Gericht

Angriff auf Rocker: Boss des Bandido-Chapters schweigt

 Zwei der Angeklagten im Herner Rockerprozess mit ihren Verteidigern

 Zwei der Angeklagten im Herner Rockerprozess mit ihren Verteidigern

Foto: Jörn Hartwich

Bochum/Herne.  Fünf Männer stehen ab Montag vor Gericht. Sie sollen im August 2018 in Herne drei Rocker aus Wuppertal, Gevelsberg und Wetter angegriffen haben.

Da sitzen sie nun und können offenbar selbst nicht fassen, was eigentlich passiert ist: fünf Mitglieder des gerade erst gegründeten Bandidos-Chapters MC Bochum-City/ Ruhrpott. Vor rund einem Jahr sollen die fünf Rocker in Herne über drei Mitglieder des Motorradclubs „The Living Dead MC Nomads“ aus Wuppertal, Gevelsberg und Wetter hergefallen sein. Eines der Opfer ist seitdem ein Pflegefall. „Der Mann kann noch atmen, sonst kann er nichts mehr“, sagte Richterin Susanne Schön-Winkler zum Prozessauftakt vor der 11. Strafkammer des Bochumer Landgerichts. „Er ist seiner ganzen Lebensqualität beraubt worden. Davor können wir nicht die Augen verschließen.“

Es war der 11. August 2018, um kurz vor 20 Uhr. Die Angeklagten waren mit einem schwarzen Audi A3 – einem Leihwagen - auf dem Weg zur Cranger Kirmes, als sie in der Herner Innenstadt drei andere Rocker entdeckten, die aus ihrer Sicht dort nichts zu suchen hatten. Was dann passierte, ist eigentlich unfassbar.

Herner Rockerprozess: Angriff auf der Straße

Die Angeklagten sollen die Motorradfahrer gestoppt und dann brutal über sie hergefallen sein. Auf offener Straße, direkt vor dem Herner Kulturzentrum. In der Anklage ist von Faustschlägen und Tritten die Rede – gegen Kopf und Körper. Eines der Opfer, ein 55-Jähriger, ging zu Boden und stand nicht wieder auf. Kiefer und Augenhöhlenboden waren gebrochen, außerdem stellten die Ärzte später ein schweres Schädel-Hirn-Trauma fest. Not-Operation, Intensivstation, Pflegeheim. „Dass sie nicht vor dem Schwurgericht angeklagt worden sind, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass der Tod ausgeblieben ist“, sagte Richterin Schön-Winkler an die Adresse der Angeklagten.

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Und die blickten betreten nach unten. Wie ein Rocker wollte am ersten Prozesstag keiner von ihnen aussehen. Drei kamen im Oberhemd, einer trug sogar eine Anzugshose, hatte das Hemd bis obenhin zugeknöpft. Vorbestraft sind sie alle, einige haben auch schon im Gefängnis gesessen. Vier von ihnen baten über ihre Verteidiger um Entschuldigung. „Obwohl das nur eine symbolische Geste sein kann“, sagte Anwalt Lars Volkenborn.

Präsident des Bandidos-Chapters schweigt

Einer will erst einmal gar nichts sagen. Er ist der Präsident des Bandidos-Chapters „Bochum-City/ Ruhrpott“. Zum Prozessauftakt kam er auf Krücken. Achillessehnen-Riss im Gefängnis. Die Angeklagten fühlten sich offenbar als Könige. Einer hat genau das auf seinen Körper tätowiert. Rocker aus anderen Clubs wurden auf „ihrem Gebiet“ scheinbar nicht geduldet. Sie wollten ihnen die Kutten abnehmen, heißt es. „Ein Akt der Demütigung“, so Verteidiger Volker Schröder. Das sei in Rockerkreisen so üblich, erklärte ein anderer. Es gebe schließlich Gebietsansprüche, die eingehalten werden müssten. Dass die beiden Clubs eigentlich freundschaftlich verbunden waren und ein sogenanntes „good standing“ geschmiedet hatten, war den Angeklagten offenbar nicht bekannt.

Sieben Monate hat es gedauert, bis die Angeklagten festgenommen werden konnten. Die Aufzeichnungen der Überwachungskamera eines Bogestra-Busses, der zufällig in der Nähe stand, führte die Ermittler auf die richtige Spur. Ja, er erkenne sich auf dem Film wieder, ließ einer der Angeklagten die Richter wissen. Und ja, er sei der mit den weißen Turnschuhen, der auf einen der anderen Rocker eintreten. Die Anklage lautet auf gefährliche und schwere Körperverletzung. Damit drohen den Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft. Richterin Schön-Winkler: „Es gibt Anhaltspunkte, dass davon auch Gebrauch gemacht werden könnte.“

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