übernimmt die Kosten für die Reparaturen im und am Haus sowie den Nebengebäuden (z. B. Garage oder Schuppen); die Trockenlegung und Sanierung des Gebäudes; den eventuellen Abriss des Gebäudes; Konstruktion und Bau eines gleichwertigen Hauses. Die Hausratversicherung mit erweiterter Naturgefahrendeckung sichert den kompletten Hausrat ab. Sie übernimmt die Reparaturkosten für das gesamte beschädigte Inventar. Sie erstattet den Wiederbeschaffungspreis, wenn das Hab und Gut komplett zerstört wurde. Die schlechte Nachricht ist: Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben in NRW nur 40 Prozent der Haushalte einen solchen Versicherungsschutz. „Deshalb werden wahrscheinlich die meisten Hausbesitzer keine Entschädigung durch ihre Versicherung erhalten und leider die Schäden selbst bezahlen müssen“, stellt Kurt Nörenberg fest.

Versicherungen für Betriebe

Auch Firmen können ihre Betriebsunterbrechungsversicherung mit einem Schutz gegen Elementarschäden komplettieren. Sollte es dann zu einem Schadensfall durch einen Starkregen wie jetzt kommen, kann die Betriebsunterbrechungsversicherung das Unternehmen optimaler Weise finanziell so stellen, als hätte diese erzwungene Unterbrechung niemals stattgefunden. Die Versicherungsleistung wird in der Regel ab dem ersten Tag des Ausfalls bzw. nach Ablauf einer vereinbarten Karenzzeit bis zur Wiederaufnahme der ordnungsgemäßen betrieblichen Tätigkeit erbracht.

Auslaufen von Heizöl

Nicht versichert bei Elementarschadenversicherungen sind Gewässer- und Hausschäden, die durch das Auslaufen von Heizöl entstehen, wenn das Hochwasser den Keller überflutet und sich die Tanks aus ihrer Verankerung reißen bzw. „aufschwimmen“. Das Heizöl mischt sich dann mit dem Brackwasser. Deshalb sollten Hauseigentümer mit Ölheizungen an eine Gewässerschadenhaftpflicht- bzw. Öltankversicherung denken, die auch eigene Öl-Schäden am Haus abdeckt.

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