Essensverschwendung

App hilft in Herne gegen Verschwendung von Lebensmitteln

Manuela Schwers, Inhaberin der „Bäckerei am Schloss“ in Herne, bietet übrig gebliebene Backwaren bereits seit 2017 über die App „Too good to go“ an.

Manuela Schwers, Inhaberin der „Bäckerei am Schloss“ in Herne, bietet übrig gebliebene Backwaren bereits seit 2017 über die App „Too good to go“ an.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Über die App „Too good to go“ bieten Händler übrig gebliebene Lebensmittel zum günstigen Preis an. Vier Geschäfte machen in Herne bereits mit.

Weniger Essen wegwerfen und dabei noch Geld sparen – das ist das Konzept der App „Too good to go“. Auch in Herne bieten vier Händler ihre übrig gebliebenen Lebensmittel in der App kostengünstig an. „Früher musste ich Brötchen, Brote und Teilchen nach Ladenschluss entsorgen oder an Freunde und Bekannte verschenken“, sagt Manuela Schwers. Nun verkaufe sie sie für einen kleinen Preis.

Es ist 14 Uhr, die „Bäckerei am Schloss“ an der Bahnhofstraße schließt für heute. Aber die Regale sind noch gut gefüllt. „Bei einer Bäckerei können sie nie auf Null arbeiten“, sagt Manuela Schwers, die das Geschäft mit Tochter Alexandra führt. Auch der letzte Kunde wolle schließlich noch eine Auswahl haben. Kaum ist die Tür für den regulären Verkauf geschlossen, geht es rund. Die beiden Frauen sortieren die Backwaren blitzschnell auf Stapel: Einige Körnerbrötchen, ein Brot sowie Kuchen und Teilchen werden gerecht aufgeteilt. Es muss schnell gehen, denn schon um 14.05 Uhr geht die Ladentür wieder auf.

Mit der App „To good to go“ Waren deutlich günstiger

Dann kommen neue Kunden. Welche, die über die App „Too good to go“ per Klick Backwaren im Wert von 9 Euro gekauft haben, dafür aber nur 3,70 Euro zahlen müssen. Das erfolgt über die App. Sechs solcher Pakete bietet Manuela Schwers werktags an, zehn am Samstag. Sie müssen in einem angegebenen Zeitfenster abgeholt werden.

Eines davon hat Marcel Breitkopf gekauft. Der 23-Jährige nutzt die App häufiger und ist schon das vierte Mal in der Bäckerei. „Das hat pragmatische Gründe“, sagt er. „Es soll nicht so viel Essen weggeworfen werden – und ich spare dabei auch noch.“ Schließlich kosteten die Backwaren zum regulären Preis recht viel. Dank App esse für 3,70 Euro seine fünfköpfige Familie davon.

Kundin Christina Osterhoff gehe es vor allem darum, Essensmüll zu vermeiden. „Ich bin unheimlich erschrocken, was heute alles weggeworfen wird.“ Wie die meisten Kunden hat sie einen Stoffbeutel mitgebracht, in den die Backwaren gelegt werden, um auch Verpackungsmüll zu sparen. „Ich bin von der Auswahl begeistert. Sie hoffe nur, dass die Händler nicht mehr produzieren, nur um es über die App zu verkaufen.“

Kunde hat keine Auswahl auf das, was er bekommt

Aber da kann sie Manuela Schwers beruhigen. „Wenn kein Brot mehr da ist, gibt’s keines. Dann tun wir mehr Brötchen oder Teilchen in die Tasche.“ Und falls sie merke, dass im regulären Verkauf zu wenig übrig bleibt, könne sie auch kurzfristig Bestellungen in der App stornieren. Sie arbeitet seit 2017 mit der App zusammen und sagt, das sei eine Win-win-Situation für sie und den Kunden.

Auch die Bäckerei „Sindy’s Frühstücksservice“ an der Roonstraße ist bei „Too good to go“ gelistet. Dort erhalten Kunden Backwaren und eventuell auch Wurst- oder Fleischwaren im Wert von 4 Euro für den halben Preis. Der Bio-Laden Kornmühle an der Viktor-Reuter-Straße bietet Suppe und Quiche vom aktuellen Mittagstisch. Zwei Portionen, die regulär 9 Euro kosten würden, gibt es dann für 3,50 Euro. Wie bei allen gilt auch hier: Genommen wird, was übrig bleibt.

Fleischerei als viertes Geschäft in Herne dabei

„Aufschnitt oder Fleisch?“, ist die erste Frage von Christian Mehle von der Fleischerei Löken an der Dorneburger Straße. Sie ist ganz neu für Herne in der App gelistet, bietet Fleisch- oder Aufschnittpakete an für 4,50 Euro statt 9 Euro. „Bevor ich Sachen wegwerfen muss, verkaufe ich sie doch lieber zum Einkaufspreis“, sagt Mehle. So habe er immer frische Ware in der Auslage. „Das ist eine Überraschungstüte“, sagt der Fleischermeister. Mal gebe es marinierte Hähnchensteaks, mal Spießbraten oder auch ein Steak. Nicht jeder könne sich jeden Tag warmes Essen leisten. Das Schnäppchen-Angebot sieht er auch als Werbung für sein Geschäft, denn vielleicht kaufe der eine oder andere ja auch noch etwas mehr – ganz regulär.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben