Freizeit

Zwei herbe Nackenschläge für die Seepark-Pläne

Wetter/Herdecke/Hagen.   Die neue NRW-Regierung verlängert das Förderprogramm nicht. Und jetzt plant die Bahn auch noch ein Umspannwerk mitten im Freizeitpark

Zwei Schock-Nachrichten zum Ausbau des Freizeitreviers am Hengsteysee sind während der Sommerpause im Rathaus der Nachbarstadt Hagen eingeschlagen: Zum einen teilte die Bezirksregierung im Arnsberg mit, dass die Landesregierung das Förderprogramm „Grüne Infrastruktur“, für dessen millionenpralle Töpfe sich die Stadt bewirbt, nicht verlängert. Zum anderen kündigte die Bahn an, auf dem einstigen Cargobeamer-Gelände, das das Herzstück des Seepark-Entwicklungsgebietes bilden soll, ein vier Hektar (40 000 qm) großes Umspannwerk errichten zu wollen. Eine Investition, die ähnlich absurd klingt, als hätte man seinerzeit den Planern der Schalke-Arena mitgeteilt, dass im Mittelkreis des Stadion-Rasens ein Strommast stehen müsse.

Suche nach Alternativgrundstück

Die Baupläne der Bahn waren im Rahmen der Kaufverhandlungen des Regionalverbandes Ruhr (RVR) mit dem Bundeseisenbahnvermögen (BEV) plötzlich aufgetaucht. Denn der RVR möchte das Areal gerne für die Stadt Hagen erwerben, um dort den Weg für eine touristische Entwicklung freizumachen. Dabei machte die Bahn-Tochter „DB Energie“ deutlich, dass sie ein Fünftel des 20 Hektar großen Seepark-Areals zwischen Dortmunder Straße und Seestraße für sich beanspruche.

„Wir reden hier immerhin über sechs Konverter“, erläuterte Hagens Baudezernent Thomas Grothe, „diese Pläne der Bahn laufen völlig konträr zu unseren Interessen.“ Das Verkehrsunternehmen sieht sich angesichts der Energiewende gezwungen, weitere Einspeisepunkt zu errichten, um seine Züge zuverlässig mit Strom versorgen zu können. Das bestehende Umspannwerk in Hengstey am Uhlenbruch bleibt bestehen. Die Anlage soll bereits innerhalb der nächsten drei Jahre realisiert werden. In ersten Gesprächen mit „DB Energie“ hat die Stadt Hagen bereits versucht, ihre Eigeninteressen deutlich zu machen und auf mögliche Alternativgrundstücke jenseits der Bahngleise hingewiesen. Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz zeigte sich von den Ambitionen der Bahn ebenfalls überrascht. Diese seien auch während der Verhandlungen mit dem Cargobeamer-Konsortium nie formuliert worden.

Dass nach der „Regionale“-Pleite parallel jetzt noch das NRW-Förderprogramm „Grüne Infrastruktur“ nach dem Machtwechsel in Düsseldorf aufgrund veränderter politischer Prioritäten eingestellt wird, bedeutet den nächsten Nackenschlag für die Seepark-Pläne. Nach einem ausführlichen Ideensammlungsprozess mit breiter Bürgerbeteiligung hatte ein Duisburger Landschaftarchitekten-Büro die einzelnen Vorschläge (Stege ins Wasser, Badeboot, Seebühne, Dirt-Bike-Strecke, etc.) zu einem Projektantrag gebündelt, über dessen Zuschlag eine Jury Ende September entscheidet.

Allerdings sollten die einzelnen Elemente schrittweise erst bis 2027 mit Blick auf die Internationale Gartenbauausstellung realisiert werden. „Nun müssen wir alles bis 2020 geplant und beantragt sowie bis 2022 gebaut und abgerechnet haben“, blickt Baudezernent Grothe mit großer Skepsis auf die jetzt entstandene, extrem ehrgeizige Taktung. Daher gelte es abzuwägen: Zwar könne man das Gesamtkonzept abspecken und damit die zeitgemäße Umsetzung gewährleisten, allerdings werde die Seepark-Idee damit deutlich unattraktiver und der Zuschlag für das Förderprogramm umso unwahrscheinlicher, so Grothe.

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